tears of the sun (director’s cut) (antoine fuqua, usa 2003)

Veröffentlicht: Oktober 28, 2008 in Film
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In Nigeria tobt der Bürgerkrieg. Die rebellischen islamischen Folani des Nordens haben unter der Führung von General Yakubu den amtierenden Präsidenten Azuka, einen Vertreter der christlichen Ibo, gestürzt und beginnen mit der ethnischen Säuberung. In Gefahr befindet sich auch die Ärztin Lena Kendricks (Monica Bellucci), die in einer kleinen Mission mit zwei Nonnen und einem Priester versucht, der wachsenden Zahl der Verwundeten Herr zu werden. Als die feindlichen Rebellen näher rücken, sendet sie einen Hilferuf. Lieutenant A. K. Waters (Bruce Willis) wird mit seinen Männern geschickt, um die Ärztin und ihre Helfer ins benachbarte Kamerun zu schaffen. Doch die Ärztin will ihre Patienten auf keinen Fall zurück lassen. Also trifft Waters eine folgenreiche Entscheidung …

Fuqua hatte sich für einige seiner bisherigen Sünden (der nichtssagende THE REPLACEMENT KILLERS und der blöde TRAINING DAY) mit dem famosen SHOOTER rehabilitieren können, einem der besten großbudgetierten Actionfilme der letzten Jahre, der auch den Auslöser dafür darstellte, mich diesem bisher von mir links liegen gelassenen Kriegsfilm zu widmen. Diese Nachsicht ist belohnt worden, denn auch wenn TEARS OF THE SUN keinesfalls unproblematisch und noch weniger perfekt ist, so bietet er dem Genrefreund doch genug Stoff, in den man sich verbeißen kann und erzeugt zeitweise einen Druck, der schon beachtlich ist. Fuqua versteht seinen Film als Antikriegsfilm und konzentriert sich somit zunächst nicht auf reißerische Actionszenen, sondern eine Darstellung des vorherrschenden Leids. Seine Vorgehensweise ist durchaus diskussionswürdig, bezieht er sich doch einen realen Konflikt aus den Sechziger- und Siebzigerjahren den er jedoch kurzerhand in die Gegenwart verlegt und sich somit relativ angreifbar für einen Vorwurf der Geschichtsklitterung und Instrumentalisierung realen Leids macht. TEARS OF THE SUN ist ein Unterhaltungsfilm, der den Massenmord eines Teils der nigerianischen Bevölkerung hier zu dramatischen Zwecken benutzt und in kräftigen Bildern (als pittoresker Drehort diente Hawaii) inszeniert. Dieser Zweispalt lässt sich nicht auflösen: Man muss damit umgehen, es als Mittel des Filmes akzeptieren oder aber abschalten. Zum Glück gibt es noch eine weitere Ebene in TEARS OF THE SUN, die einem die Entscheidung zugunsten des Films erleichtert. Diese hebt das Geschehen von einer historischen auf eine höhere Ebene, auf der die Figuren existenzielle moralische Fragen verhandeln, deren gegensätzlichsten Positionen durch Waters auf der einen und die Ärztin Kendricks auf der anderen vertreten werden. Steht letztere für einen bedingungslosen Humanismus, verkörpert der Soldat einen pragmatischeren, utilitaristischen Ansatz. Im Verlauf des Filmes nähern sich beide Pole natürlich an: Der Soldat muss erkennen, dass es eine Moral und Wahrheit jenseits der Befehle des Vorgesetzten gibt, eine Verpflichtung auch gegenüber Menschen, die nicht den amerikanischen Pass bei sich tragen, die Ärztin, dass mit jeder Entscheidung auch Beschränkungen einhergehen. Mit den Rechten gehen auch Pflichten einher. Dass diese alte Debatte in TEARS OF THE SUN überzeugend geführt wird, ist vor allem Bruce Willis zu verdanken, der als eiskalt kalkulierender Rationalist eine seiner besten Leistungen abliefert. Wenn seine Überzeugungen plötzlich zu wanken beginnen, ist das für ihn selbst die größte Überraschung. Willis verzichtet auf große pathetische Gesten und Fuqua verfällt im Gegenzug niemals dem Klischee, seinen Soldaten zum vollkommenen Moralisten zu machen: Sein Waters bleibt immer Soldat, der Wandel vollzieht sich innerhalb eines glaubwürdigen Rahmens. Demgegenüber muss Monica Bellucci versagen, aber was soll sie auch machen mit dieser Rolle, die ihr ewiges Rollenklischee der heiligen Hure zum xten Mal auffrischt? In ihren Szenen verfällt der Film in die Niederungen des Gesinnungskinos, das am schlimmsten durch das ärgerliche Finale verkörpert wird, in das all das Pathos und der Kitsch gepackt werden, die man vorher so gut umschifft hatte. Bis dahin sind es aber 130 packende, streitbare, spannende und fordernde Minuten, die nicht verschwendet sind. TEARS OF THE SUN bietet reichlich Möglichkeit zur Anschlusskommunikation, das sollte man nicht geringschätzen. SHOOTER bleibt aber unerreicht.

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