WALL•E (Andrew Stanton, USA 2008)

Veröffentlicht: November 2, 2008 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Die Erde ist seit 700 Jahren nicht mehr bewohnt, weil die Menschen sich selbst zugemüllt und somit jede Basis für ein Leben auf dem blauen Planeten zerstört haben. Zurückgeblieben sind kleine Aufräumroboter, die des Müllproblems Herr werden sollen, während ihre Schöpfer in gigantischen Raumschiffen durchs Weltall schweben. Von diesen Robotern existiert in der Gegenwart nur noch einer: Der kleine WALL•E, der unermüdlich seine Arbeit verrichtet. Eines Tages bekommt er Besuch: Ein Raumschiff setzt Eve ab, einen ungleich moderneren Roboter, der den Auftrag hat, die Erde nach Spuren organischen Lebens abzusuchen. Zwischen den beiden Maschinen entsteht eine Freundschaft, bis Eve schließlich fündig und wieder abgeholt wird. Doch WALL•E wird seine neue Freundin auf gar keinen Fall gehen lassen …

Nach dem zwar wunderschönen, erzählerisch aber doch eher traditionellen RATATOUILLE, stellt sich Pixar mit WALL•E einer neuen Herausforderung: Der Film kommt über weite Strecken ohne Dialoge aus, bietet mit dem kleinen Roboter zunächst nur eine unbelebte Hauptfigur, die aber natürlich einer zaghaften Anthropomorphisierung unterzogen wird. Trotzdem darf man die erste Hälfte von WALL•E durchaus als ungewohnt radikal bezeichnen. Sie wirkt, als habe Pixar nun jeglichen Ballast abgeworfen, die Zugeständnisse an da Reezptionsverhalten des Publikums auf ein Minimum reduziert, seine eigene Form gefunden. Die ist nicht zuletzt deshalb so überzeugend, weil sie so geschlossen erscheint: WALL•E ist ein Film über Maschinen aus der Maschine, erzeugt somit die Illusion, dass die Technik über sich selbst erzähle. Es ist wohl einer der genannten Kompromisse, dass diese Radikalität und Geschlossenheit in der zweiten Hälfte geopfert wird. Wenn die beiden Roboter an Bord der „Axiom“ gelangen, einem der gigantischen Weltraumkreuzer der Menschen, die über die Jahrhunderte vollkommen immobil geworden sind und sich ganz den sie in allen Lebenslagen bedienenden Robotern unterworfen haben, verwandelt sich die Fabel um Freundschaft zwischen Maschinen nicht nur in eine handfeste Utopie, sondern dann auch in einen Film über Menschen. So schön WALL•E auch ist – zeitweise hat es mir fast das Herz zerrissen – er leidet ein bisschen darunter, dass die Macher der Mut, so weiter zu machen wie in der ersten Hälfte des Films, verlassen hat, der Film in der zweiten Hälfte „gewöhnlicher“ wird. Dennoch: Auch dieser Pixar-Film gehört für mich in der Jahresendabrechnung wieder zu den absolut unbestrittenen Höhepunkten, wohl auch, weil sich kein anderes Animationsstudio erlauben kann, auf so vertrackte Weise widersprüchlich zu sein. Dass ausgerechnet in einem Film aus der Maschine die Technikversessenheit und die daraus resultierende Bequemlichkeit der Menschen kritisiert wird, ist schon ziemlich frech.

Kommentare
  1. Thomas Hemsley sagt:

    Ich hoffe ja , wenn deine Selma alt genug ist, zeigst du ihr all diese wunderbaren Filme, und redest auch mit ihr darüber. Schöner Text, schöner Film. Ich finde ja ein bisschen schade, dass die zweite Hälfte dem Film immer ein bisschen angekreidet wird, denn ich für meinen Teil möchte MO (war da noch ein E?) nicht missen, außerdem ist für mich die allerschönste Szene, die, in der der Tiproboter erkennt, dass man mit Fingern mehr machen kann und dann WALL-E zuwinkt. Außerdem hat schon der Teaser (wo WALL-E in den Himmel schaut – Plato hätte wild applaudiert, tolle Erneuerung des Höhlengleichnisses;-) das Verlassen der Erde zwingend notwendig gemacht. So schön die erste Hälfte ist, ich finde, sie wird immer ein bisschen überbewertet (ist eigentlich das falsche Wort, vielleicht „überbetont“?).
    Grüsse aus Kölle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.