tropic thunder (ben stiller, usa 2008)

Veröffentlicht: September 28, 2008 in Film
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In Südostasien soll unter der Regie des Briten Damien Cockburn (Steve Coogan) der Erlebnisbericht des Vietnamveteranen Four Leaf Tayback (Nick Nolte) verfilmt werden. Für die Stars des Films geht es um viel, denn alle stehen an einem entscheidenden Punkt ihrer Karriere: Der Stern des Actionstars Tugg Speedman (Ben Stiller) ist im Sinken begriffen und verzweifelt kämpft er um Anerkennung als ernster Schauspieler; der fünfmalige Oscar-Gewinner Kirk Lazarus (Robert Downey jr.) sucht die Herausforderung im Actionfach; Jeff Portnoy (Jack Black), Star zahlreicher niveauloser Komödien und schwer drogenabhängig, will sich endlich in einem ambitionierten Film beweisen und für Rapper Alpa Chino (Brandon T. Jackson) geht es darum, zu zeigen, dass er mehr kann als seinen Energy Drink „Booty Sweat“ zu promoten. Leider steht „Tropic Thunder“ schon nach wenigen Drehtagen vor dem Aus, weshalb Cockburn zu extremen Methoden greift: Er setzt seine Stars im mit versteckten Kameras gespickten Urwald aus, wo sie ohne Regieanweisungen agieren sollen, um dem Film mehr Realismus zu verleihen. Doch als der Regisseur einer Landmine zum Opfer fällt, sind die Schauspieler auf sich allein gestellt, ohne zu wissen, dass sie längst nicht mehr in einem Film agieren …

Schon nach den dem Film vorangestellten Fake-Trailern zu den Werken der Tropic-Thunder-Stars ist klar, dass Ben Stiller (dessen ZOOLANDER ich verehre) ein großer Wurf gelungen ist. Sein TROPIC THUNDER ist gespickt mit absurden Einfällen und famosen Gags, aber gleichzeitig von großer Wahrheit. Zielscheibe seines Films ist nichts weniger als die Traumfabrik selbst, die er als große Lügenmaschine enttarnt. Das beginnt schon bei den bescheuerten Anwandlungen seiner Stars, die in der ihnen eigenen Mischung aus Narzissmus und Größenwahn kein Fettnäpfchen auslassen. So landete Speedman einen gewaltigen Flop mit der Darstellung eines Schwachsinnigen in „Simple Jack“, der ihm eigentlich einen obligatorischen Behinderten-Oscar einbringen sollte; Lazarus hat sich extra einer Pigmentbehandlung unterzogen, um die Rolle eines schwarzen Soldaten zu übernehmen, was natürlich zu Konflikten mit Alpa Chino führt, hinter dessen aufgesexter Rapper-Persona sich ein Homosexueller verbirgt. Und Tayback, Verfasser der literarischen Vorlage, war niemals in Vietnam: Er war an der Heimatfront für die Reinigung der Kasernentoiletten verantwortlich. Hinter dem Projekt steht der jüdische Produzent Les Grossman (Tom Cruise), ein Brutalkapitalist ohne Gewissen, der in seinem Büro gern zu sexistischen Hip-Hop-Songs tanzt. Diese Verlogenheit der Charaktere spiegelt sich wiederum in den Wendungen des Plots wider und am Ende, wenn „Tropic Thunder“ dann als Dokumentation über die Dreharbeiten zu einem Film, der nicht fertiggestellt wurde, in die Kinos kommt, wissen wahrscheinlich auch die Darsteller selbst nicht mehr, an welchem Projekt sie eigentlich mitgewirkt haben. Zur umfassenden Verwirrung trägt Stiller nicht zuletzt dadurch bei, dass sein Film ebenfalls unter dem Titel TROPIC THUNDER firmiert und somit die Geschichte über die Entstehung eines Making-Ofs … Es sollte klar geworden sein, worauf ich hinaus will. All die strukturelle Finesse wäre aber nichts wert, würde TROPIC THUNDER nicht am laufenden Meter Gags produzieren, die die ganze Palette von „abgrundtief böse“ bis „komplett bescheuert“ durchmessen. Schlüssel zu diesem Erfolg sind die Darsteller, die allesamt hervorragend aufgelegt sind und sichtbar Spaß an der Sache hatten. Besonders Robert Downey jr. und Tom Cruise stürzen sich mit Verve auf ihre Larger-than-Life-Charaktere, die  allerdings – das sei relativierend eingeräumt – dankbares Material darstellen. Die anderen Figuren fallen demgegenüber naturgemäß etwas ab, was der Balance des Gesamtwerks aber sehr wohl bekommt. TROPIC THUNDER ist ein perfekter Partyfilm geworden, den man aber schwer unterschätzen würde, reduzierte man ihn darauf. Tolles Ding!

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