navy seals (lewis teague, usa 1990)

Veröffentlicht: Dezember 4, 2008 in Film
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Bei einem Einsatz im Libanon, bei dem die Navy Seals um Lieutenant Curran (Michael Biehn) ein paar in Gefangenschaft libanesischer Terroristen geratene US-Soldaten befreien sollen, stoßen sie auf einige Kisten gestohlener Raketen. Unter Beschuss genommen ordnet Curran jedoch den Rückzug an und muss sich wenig später Kritik anhören. Bei einem weiteren Einsatz sollen die zurückgelassenen Waffen gesichert werden, doch die Terroristen sind wieder einen Schritt schneller. Daraufhin hat Curran eine Idee: Er kontaktiert die Journalistin Claire Varrens (Joanne Whalley-Kilmer), die aufgrund ihrer libanesischen Herkunft über Insider-Informationen verfügt. Doch zunächst ist sie nicht bereit, dem Militär zu helfen …

navyseals11Alles, was man dem Actionfilm der Achtzigerjahre voreilig vorwirft – Reaktionismus, Nationalismus und Militarismus -, dann aber bei genauem Hinsehen relativieren muss (selbst der einhellig als antikommunistische Propaganda verschrieene RED DAWN weist deutliche Brüche auf), trifft auf NAVY SEALS zu: Der Film ist wie auch Tony Scotts TOP GUN ein kaum getarnter Werbefilm für die tollkühnen Recken der US-Armee, in diesem Fall eben der besonders wilden Truppe der Navy Seals. Die Spielzeit zwischen den drei, vier Action-Set-Pieces füllt Teague mit Szenen, in denen der Teamgeist und die Kameradschaft unter den Männern gefeiert werden und die die Protagonisten auch abseits des Schlachtfelds als wilden Haufen charakterisieren . Vor allem Charlie Sheen, der den draufgängerischen Dale Hawkins spielt, erhält reichlich Gelegenheit sich in dieser Hinsicht zu profilieren. Die Nähe zu damals aktuellen Konflikten – der zweite Golfkrieg lässt schön grüßen – lässt die Zweifel an dem gebotenen Schauspiel nicht gerade schrumpfen, doch ist NAVY SEALS – durchweg sauber inszeniert von Lewis Teague – weniger symptomatisch für seine Zeit als vielmehr für sein Genre überhaupt. NAVY SEALS steht in der Tradition des klassischen Combatfilms, wie er nach den Weltkriegen geprägt wurde. Schon in Allan Dwans SANDS OF IWO JIMA mit John Wayne findet man die verschiedenen Charaktere mit den ihnen eigenen Sorgen und Nöten, die sich jedoch im Angesicht des Feindes zusammenraufen und diese überwinden müssen, um zu beweisen, dass sie echte Kerle sind. Auch dort werden Ausflüge in das Privatleben der Protagonisten unternommen, wird illustriert, welche Entbehrungen die Helden auf sich nehmen müssen, wie etwa ihre Partnerschaften – und ihre Frauen – unter dem uneigennützigen Kriegsdienst ihrer geliebten Männer zu leiden haben. NAVY SEALS unterscheidet sich allerhöchstens marginal von diesem Rezept, das immer wieder Anwendung findet, wenn irgendwo auf der Welt ein Krieg (mit amerikanischer Beteiligung) ausgetragen wird – also eigentlich immer. Was NAVY SEALS zu einem erkennbaren und typischen Vertreter der Achtzigerjahre macht, sind eher Oberflächenmerkmale: das Casting, das solche einst allgegenwärtige Namen wie eben Michael Biehn, Charlie Sheen, Bill Paxton, Rick Rossovich oder Dennis Hasbert vereint; der Score von Sylvester Levay, der mit fluffigen Poprock-Stücken angereichert wurde (Bon Jovi steuern eine programmatische Coverversion von Thin Lizzys „The Boys are back in Town“ bei), die farbenfrohe Inszenierung, die das Soldatenleben zeitweise zum großen Spaß für große Jungs verklärt – inklusive der obligatorischen Montagesequenz. Es gibt nur wenig Tiefgang und auch die zu beklagenden Toten scheinen binnen weniger Minuten schon wieder vergessen. Sie machen sich halt nicht allzu gut in einem Rekrutierungsfilm.

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