it’s a mad, mad, mad, mad world (stanley kramer, usa 1963)

Veröffentlicht: Oktober 6, 2008 in Film
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Auf einer kalifornischen Bergstraße kommt ein Wagen von der Fahrbahn ab und stürzt in den Abgrund. Ein paar Zeugen eilen dem Fahrer zuhilfe, können jedoch nur noch dessen letzte Worte erhaschen. Und die haben es in sich: In einem Park in Pomona sollen unter einem „riesigen W“ 350.000 Dollar vergraben sein. Die Jagd nach dem Geld beginnt, doch auch die Polizei unter der Führung des findigen Captain Culpeper (Spencer Tracy) hat schon Lunte gerochen, stammt das Geld doch aus einem 15 Jahre alten Überfall …

Es gibt wahrscheinlich nur wenige amerikanische Filme, die sich so gut dazu eignen, anlässlich des Besuchs in den nicht mehr ganz so neuen Bundesländern begutachtet zu werden. Tatsächlich rutschte IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD nicht nur unbeanstandet durch die DDR-Zensur, er dürfte den strengen Zensoren auch noch ausgezeichnet gefallen haben. Kramer enttarnt in seiner Slapstick-Parade auf zwar schonende, aber deshalb nicht minder deutliche Art und Weise die bodenlose Geldgier der Menschen im Kapitalismus und spielt der sozialistischen Propaganda schön in die Karten. Kramers Protagonisten riskieren für das große Geld nicht nur ihr Leben, sie legen infolgedessen auch allerhand unangenehme Charaktereigenschaften an den Tag, treten sowohl die eigene als auch die Würde ihrer Mitmenschen bereitwillig mit Füßen und geben sich vollkommen der Lächerlichkeit preis. Dass Kramers Film dabei nicht zu einer unagenehm ätzenden Veranstaltung wird, liegt zum einen daran, dass er seine Geschichte als gewaltige Slapstick-Orgie im Scope-Format inszeniert, in der sich allerhand Comedygrößen in Haupt- und Minirollen die Klinke in die Hand geben, zum anderen daran, dass der Traum vom großen Geld natürlich auch für den Zuschauer nur allzu nachvollziehbar ist. Alle Figuren wollen den Zwängen des Alltags entfliehen: Sie haben das Camus’sche Absurde in der Welt erkannt und das Geld scheint ihnen das rechte Mittel, diesem zu entkommen. Doch gerade das ist ihr Fehler: Das Absurde ist, einmal erkannt, nicht mehr revidierbar und somit werden die Geldjäger umso heftiger darauf zurückgeworfen, wie sie sich ihm zu entziehen suchen. All ihre Mühe ist schon von Beginn an umsonst, weil die Polizei doch nur darauf wartet, zuzuschlagen, sobald die Schatzsuche vorbei ist. So stehen alle am Ende mit leeren Händen da; auch Polizist Culpeper. So viel Ernüchterung war wahrscheinlich zu viel für Kramer weshalb er am Ende alle herzhaft über ihr Schicksal lachen lässt. Nicht erst hier macht sich IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD angreifbar, scheint dieses Lachen doch genau jenes zu sein, gegen das Adorno einst so vehement wetterte: Es ist das Lachen, mit dem man sein Leid leugnet und sich bereitwillig in die Welt fügt. Die Parallele zu Adorno wird umso evidenter, wenn man den Anlass des großen Schlusslachers betrachtet: Die biestige Schwiegermutter rutscht auf einer Bananenschale aus. Gibt es einen Gag, der den Begriff „Kulturindustrie“ stärker verbildlicht? IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD ist ein auf positive Art und Weise streitbarer Film, weil in ihm alle Widersprüchlichkeiten und Paradoxien des kapitalistischen Systems und dessen Kulturbetriebs oszillieren und den Zuschauer zu blenden versuchen. Aber das macht ihn auch zu einem wunderbaren Erlebnis, einem perfekten Beispiel für das, was sich hinter dem Begriff der „Traumfabrik“ eigentlich verbirgt. Man sollte nur wissen, worüber man lacht …

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