wanted: dead or alive (gary sherman, usa 1987)

Veröffentlicht: Oktober 29, 2008 in Film
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Der Actionheld ist eigentlich immer auf dem Weg. Wenn er glaubt, am Ziel zu sein, dann belügt er sich meist selbst, gibt sich der Hoffnung hin, ein normales Leben leben zu können, obwohl er doch weiß, dass er dafür nicht gemacht ist. Er pendelt immer zwischen den Extremen, steht entweder kurz davor, alles hinzuschmeißen oder aber er stürzt sich voller Inbrunst auf die nächste Aufgabe, die ihn wieder das Leben kosten kann. So auch der Kopfgeldjäger Nick Randall (Rutger Hauer): Einst nietete er im Auftrag des CIA böse Buben auf der ganzen Welt um, dann hatte er die Schnauze voll davon, den Kopf für die Ränkespiele von gewissenlosen Regierungsbeamten hinzuhalten, und sattelte um. Seit drei Jahren verdient er gutes Geld als Kopfgeldjäger, doch der Job kotzt ihn an. Statt mit der Gefahr konfrontiert zu werden, muss er sich mit dem letzten Gesocks herumschlagen, feigen Proleten, die Supermärkte überfallen und die asiatischen Kassierer drangsalieren. Insgeheim träumt Randall davon, komplett auszusteigen. Eine Frau hat er schon, ein bisschen Geld fehlt noch. Da tritt ein alter Bekannter aus CIA-Tagen in sein Leben und bietet ihm einen Auftrag an: Der gefährliche Terrorist Malak al Rahim (Gene Simmons) ist in den USA und zieht eine Spur der Verwüstung hinter sich her – und Randall hat auch noch eine Rechnung mit ihm offen …

Der Profi kurz vor dem Ausstieg, die alten Verbindungen, die ihn immer wieder ereilen, das Wissen, das ein Leben ohne den Job undenkbar wäre: wie oben erwähnt klassische Bestandteile des Actionkinos, die auch in WANTED: DEAD OR ALIVE durchexerziert werden. Doch Rutger Hauer ist eben kein gewöhnlicher Actionheld, er verbindet die Physis seiner schlagkräftigeren Kollegen mit dem Intellekt eines Geheimagenten: Man nimmt ihm den Profi vollkommen ab, erkennt, dass hinter der schlafwandlerischen Sicherheit, mit der Randall Finten inszeniert, seine Verfolger abhängt, seine Feinde aufspürt, sich ihnen nähert und sie schließlich ausschaltet, mehr steckt als nur Pflichtausübung. Dieser Mann geht in seinem Job vollkommen auf, er liebt ihn. Und er zelebriert ihn. Randall ist kein tumber Haudrauf, sondern ein kreativer Kopf, der über so viel Erfahrung verfügt, dass er wie ein Schachspieler auch die nächsten Schritte seiner Gegener – und Verbündeten – antizipieren und in seine Überlegungen miteinbeziehen kann. WANTED: DEAD OR ALIVE steht dem Agententhriller näher als dem Actionfilm, obwohl man ihn sicher als Melange dieser beiden eh verwandten Genres bezeichnen kann. Es gibt nicht viel Krawall, Sherman verwendet mehr Zeit darauf, auf den Showdown hinzuarbeiten, seinen Protagonisten zu charakterisieren, Spannung und eine nur latent spürbare Bedrohung  aufzubauen. Diese geht von Terroristen Rahim aus, der über weite Strecken des Films im Hintergrund bleibt, von seinen Anschlägen erfahren wir meist nur aus zweiter Hand. Das ist richtig so, denn Randall und seine Auftraggeber haben mit der Zivilbevölkerung eigentlich nichts zu tun. In ihrem Job geht es um Politik, nicht um Bestrafung und Sühne. Nur einer der Gründe, warum Randall die Schnauze voll hat. Seine letzte Handlung spricht eine deutliche Sprache. Dann doch lieber wieder Proleten jagen?

Wie so viele Filme der Achtziger, die sich mit dem Nahost-Konflikt auseinandersetzen, gewinnt auch WANTED: DEAD OR ALIVE heute eine neue Aktualität und Brisanz, wirkt er der Zeit irgendwie seltsam enthoben. Dieser Film könnte heute – von seiner Oberfläche abgesehen – genauso wieder entstehen. Dass er gleichzeitig aber doch wieder so eindeutig ein Kind seiner Zeit ist, macht ihn so spannend und interessant.

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