forced vengeance (james fargo, usa 1982)

Veröffentlicht: Dezember 15, 2008 in Film
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Josh Randall (Chuck Norris), ein ehemaliger amerikanischer Soldat, arbeitet in Hongkong als Sicherheitschef und Schuldeneintreiber für den Casinobesitzer Sam Paschal (David Opatoshu), seinen väterlichen Freund, der ihn einst bei einer Schlägerei „entdeckte“ und engagierte. Als Sam ein Fusionsangebot des schurkischen Sam Raimondi (Sam Cavanaugh) ausschlägt, werden er und sein Sohn David, der mittlerweile die Geschäfte leitet, brutal umgebracht. Für Randall gibt es nun nur eine Aufgabe: Sams ahnungslose Tochter Joy (Camila Griggs) zu finden und zu beschützen und gleichzeitig den Mörder zur Strecke zu bringen. Doch Raimundis Männer sind Randall schon auf den Fersen. Eine atemlose Jagd durch die Straßen Hongkongs beginnt …

forced_vengeance_poster_011FORCED VENGEANCE markiert im Schaffen von Chuck Norris eine Art Übergangsfilm: Zwischen dem Action-goes-Horror-Film SILENT RAGE und dem Durchbruch mit LONE WOLF MCQUADE, der immer noch von vielen als bester Norris-Film angsehen wird, entstand dieser Großstadtkrimi, der mit Norris’ frühen Actionkrimis das urbane Setting teilt, auf der Handlungsebene allerdings schon den Minimalismus der folgenden Filme vorwegnimmt und eine simple Rachegeschichte ohne großen Firlefanz präsentiert. Nach 20 Minuten ist alle expositorische Arbeit geleistet, von da an inszeniert Fargo FORCED VENGEANCE als rasante Folge von Schlägereien und Verfolgungsjagden. Das einzige die strenge Struktur aufbrechende Element ist der lose eingesetzte Voice-Over-Kommentar Norris’, der wie ein unmotiviertes Überbleibsel aus THE OCTAGON wirkt. Ganz konträr zu der Verdichtung auf den Grundkonflikt „Mann gegen Mann“ weist dieser Voice-Over auf eine höhere Ebene hinaus, indem er mit Hongkong den Schauplatz des Filmes besingt und mit diesem eine Stadt, die sich immer als wehrhaft und eigenständig erwiesen hat. Ob Fargo, der auch das Drehbuch mitschrieb, damit eine Anthropomorphisierung der Stadt, eine Parallelisierung seines Helden und dessen Umgebung schaffen wollte oder aber diese Zeilen als eine Art Hommage an die (noch) unter britischer Flagge stehende Handelsstadt und damit einhergehend auch an deren Filmindustrie verstanden wissen wollte, ist ungewiss. In der Ruppigkeit der Kämpfe (die durch die Schlusscredits noch untermauert wird, in denen die meisten Kämpfe des Films noch einmal ablaufen und immer dann gefreezed werden, wenn Norris’ wutverzerrtes Gesicht ins Bild kommt) und der Inszenierung der Stadt, die von allen Seiten in den Blick genommen wird, erscheint letzteres durchaus nicht unwahrscheinlich. FORCED VENGEANCE ist in seiner Gewaltdarstellung dann auch eher den Siebzigerjahren verpflichtet als „seinem“ Jahrzehnt: Die Fausthiebe krachen ebenso laut wie die Knochen, es wird fleißig gemordet und gestorben, aber das alles wirkt noch nicht so überstilisiert, wird nicht grafisch überzeichnet, sondern eher nüchtern dargeboten. Eine Szene charakterisiert die Härte des Films sehr gut: Nachdem Randall seine Freundin und Joy bei einem alten Armeekumpel untergebracht hat, wird dieser von den Häschern Raimondis überfallen und überwältigt. Mit gebrochenem Rückgrat liegt er auf dem Boden und muss nun mitansehen, wie die Lebensgefährtin seines besten Freundes vor seinen Augen zu Tode geschunden wird. Fargo erspart dem Zuschauer die Augenzeugenschaft an der Vergewaltigung: Wir hören nur, was passiert, und erkennen an der Reaktion des hilflosen Freundes, was gerade vor sich geht. eine ziemlich nachhaltige Szene, die aufgrund ihrer Inszenierung sehr viel tiefer geht als man meinen möchte. Da es FORCED VENGEANCE an solchen Regieeinfällen nicht mangelt – sehr schön ist etwa eine Schlägerei, in der die beiden Akteure als Silhouetten vor eine riesigen Coca-Cola-Leuchtreklame agieren –, wirkt der Film am Ende trotz seines Minimalismus geradezu opulent. Sogar die schon erwähnte Schlusscreditsequenz trägt ihren Teil dazu bei, dem Film quasi retrosepktiv noch einmal zusätzlichen Drive und Punch zu verleihen. Für mich eine echte Überraschung und ohne jeden Zweifel der Höhepunkt des Norrisschen Frühwerks. Dass Fargo, dessen Karriere doch zumindest nominell mit der Regie der Eastwood-Filme THE ENFORCER und EVERY WHICH WAY BUT LOOSE sehr viel versprechend angefangen hatte, nach FORCED VENGEANCE nichts annähernd gleichwertiges nachlegen durfte, ist an seiner Leistung gemessen doch ein bisschen schade. Aber wahrscheinlich musste er einfach dem Geist der Achtziger weichen …

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