get carter (stephen kay, usa 2000)

Veröffentlicht: Oktober 18, 2008 in Film
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Carter (Sylvester Stallone) arbeitet in Las Vegas als Geldeintreiber für einen Gangsterboss. Als er vom Tod seines Bruders erfährt, begibt er sich zu dessen Beerdigung nach New York. An einen Unfalltod will er jedoch nicht recht glauben und beginnt deshalb unangenehme Fragen zu stellen, die ihn zu seinem alten Bekannten, dem Zuhälter und Pornografen Cyrus Paice (Mickey Rourke), und dessen Kunden, dem Software-Millionär Jeremy Kinnear (Alan Cumming) führen. Und irgendwie ist auch Carters minderjährige Nichte Doreen (Rachael Leigh Cook) involviert …

Ob man GET CARTER mag, hängt wohl entscheidend davon ab, ob man ein Hollywood-Remake des Britklassikers von Mike Hodges akzeptieren kann – mit all den Konsequenzen, die ein solches mit sich bringt. Ich kann, und finde, dass Kays Film ganz gut neben dem Original besteht, gerade weil er gar nicht erst versucht, dessen eisige Kälte und britische Abgeklärtheit zu kopieren, sondern den Stoff geschickt versylvesterstallonisiert und also aus dem Killer, der aus der Kälte kam, um letzten Endes seiner Bestimmung zugeführt zu werden, einen Underdog auf dem Weg zur Menschwerdung macht. GET CARTER in dieser Inkarnation ist ein melancholischer Film, sein Zorn ist keine schneidende Klinge, sondern eher die leise glimmende Glut. Im Zentrum von GET CARTER stehen dann auch keine großen Action-Set-Pieces, sondern drei Dialogszenen zwischen Carter und seiner Nichte Doreen, in denen das Mädchen den verschwiegenen und mit alter Schuld beladenen Schläger zum Nach- und Umdenken bringt. Bot er ihr bei der ersten Begegnung noch seine Hilfe an, so hat sich das Verhältnis zwischen den beiden bald umgekehrt: Doreen hat kaum merklich die Führung übernommen und Carter vertraut sich ihr an. Wie ein Rekonvaleszent macht er vorsichtig die ersten Schritte, lernt langsam wieder ein Mensch zu sein, zu vertrauen. Weiter als in diesen Szenen könnte Kay von Hodges Original kaum entfernt sein. Dessen Coolness spiegelt sich in erster Linie in der designt wirkenden Optik von Kays Films wieder, der nach etwas unrundem Auftakt schnell seinen Stil findet und dem tatsächlich soetwas wie eine Revitalisierung und Modernisierung des Siebziger-Jahre-Chics gelingt. Lediglich der zwar immer wieder grandiose, in diesem Fall aber doch etwas gimmickhaft aus dem Rahmen fallende Mickey Rourke will nicht so recht in den Film passen, erinnert eher an die zweifelhaften Besetzungscoups der zahllosen Tarantinoklone. Für Stallone scheint GET CARTER auch ein Mittel der Befreiung gewesen zu sein. Der feine Zwirn, die teure Sonnenbrille, das bis oben zugeknöpfte Designerhemd, der akkurat geschnittene Gangsterbart: Er sieht kostümiert aus, das sind nicht seine Kleider, aber er hat sich längst an sie gewöhnt. Dass es nicht sein Stil ist, merkt indes auch Doreen. „What’s with the clothes?“ fragt sie ihn. Nur eine der vielen Fragen, die sie ihm stellt, die er unbeantwortet lässt, mit einer Gegenfrage kontert, die letztlich verpufft. Ich höre die kritischen Stimmen, die das Happy End beklagen und dass dieser GET CARTER letztlich viel zu brav, eben Hollywood sei. Aber ein böses Ende wie das Original hätte zu diesem Film nicht gepasst, hätte dieser Carter nicht verdient gehabt.

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