conspiracy (adam marcus, usa 2008)

Veröffentlicht: Oktober 7, 2008 in Film
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Der schwer traumatisierte Marine MacPherson (Val Kilmer) wird von seinem Armee-Kumpel Miguel (Greg Serano) nach Lago gerufen, ein Kaff in Arizona, wo der Mexikaner tatkräftige Hilfe beim Aufbau einer neuen US-amerikanischen Existenz braucht. Doch in Lago will niemand einen Miguel kennen und dort, wo sein Haus stehen sollte, findet sich nur ein Loch im Boden. MacPherson erregt mit seinen Fragen bald schon das Interesse des Multimillionärs Rhodes (Gary Cole), der die Stadt als national befreite Zone errichten will. Bevor es jedoch zum Kampf kommen kann, muss MacPherson erst sein Trauma überwinden …

Der Anfang ist viel versprechend: Mit zahlreichen Rückblenden und Zeitsprüngen wird uns der Protagonist näher gebracht, ein Mann, der so leer ist, dass er selbst dann noch ausdruckslos ins Nichts starrt, wenn er von einer überaus attraktiven Prostituierten geritten wird. Er und seine Kameraden fielen nach erfüllter Mission irgendwo im Nahen Osten einem im Rucksack eines kleinen Mädchens versteckten Sprengsatz zum Opfer. Was genau MacPherson dabei wiederfahren ist, erfährt der Zuschauer erst später und zwar in der stärksten Szene des Films, die ich so definitiv nicht habe kommen sehen. Das Drama vom Veteranen, der gezwungen ist, auf einmal ein normales Leben zu führen, nachdem er vormals von Tod und Zerstörung umgeben ist, kennt man natürlich aus FIRST BLOOD, doch Marcus – der einst JASON GOES TO HELL inszenierte – gibt sich mit einem bloßen Aufwärmen dieses Rezeptes erst einmal nicht zufrieden. MacPhersons Weg führt ihn nicht nur in sprichwörtliches God’s own country, sondern auch geradewegs in den Schoß des Bösen, dem er einst gerade noch entkommen war. Rhodes, archetypisches Actionschurkenmaterial, ist jedoch längst nicht nur das: ein Kapitalist mit diffusem Herrschaftswillen. Er ist auch ein Waffenfabrikant, der genau jene Konflikte befeuerte, die MacPherson am Arsch der Welt zu schlagen hatte. Zurück in der Heimat geht der Kampf – das kennt man ja – natürlich weiter. Wie einst die Indianer – MacPherson hat indianische Wurzeln, um gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen – werden unbescholtene Bürger aus Lago vertrieben, die Grundstückspreise durch Rhodes‘ Spekulationen in die Höhe getrieben, ein faschistischer Staat im Kleinen errichtet. Dem kann nur ein geborener Kämpfer gegenübertreten, doch MacPherson gelingt es nach eigenem Bekunden nicht einmal mehr, die Faust zu ballen, ohne dass er zusammenbricht: Seine obligatorische Willkommensschlägerei gewinnt er nur, weil er seinen Kontrahenten durch geschickte Ausweichbewegungen aus dem Gleichgewicht bringt und dieser sich dadurch selbst verletzt. Aus all dem hätte wenn schon kein bahnbrechender, so doch ein sehr solider Actioner mit dem nötigen Schuss Innovation werden können, wenn, ja wenn … Adam Marcus scheitert genauso wie er einst mit JASON GOES TO HELL scheiterte, mit dem er angetreten war, einem längst überkommenen Franchise eine Verjüngungskur zu verpassen. Hier wie dort war es nicht der Mangel an Ideen, sondern die Geduld und Finesse, diese auch konsequent zu entwickeln, zu Ende zu denken. Erklärt MacPherson sein Trauma, beklagt er, nicht mehr der kaltblütige Mörder von einst, sondern nahezu impotent zu sein, so bringt er in der unmittelbar folgenden Szene reihenweise Häscher mit gezielten Messerwürfen um (die Inszenierung erinnert frappieren an das Slasherkino von anno dunnemals). Scheint Rhodes mit der Macht des Kapitals im Rücken nicht einfach so wegzuwischen zu sein, entdecken plötzlich alle auf seiner Lohnliste stehenden Handlanger ihr Gewissen. Bringt MacPherson diesen um und vollendet den Kreis, so beschließen die Bewohner Lagos, den Mörder – ihren Retter – zu decken. Es wird schon alles gut werden. Es gibt Filme, die scheitern an ihren hohen Ansprüchen, daran, sich nicht beschränken zu können – JASON GOES TO HELL war so einer. Im Falle von CONSPIRACY verhält es sich ironischerweise genau andersherum: Ihm reicht es, trotz der Potenz zu mehr einfach nur belangloses Videofutter zu sein. Als solches funktioniert er und bereitet er 80 Minuten krachige Unterhaltung, mit einem gut aufgelegten Gary Cole und einem angemessen desillusioniert dreinblickenden Kilmer, der spielt wie auf Autopilot. Aber irgendwie verärgert das, ob der zahlreichen vorhandenen und achtlos fallen gelassenen Ansätze. Schade.

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