beetlejuice (tim burton, usa 1988)

Veröffentlicht: Oktober 13, 2008 in Film
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Die Maitlands (Alec Baldwin und Geena Davis) haben im ländlichen Connecticut ihr absolutes Traumhaus gefunden. Als sie bei einem dummen Autounfall versterben, scheint dem ewigen Glück in den vier Wänden trotz der anfänglichen Desorientierung nichts im Weg zu stehen. Doch dann ziehen die neureichen Deetzes (Jeffrey Jones, Catherine O’Hara und Winona Ryder) aus New York ein und verwandeln das Haus kurzerhand in einen Albtraum der Geschmacklosigkeit. Als die erbärmlichen Spukversuche der Maitlands nicht den gewünschten Effekt erzielen, suchen sie Hilfe beim „Bio-Exorzist“ Beetlejuice (Michael Keaton: herrlich!) …

Mein Verhältnis zu Burton ist in den letzten Jahren etwas abgekühlt: SWEENEY TODD war für mich symptomatisch für eine nicht immer glücklich verlaufende Regiekarriere. Die zunehmende Perfektion, die Burton bei der Gestaltung seiner Märchenwelten an den Tag legte, bot zwar immens viel eye candy und lud zum Schwelgen ein, saugte seinen Filmen aber auch merklich das Leben aus den fragilen Gliedern. BEETLEJUICE, Burtons zweiter Spielfilm nach PEE-WEE’S BIG ADVENTURE, wirkt demgegenüber noch deutlich eklektizistischer in seiner visuellen Gestaltung, bunter und nicht ausschließlich dem monochromen Gothic Horror verpflichtet, speist sich stattdessen aus ganz unterschiedlichen und nicht immer auf Anhieb verifizierbaren Quellen. Auch seine Effekte sind nicht immer hundertprozentig überzeugend – können sie auch gar nicht sein –, verleihen dem Film aber gerade deshalb eine unwiderstehliche Lebendigkeit, die den minutiös gestalteten Computerwelten seiner letzten FIlme vollkommen abgeht. Aber der Reiz von BEETLEJUICE erklärt sich nicht nur aus Kinonostalgie und dem Charme des Unperfekten: Auch inhaltlich gibt es viel zu entdecken, ist der Film viel weniger monothematisch angelegt als man das von Burton zuletzt gewohnt war (Ausnahmen bestätigen die Regel: BIG FISH). So etwa die Gegenüberstellung von Innen- und Außenräumen, die sich gleich auf mehreren Ebenen spiegelt, unter anderem in der ebenso einfachen wie herrlichen Creditsequenz, in der Burton während eines Kameraflugs fast unmerklich von der Landschaft Connecticuts auf ein genau diese nachbildendes Modell im Haus der Maitlands schneidet. Die scheinbare Paradoxie vom Leben im Tod, die Gegenüberstellung der glücklichen Toten und den schon toten Lebenden, ist hingegen natürlich idealtypischer Burton, doch auch dieses Motiv wird in BEETLEJUICE noch deutlich frischer verhandelt als in seinen späteren Filmen, in denen es zum rein ästhetischen Phänomen geronnen ist. BEETLEJUICE hat mir als zwölfjährigem Steppke im Kino nur wenig gefallen: Die satirischen Elemente habe ich nicht verstanden, der Humor von Beetlejuice selbst war mir wohl auch zu andeutungsreich, um darüber lachen zu können, der ganze Film mit seiner absichtlichen Künstlichkeit einfach zu fremd. Gestern war die Überraschung umso größer, habe ich mit BEETLEJUICE doch einen wunderbaren, warmherzigen, originellen, witzigen und klugen Film wiederentdeckt, der Anlass genug für mich darstellt, mir den frühen Burton in Zukunft noch einmal zu Gemüte zu führen – und mir über diesen Umweg vielleicht auch einen neuen Zugang zu seinem Spätwerk zu erarbeiten. Denn das Burton trotz aller (vermeintlicher) Verfehlungen der letzten Jahre zum Trotz ein Filmemacher mit einer vollkommen originären Vision ist, daran besteht auch für mich kein Zweifel.

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