death wish v: the face of death (allan a. goldstein, usa 1994)

Veröffentlicht: November 7, 2008 in Film
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deathwish5-dvdcoverart1Konnte man schon zwischen den von Winner respektive Thompson inszenierten Teilen 3 und 4 eine Kluft ausmachen, so lässt sich der Übergang von Teil 4 zu Teil 5 nur noch als Bruch beschreiben. Für diesen lassen sich mehrere Erklärungen finden: Sieben Jahre waren seit Teil 4 vergangen und mit diesen hatte sich nicht nur das Jahrzehnt geändert, sondern auch das Filmgeschäft und die dieses beherrschenden Trends. Die Cannon existierte nicht mehr und der Star Charles Bronson war nun endgültig in einem Alter, in dem er als großkalibrige Wummen schwingender Rächer nicht mehr glaubwürdig gewesen wäre – und einen solchen wahrscheinlich auch nicht mehr gespielt hätte. Auf dem Regiestuhl nahm ein wenig namhafter Handwerker Platz, gegen den selbst der auch schon nicht übermäßig inspirierte Thompson wie ein auteur erscheint. DEATH WISH V sollte der letzte Film der Reihe und Bronsons finaler Kinoeinsatz werden, danach trat er nur noch in den drei FAMILY OF COPS-Fernsehfilmen auf. Man hätte ihm einen etwas würdigeren Karriereabschluss gewünscht, aber es hätte sicherlich auch schlimmer kommen können.

Ich muss es hier vorwegschicken: Ich mag DEATH WISH V nicht besonders und hätte die Sichtung gestern vielleicht besser abgebrochen, als sich abzeichnete, dass er meiner gestrigen Stimmung einfach nicht entsprach. Doch ein falsches Pflichtbewusstsein – ich wollte ja die DEATH WISH-Serie komplettieren – hielt mich davon ab. So quälte ich mich durch die 90 Minuten, im stetigen Kampf mit mir und dem Film, mich in meine Abneigung immer weiter hineinsteigernd. Was gefällt mir nicht an DEATH WISH V? Ich finde, der Film sieht furchtbar aus. Zur gräuslichen Frühneunziger-Mode (alles, was man an Boshaftem über die Achtziger sagt, trifft auf diese Zeit doppelt zu) gesellen sich ein visueller Stil und ein Produktionsdesign, das an eine Video- oder gar Fernsehproduktion erinnert. Die Settings sind höchstens zweckdienlich, die Beleuchtung wirkt irgendwie plastikmäßig. Dazu kommt mit Lesley-Anne Down eine Schauspielerin, die ich ähnlich grausam finde wie etwa Morgan Fairchild, und die für mich die Niederungen der Fernsehserienunterhaltung repäsentiert – kein objektives Urteil, klar, aber ich empfinde das eben so. Bronson selbst ist eigentlich nur noch körperlich anwesend, spielt seinen Stiefel aber souverän runter (ich komme auf die Implikationen seines Spiels gleich noch zurück), lediglich Michael Parks sorgt als Schurke O’Shea für etwas schauschauspielerisches Profil. Der Plot schleppt sich recht müde über die Spielzeit, es dauert lange, bis DETAH WISH V Tempo aufnimmt. Erst die letzten 20, 30 Minuten sorgen dann für Stimmung, bis dahin erscheint DEATH WISH V als filmisches Malen nach Zahlen.

Goldstein, der wohl wusste, was er seinem Star gerade noch und was nicht mehr zumuten konnte, hat einen wirklich guten EInfall, der das Konzept des Films betrifft: Er macht aus dem ehemaligen Actionformat nun einen Slasherfilm, drosselt das Tempo erheblich und lässt seinen Protagonisten die Freuden der creative killings ausloten. Kersey greift nur noch im Notfall zur Schusswaffe, richtet seine Opfer viel lieber mittels vergifteter Canolis, explodierendem Spielzeug, Fleischwolf und Säurebad hin. So explizit-splatterig DEATH WISH V in seinen Mordszenen auch ist, sein wirklich verstörendes Potenzial erhält der Film erst durch Bronsons zwischen gelangweilt und beschämt pendelndes Spiel, das aber – eine glückliche Fügung des Schicksals – den Film in letzter Instanz sogar aufwertet. Dieser Kersey ist innerlich vollkommen tot. Mit der Rache ist für ihn längst keine Befriedigung mehr verbunden. Deshalb reicht es ihm auch nicht mehr, seine Opfer einfach zu erschießen, er braucht einen stärkeren Kick. Doch auch die teuflische Kreativität, die der er beim Ersinnen seiner Morde walten lässt, zeitigt nicht den gewünschten Effekt. Das Töten ist für Kersey zur lästigen Routine verkommen, zum Handgriff, der in Fleisch und Blut übergegangen ist und deshalb keinerlei Gefühlsregung nach sich zieht. Nur noch die Gewissheit, die Arbeit erledigt zu haben. Am Ende des Tages dreht sich Kersey einfach um und geht nach Hause.

DEATH WISH V hat mich zum Schluss dann doch noch versöhnlich gestimmt. Die schmucklos-unkreative Regie ist eigentlich sogar richtig für diesen Film, nur wird er deshalb eben nie besonders involvierend. Man weiß, worauf das hinausläuft und es passiert schließlich tatsächlich so, wie man das vorhergesehen hat. So ernüchternd ist dieser Film in jeder Hinsicht, dass man, wenn die Credits rollen, den Eindruck bekommt, die Beteiligten hätten die ganze Sache gar nicht schnell genug beenden können. Irgendwie gruselig.

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