an eye for an eye (steve carver, usa 1981)

Veröffentlicht: Oktober 13, 2008 in Film
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In San Francisco kämpft die Polizei gegen die anwachsende Drogenkriminalität. Bei einem Einsatz laufen Sean Kane (Chuck Norris) und sein Partner Dave (Terry Kiser) in einen Hinterhalt. Kane muss hilflos mitansehen, wie Dave brutal ermordet wird. Wenig später wird auch noch seine Bekannte, die Fernsehreporterin Linda (Rosalind Chao) getötet: Im Rahmen ihrer Recherchen hatte sie wohl zu viel Staub aufgewirbelt. Kane quittiert den Dienst und begibt sich auf eigene Faust auf die Fährte des Mörders. Zur Hand geht ihm dabei James Chan (Mako), der Vater von Linda …

Ein Chuck-Norris-Film der frühen Achtziger. Das bedeutet in der Regel ein finessenarmes, streng den Konventionen des derivativen Polizeifilms verpflichtetes Drehbuch, eine bestenfalls routinierte, fernsehhafte Inszenierung und ein Schwergewicht auf den Karatekünsten des Hauptdarstellers. AN EYE FOR AN EYE erfüllt diese Kriterien beinahe idealtypisch, funktioniert aber dennoch ein bisschen besser als andere Filme aus dieser Schaffensperiode des bärtigen Kampfsportlers, was insbesondere dann auffällt, wenn man wie ich kurz zuvor den unterirdischen THE OCTAGON gesehen hat. AN EYE FOR AN EYE legt ganz gut los, verpasst dem Zuschauer mit einer ausgesprochen drastischen Auftaktszene einen ordentlichen Hieb in die Magengrube, der über die restliche Spielzeit immer mal wieder „aufgefrischt“ wird. Carver, der mit LONE WOLF MCQUADE wenig später einen der besten Norris-Filme überhaupt abliefern sollte (meine persönlichen Favoriten sind der ultrafinstere MISSING IN ACTION und der groteske INVASION U.S.A.), ist zwar noch ganz dem Prügelkino verpflichtet, mit dem sich Norris in den späten Siebzigern einen Namen machte, doch geht er, was die Gewaltdarstellung betrifft, bereits einen großen Schritt in Richtung der späteren Gewaltepen. Es ist schon beeindruckend, mit welcher Arglosigkeit in AN EYE FOR AN EYE quasi im Vorbeigehen ganze Armeen von Schurken aus dem Weg geräumt werden. Da ballern die Polizisten bei der finalen Erstürmung der Trutzburg des Obermotzes Canfield (Christopher Lee) gern auch mal einem flüchtenden Schergen ins Kreuz, man ist halt gerade auf Betriebstemperatur. So entpuppt sich Carvers Film streckenweise als ausgesprochen grimmige Verbildlichung seines Titels: Hier wird dem alttestamentarischen Rachegedanken gefrönt, ohne dass einen der Beteiligten dabei ein schlechtes Gewissen ereilen würde. Damit die Katharsis auch für den Zuschauer unktioniert, werden die Bösen als besonders rücksichtslose Schweine gezeichnet. Das Auftauchen von Christopher Lee lässt keinen Platz für Spannung, sein überlegen-kultiviertes Auftreten dem auf Bambule gepolten Zuschauer gleich das Messer in der Tasche aufgehen. Damit es auch noch einen körperlich ebenbürtigen Gegner für Chuck gibt, hat man ihm Professor Toru Tanaka, einen Kampfkoloss im wahrsten Sinne des Wortes, an die Seite gestellt, dessen wortloses Grunzen und die in klobigen Stiefeln steckenden Klumpfüße keinen Zweifel daran lassen, dass es sich bei ihm nicht um einen Menschen, sondern um ein Moster handelt, das weggemeuchelt gehört. Ein verräterischer Cop (Matt Clark), der seine Kollegen aus reiner Feigheit ins Messer hat laufen lassen, passt ebenfalls ins Bild. Angesichts dieser Konstellation, die auf ein Massaker von grotesken Ausmaßen hinausläuft, wirkt das Ende doppelt denkwürdig: Da flehen Kanes Freunde (u. a. Richard Roundtree als dessen ehemaliger Vorgesetzter) diesen an, Canfield, den er im Würgegriff hält, leben zu lassen, weil er den Mord doch nicht wert sei. Als ob das in diesem Moment noch ins Gewicht fiele!

Damit ich nicht missverstanden und von enttäuschten Gewaltfans der Lüge bezichtigt werde: AN EYE FOR AN EYE ist kein Splatterfilm und mit seinen 100 Minuten Länge auch nicht so aufregend, wie sich das hier vielleicht liest. Er ist jederzeit vorhersehbar und seine Härte mag dem durch Torture Porn, Zombiefilm und sonstige moderne Errungenschaften abgehärteten Zuschauer gar nicht mehr auffallen. Man muss schon etwas Ballast abwerfen und sich auf das aus heutiger Sicht behäbige Tempo und die schmucklos anmutende Inszenierung einlassen, um Carvers Film als das zu erkennen, was er ist: einer der Filme, die den Weg für seinen Star und den Actionfilm der Achtzigerjahre erst ebneten und die Grenzen dessen, was damals möglich und erlaubt war, etwas weiter hinausschoben.

Kommentare
  1. […] mit Steve Carver, der immerhin für solche kompetent gefertigten Knaller wie BIG BAD MAMA, AN EYE FOR AN EYE oder LONE WOLF MC QUADE verantwortlich zeichnet, schürt, ist JOCKS eine herbe Enttäuschung, […]

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