tango & cash (andrei konchalovsky, usa 1989)

Veröffentlicht: Dezember 9, 2008 in Film
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Auf ihren eigenen Pfaden treffen die beiden besten Cops von L.A., der stilbewusste Ray Tango (Sylvester Stallone) und der heruntergekommene Gabriel Cash (Kurt Russell), bei den Ermittlungen gegen den Drogendealer Yves Perret (Jack Palance) aufeinander. Bald haben sie aber nicht nur gegeneinander anzukämpfen, sondern auch gegen die Justiz: Denn irgendjemand schiebt ihnen einen Mord in die Schuhe, der die beiden in den Knast bringt. Weil man es dort auf ihr Leben absieht, beschließen die beiden auszubrechen …

tango_and_cashSeinerzeit war TANGO & CASH ein Flop: Der Versuch, Stallones Filmpersona zu erweitern, wurde vom Publikum nicht akzeptiert und die Modernisierungen des Actiongenres, die von McTiernan in DIE HARD und Richard Donner in LETHAL WEAPON kurz zuvor angestoßen worden waren und die auch Konchalovsky aufgreift, kamen nicht richtig zum Tragen, weil die Protagonisten eben noch Vertreter eines älteren Stils waren, mit denen man sie ausschließlich assoziierte – siehe oben. Vielleicht war TANGO & CASH seiner Zeit in negativem Sinne voraus: Unter Konchalovskys Regie kommen in dem Film eine Formelhaftigkeit und inhaltliche Leere zum Ausdruck, die eigentlich eher das Ende einer Epoche ankündigen als ihren Beginn. Statt Charakteren gibt es Figuren, statt einer Handlung einer Abfolge von Set Pieces und statt Dialogen Sprüche: Im Grunde hatte TANGO & CASH damals schon eine Struktur, die heute von Filmen wie SHOOT ‚EM UP  verwendet und als der Gipfel des Entertainment verkauft wird. Was ihn jedoch von solch einem Rohrkrepierer unterscheidet, ist seine Handfestigkeit. Diese ist nicht bloß eine zwar gewünschte, aber entbehrliche Eigenschaft des Actionfilms: Sie ist integraler Bestandteil, notwendige Bedingung. Die ungehemmte Zerstörungswut und die physische Gewalt hinterlassen nur dann eine echte Wirkung, wenn sie tatsächlich materielle Präsenz haben, anstatt bloß vom Computer generiert zu werden.

Diese Handfestigkeit schlägt sich in TANGO & CASH aber auch auf anderer Ebene als Aufrichtigkeit nieder: Hier wird sich nicht auf Ironie rausgeredet und somit letztlich die eigene Motivation verleugnet. In TANGO & CASH sind Bezeichnetes und Bezeichnendes noch annähernd identisch: Wenn etwas kaputtgemacht werden soll, wird etwas kaputtgemacht. Konchalovsky erzählt nichts darüber hinaus, aber sein Film hat dennoch eine enorm befreiende Wirkung: Die kühle Abgeklärtheit moderner Actionfilme, ihre altkluge Cleverness, ihr nervtötendes Stilbewusstsein und ihre Überheblichkeit werden hier durch eine infantile Freude ersetzt. Nach 90 Minuten dieses Spektakels fühlt man sich wie nach einem Saunabesuch oder einem ausgedehnten Waldlauf, ausgepowert, aber gut durchblutet.

Kommentare
  1. Agis Sideras sagt:

    Ein Favorit aus älteren Tagen, eben wieder gesehen. Kann eigentlich nur zustimmen. Der Film will nicht mehr sein als er ist. Comic Strip Dramaturgie auf hohem Niveau. Und super 80s Musik (Harold Faltermayer, Yazoo). „Shoot em up“ hat mir nicht gefallen, visuell nicht, und dann hatte ich vor allem das Gefühl, daß hier ein „cooler“ Regisseur allzu abgeklärt einen „supercoolen“ B-Film machen wollte. So wie Clive Owen immer in die blöde Möhre beißt (was doch auch schon Audreys Vater in „Twin Peaks“ gemacht hat).

  2. Oliver sagt:

    Die Möhre war noch einer der besseren Einfälle von SHOOT ‚EM UP, finde ich. Ich mochte einige an ihm (den Beischlaf-Shoot-out, die Booby-Trap-Schießerei), aber die verpuffen im Kontext des Films, der eben bloß eine Aneinanderreihung von mehr oder wenigen guten Ideen ist. Er hat kein Herz, nur Kalkül.

    Über TANGO & CASH habe ich mal gesagt, er mache den Eindruck, als habe ein Fünf- bis Zehnjähriger das Drehbuch in die Finger bekommen und nachträglich noch alles reingeschrieben, was er cool findet. Allein diese Zerstörungsorgie mit diesem Riesentruck am Ende. Das ist alles von einer wunderbar entwaffnenden Unprätentiösität.

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