knight rider: knight of the phoenix, (daniel haller, usa 1982)

Veröffentlicht: November 26, 2008 in Film
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Es lebe der Regress! Weil mir das Wiedersehen mit THE FALL GUY so viel Spaß gemacht hat und im Himmelhund-Blog ein Serienexkurs geplant ist, habe ich mir – zu Kurzschlusshandlungen neigender DVD-Komplettist und Konsumjunkie, der ich bin – die „Ultimate KNIGHT RIDER Collection“ zugelegt (ein hübsches Bildchen im Rahmen meines DVD-Regal-Updates wird in Kürze folgen). Als ich die Serie (relativ spät) zum ersten Mal gesehen habe – das muss so um ’89/’90 rum gewesen sein – hatte ich schon ein Alter erreicht, in dem ich sie nicht mehr ganz uneingeschränkt „cool“ finden konnte, zumal Hasselhoff damals bereits unter dem „Looking for Freedom“-Syndrom litt und einem mit halbwegs gutem Geschmack Ausgestatteten deshalb suspekt sein musste. Aber im Alter von 32, mit heftigem Nostalgiebedürfnis und der Fähigkeit ausgestattet, die Vergangenheit hemmungslos zu verklären,  kann auch KNIGHT RIDER zum großen Spaß reifen.

Wie dem auch sei. Der Pilotfilm hat mich jedenfalls sehr positiv überrascht und meine Hoffnungen und Erwartungen vollkommen erfüllt. Im Vergleich zu THE FALL GUY, die doch sehr kinderfreundlich und redneckig daherkommt mit ihrem ganzen Country- und Folk-Appeal, ist der Pilot von KNIGHT RIDER nämlich recht düster und – eines meiner derzeitigen englischen Lieblingswörter – bleak geraten. Im Grunde reflektiert die bekannte Credit-Sequenz der Serie, in der der schwarze TransAm zu eisig-steriler Synthiemusik vor einer blassvioletten Dämmerung, die an Endzeitfilme und Tschernobyl denken lässt, durch die Wüste rast, die Stimmung des Pilotfilms perfekt – mehr jedenfalls als die dann doch etwas braveren Episoden selbst. Der FBI-Agent Michael Long wird während eines Einsatzes, bei dem schon sein Partner sein Leben lassen musste, verraten, ihm wird ins Gesicht geschossen und man lässt ihn in der Wüste zum Sterben zurück. Doch der sterbende Milliardär Wilton Knight (Richard Baseheart) nimmt sich seiner (und seines Autos) an, verpasst Long ein neues, nach Knights jugendlichem Selbst modelliertes Gesicht und unterzieht seinen Wagen einer Generalüberholung. Als Long aufwacht, ist nichts mehr, wie es vorher war. Vom Durst nach Rache getrieben nutzt er die neue Identität als „Michael Knight“ und die Vorzüge seines Wunderautos K.I.T.T., um seine „Mörder“ aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch dieser Pilot krankt natürlich an seinem Zuschnitt aufs Fernsehen und der daraus folgenden Episodenhaftigkeit, dennoch macht er einen weniger zerfahrenen Eindruck als der Pilot zu THE FALL GUY. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass es hier tatsächlich eine zu erzählende Backstory gibt, die KNIGHT OF THE PHOENIX in die Nähe der Origin-Stories aktueller Comicverfilmungen rückt. Und auch wenn die Dramaturgie des 90-minütigen Films ab der Hälfte der Spielzeit mehr und mehr ausfranst und die Harmlosigkeit der kommenden Serie vorwegnimmt, so lastet die Düsternis der ersten 45 Minuten doch noch merklich auf dem Geschehen. Dies liegt nicht zuletzt auch an Hasselhoff, dessen markige Originalstimme ihm mehr Kanten als in der deutschen Synchro verleiht und dann und wann ins Gefährlich-Prollige umschlägt. Gegen Ende, wenn er die Rolle des privatfinanzierten, motorisierten Vigilanten annimmt, die ihm vom Assistenten des mittlerweile verstorbenen Knight, dem britisch-reservierten Devon (Edward Mulhare),  angeboten wird, erhält man einen Eindruck davon, wie unheimlich diese Figur eigentlich ist: Als von Knight Industries finanzierter Ordnungshüter kann Knight all das ausleben, was ihm als einer höheren Ordnung unterworfenem Staatsbeamten verboten war. „I’ve spend years of my life fighting criminals of one type or another who always had the upper hand and now this. That’s a loner’s dream come true.“ Das Erstaunliche an dieser Aussage ist, dass sie kaum einen Hehl aus der ihr zugrundeliegenden Faszination macht – und das ist auch das eigentlich Spannende an der Figur Knights, dass allerdings in der Serie dann den typischen Mechanismen unterworfen und somit nivelliert wird. Trotzdem: Unter der Oberfläche britzelt, flimmert und knistert es so, wie unter der Motorhaube des Superautos.

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