the octagon (eric karson, usa 1980)

Veröffentlicht: September 29, 2008 in Film
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Eine Terrororganisation murkst und meuchelt sich quer durch die Weltgeschichte. Als der Karatechamp Scott James (Chuck Norris) durch Zufall in ein Attentat involviert wird, an dem ein auch paar Ninjas beteiligt sind, hat er eine furchtbare Ahnung: Sein abtrünniger Stiefbruder Seikura (Tadashi Yamashita), zusammen mit Scott der letzte in der Kunst des stillen Tötens unterwiesene Kämpfer, muss irgendetwas mit den Anschlägen zu tun haben. Und tatsächlich werden irgendwo in der Einöde Freiwillige von ihm zu Ninjas ausgebildet …

Die Meriten von THE OCTAGON lassen sich schnell zusammenfassen: Ihm kommt die Ehre zu, den Ninjamythos noch vor der umtriebigen Cannon für den Actionfilm urbar gemacht zu haben, die erst ein Jahr später den allerdings ungleich besseren ENTER THE NINJA auf den Markt warf. So finden sich in Karsons Norris-Vehikel schon viele Elemente, die später einfach nur noch übernommen wurden: die Rivalität der ungleichen Brüder, die in Rückblenden wieder aufgerollt wird, und die lustigen Trainingseinlagen, denen die Söldner ausgesetzt werden, findet man sowohl in der erfolgreichen AMERICAN NINJA-Reihe als auch in der dieser vorangehenden Ninja-Trilogie der Cannon wieder. John Fujioka, der hier Scotts Ziehvater gibt, sollte seine Rolle in AMERICAN NINJA ebenso wiederholen wie Yamashita die seine als böser Obermotz. Leider hat THE OCTAGON abgesehen von seinem Status als Inspirationsquelle kaum etwas zu bieten: Dramaturgie und Inszenierung kommen über Fernsehserien-Standard nicht hinaus und die Actionszenen sind überaus sparsam über die ungewöhnlich üppige Laufzeit von 105 Minuten verteilt. Wenn der Showdown nach 90 langen Minuten endlich beginnt, hat Karson die Geduld seiner Zuschauer längst über Gebühr strapaziert und ihr Interesse verspielt. Es ist vollkommen unverständlich wie umständlich und überkompliziert THE OCTAGON strukturiert ist: Von Action fehlt über weite Strecken des Films jede Spur, stattdessen muss der Zuschauer eine uninteressante und unansehnliche Dialogszene nach der anderen über sich ergehen lassen. Zu diesem Manko gesellen sich vollkommen unerklärliche Schachzüge wie jener, Scotts Gedanken mittels eines unverständlich geflüsterten und mit Hall versehenen Voice Over hörbar zu machen, was nicht nur vollkommen überzogen und albern wirkt, sondern  den Protagonisten zu allem Überfluss auch noch der völligen Lächerlichkeit preisgibt. Natürlich tut auch Norris das Seine, um diesen Eindruck durch sein hölzernes, unbeholfenes Spiel zu unterstreichen: Man sieht ihm teilweise geradezu an, wie er die Anweisungen des Drehbuchs memorieren muss, bevor er sie dann mechanisch ausführt. Letzten Endes muss man das Versagen des Films aber ganz klar dem Regisseur anlasten, der aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln rein gar nichts macht. Eigentlich müsste man sich darüber ärgern, wie hier jedes durchaus vorhandene Potenzial ungenutzt bleibt, aber nach durchlittener Spieldauer ist keinerlei Energie mehr für solche Temperamentsausbrüche übrig. Man ist einfach nur froh, dass es vorbei ist.

Kommentare
  1. […] der lose eingesetzte Voice-Over-Kommentar Norris’, der wie ein unmotiviertes Überbleibsel aus THE OCTAGON wirkt. Ganz konträr zu der Verdichtung auf den Grundkonflikt „Mann gegen Mann“ weist dieser […]

  2. […] THE OCTAGON erblickte ein Jahr früher das Licht der Welt, trotzdem darf man ENTER THE NINJA als Auftakt des in den folgenden Jahren grassierenden Ninjatrends betrachten. Menahem Golan und Yoram Globus hatten mit ihrer Produktionsgesellschaft wie so oft das richtige Näschen und führten den maskierten Killer in einem Film ein, der als bunte Mischung aus Action- und Martial-Arts-Einlagen,  Abenteuerfilm-Flair, viel Exotik, wohldosierter Erotik, einer Prise Melodram und den obligatorischen komischen Elementen sowie einer beachtlichen Besetzung um die Gunst der Zuschauer warb. ENTER THE NINJA lässt eine klare Linie dann auch etwas vermissen und ich kann auch nach dieser zweiten Sichtung nicht so genau sagen, ob das jetzt ein harter Actionfilm oder doch eher ein jugendfreundlicher Abenteuerfilm ist. Vor allem die Anwesenheit Zachi Noys als rückgratloser Unterhändler mit Hakenhand verhindert, dass ich ENTER THE NINJA so richtig ernst nehmen kann, obgleich er in seinen Actionszenen von durchaus zupackender Härte ist. […]

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