the condemned (scott wiper, usa 2007)

Veröffentlicht: September 24, 2008 in Film
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Der Fernsehproduzent Ian Breckel (Robert Mammone) will mit seiner neuesten, direkt live ins Web übertragenen Show alle Zuschauerrekorde sprengen: Auf einer kleinen Insel im indischen Ozean setzt er zehn hochgradig gefährliche Schwerverbrecher aus, die er aus den Todeszellen dieser Welt freigekauft hat. Einer dieser Todgeweihten soll nach Ablauf von 30 Stunden die Freiheit geschenkt bekommen, aber nur, wenn es ihm gelingt, als letzter Überlebender übrig zu bleiben. Die Show entwickelt sich tatsächlich zum Erfolg, aber nicht alle sind begeistert …

Inhaltlich erinnert THE CONDEMNED zunächst an eine Mischung aus CON AIR (die bunte Ansammlung brutaler Gewaltverbrecher) und BATTLE ROYALE (Setting und Plot), die sich aber im Verlauf ihrer Spieldauer immer mehr vom bloßen Actioner in ein medienkritisches Drama verwandelt. Zu Beginn spielt Regisseur Wiper ganz das zynisch-widersprüchliche Potenzial seines Films aus: Wir schauen einem Spektakel zu, dass innerhalb des Films als verbrecherisch und inhuman verurteilt wird, und machen uns somit mitschuldig. In der ersten halben Stunde lebt THE CONDEMNED ausschließlich von dieser an Deodatos CANNIBAL HOLOCAUST erinnernden Provokation, die er aber immer mitreflektiert. Danach beginnt Wiper aber den Fokus seiner Betrachtungen auszuweiten: Das Gerangel auf der Insel gerät zunehmend in den Hintergrund – nicht zuletzt, weil die Kandidaten das Spiel nicht mehr so spielen, wie es der Erfinder im Sinne hatte – während die Ränder des Geschehens ins Blickfeld treten: Der „Held“ des Films, der Amerikaner Conrad (Wrestler „Stone Cold“ Steve Austin), erhält eine Vergangenheit samt einer ihn suchenden Ehefrau; eine toughe Reporterin schickt sich an, Breckel und seine menschenverachtende Show bloßzustellen; das FBI interessiert sich plötzlich ebenfalls für die Sendung und in Breckels Team bahnt sich eine Meuterei an. Diese Handlungserweiterung verwässert zwar das skandalöse Potenzial von THE CONDEMNED, sorgt aber auf der anderen aber für die emotionale Involvierung des Zuschauers, der hier eben nicht nur irgendwelchen Comicfiguren zusieht, sondern zunehmends gewahr wird, es mit Menschen zu tun zu haben. Wipers Film ist nicht immer stilsicher und auch nicht immer besonders clever: Seinen Tiefpunkt erreicht er, wenn er die Reporterin nach dem vermeintlichen Ende der Show eine flammende Rede auf den Humanismus halten lässt und dazu die bedröppelten Gesichter der Zuschauer einfängt, die eben noch mitgegröhlt haben. Trotzdem gelingt ihm die Gratwanderung zwischen Medienkritik und Scheinheiligkeit ganz gut und vielleicht ist es sogar sein ausgesprochener Clou, dass er das Terrain des „Gewaltfilms“ nach turbulentem und brutalem Auftakt mehr und mehr verlässt.

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