raw deal (john irvin, usa 1986)

Veröffentlicht: November 13, 2008 in Film
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raw_deal1Mal wieder eine schon viel zu lange bestehende Bildungslücke geschlossen. RAW DEAL, 1986 zwischen COMMANDO und PREDATOR in der Hochphase des Achtzigerjahre-Actionfilms gedreht, hat ein bisschen damit zu kämpfen, dass Irvin dem Trugschluss erliegt, Schwarzenegger in einer „normalen“ Rolle einsetzen zu können bzw. damit, dass Arnies Persona noch nicht etabliert war. RAW DEAL ist auffallend janusgesichtig und das kann man durchaus auch – aber nicht nur – an Schwarzenegger festmachen. Der Film beginnt mit einem Hieb in die Magengrube – Mafiakiller legen einen Kronzeugen und die ihn bewachenden Staatsdiener brutal um -, mildert diesen Impact danach aber durch die eher komische Einführung des Schwarzenegger-Charakters Kaminski. Dieser ist ein ehemaliger FBI-Agent, der unzufrieden ein Dasein als Kleinstadt-Sheriff fristet, aber Gelegenheit zur Rückkehr in den alten Beruf erhält, als der Sohn seines einstigen Mentors ermordet wird. Kaminski schleicht sich in die Organisation des Mafiosi Patrovita (Sam Wanamaker) ein, um diese von innen heraus zu zerstören. Zu Beginn erwartet serviert Irvin noch klassische Cop-Film-Klischees – Probleme mit der Ehefrau und der Disziplin -, deren Ausarbeitung er aber schnell über Bord wirft. (Absolut auffällig wie RAW DEAL einen Bogen um das Thema „Sexualität“ macht: Arnie wird auch hier schon beinahe entsexualisiert.) Doch auch den meisten gängigen Regeln des Undercover-Subgenres verweigert er sich: Zu viel Spaß hat Kaminski in seiner Rolle als Killer, der sich das Vertrauen der Mafiosi erschleicht, zu wenig Angst macht ihm die Gefahr, enttarnt zu werden, mehr noch, zu wenig scheint ihn die Geheimhaltung seiner wahren Identität überhaupt zu interessierern, so aufreizend unvorsichtig geht er vor. Hier zeigt sich schon, dass es für Schwarzenegger zwischen mythischer Überhöhung, völliger Entpersonalisierung oder aber komischer Selbstpersiflage nur wenig Einsatzmöglichkeiten gibt.

RAW DEAL schrammt zwischenzeitlich immer wieder haarscharf an der Komödie vorbei, muss seinen Charakter zum Showdown hin beinahe vollkommen resetten, um in das kathartische Inferno münden zu können. Das Finale bricht mit dem vorher etablierten Bild von Kaminski als einem Schelm, dessen Frechheit ihn sprichwörtlich unverwundbar macht, und terminatorisiert ihn – schlägt somit den Bogen vom einen Extrem der Schwarzengger-Persona zur anderen: Zwar wird diese Verwandlung durch eine hastig eingeschobene Szene – sein Mentor wird seinerseits niedergeschossen – motiviert, diese macht die Sache jedoch kaum plausibler. Mit Lederjacke und einem hübschen Waffenarsenal – damit gleichermaßen Vergleiche mit THE TERMINATOR und COMMANDO evozierend – pflügt sich Kaminski gnadenlos durch die feindlichen Heerscharen, fast so als gäbe es etwas aufzuholen, was vorher versäumt wurde. RAW DEAL ist trotz oder auch wegen dieser Unausgewogenheit ein schöner Vertreter des Genres, das ich so liebe. Irvin gelingen durchaus ein paar tolle Momente: Die Schwarzblende, nachdem Kaminskis Freund ihm vom Tod seines Sohnes erzählt hat, hat eine geradezu niederschmetternde Wirkung; die Eröffnungssequenz, die ich schon erwähnte, drückt den Betrachter mit ihrer überfallartigen Inszenierung tief ins Sitzkissen und die Überblendung von einer gewaltigen Explosion auf Kaminski verleiht der Figur eine Bedrohlichkeit, die Schwarzeneggers Spiel sonst eher unterwandert. Man addiere ein paar Größen wie Paul Shenar und Robert Davi, fertig ist die gelungene Abendunterhaltung. An die Sternstunden des Genres kommt RAW DEAL, so viel sollte klar geworden sein, aber nicht heran.

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