Archiv für Dezember, 2008

Josh Randall (Chuck Norris), ein ehemaliger amerikanischer Soldat, arbeitet in Hongkong als Sicherheitschef und Schuldeneintreiber für den Casinobesitzer Sam Paschal (David Opatoshu), seinen väterlichen Freund, der ihn einst bei einer Schlägerei „entdeckte“ und engagierte. Als Sam ein Fusionsangebot des schurkischen Sam Raimondi (Sam Cavanaugh) ausschlägt, werden er und sein Sohn David, der mittlerweile die Geschäfte leitet, brutal umgebracht. Für Randall gibt es nun nur eine Aufgabe: Sams ahnungslose Tochter Joy (Camila Griggs) zu finden und zu beschützen und gleichzeitig den Mörder zur Strecke zu bringen. Doch Raimundis Männer sind Randall schon auf den Fersen. Eine atemlose Jagd durch die Straßen Hongkongs beginnt …

forced_vengeance_poster_011FORCED VENGEANCE markiert im Schaffen von Chuck Norris eine Art Übergangsfilm: Zwischen dem Action-goes-Horror-Film SILENT RAGE und dem Durchbruch mit LONE WOLF MCQUADE, der immer noch von vielen als bester Norris-Film angsehen wird, entstand dieser Großstadtkrimi, der mit Norris’ frühen Actionkrimis das urbane Setting teilt, auf der Handlungsebene allerdings schon den Minimalismus der folgenden Filme vorwegnimmt und eine simple Rachegeschichte ohne großen Firlefanz präsentiert. Nach 20 Minuten ist alle expositorische Arbeit geleistet, von da an inszeniert Fargo FORCED VENGEANCE als rasante Folge von Schlägereien und Verfolgungsjagden. Das einzige die strenge Struktur aufbrechende Element ist der lose eingesetzte Voice-Over-Kommentar Norris’, der wie ein unmotiviertes Überbleibsel aus THE OCTAGON wirkt. Ganz konträr zu der Verdichtung auf den Grundkonflikt „Mann gegen Mann“ weist dieser Voice-Over auf eine höhere Ebene hinaus, indem er mit Hongkong den Schauplatz des Filmes besingt und mit diesem eine Stadt, die sich immer als wehrhaft und eigenständig erwiesen hat. Ob Fargo, der auch das Drehbuch mitschrieb, damit eine Anthropomorphisierung der Stadt, eine Parallelisierung seines Helden und dessen Umgebung schaffen wollte oder aber diese Zeilen als eine Art Hommage an die (noch) unter britischer Flagge stehende Handelsstadt und damit einhergehend auch an deren Filmindustrie verstanden wissen wollte, ist ungewiss. In der Ruppigkeit der Kämpfe (die durch die Schlusscredits noch untermauert wird, in denen die meisten Kämpfe des Films noch einmal ablaufen und immer dann gefreezed werden, wenn Norris’ wutverzerrtes Gesicht ins Bild kommt) und der Inszenierung der Stadt, die von allen Seiten in den Blick genommen wird, erscheint letzteres durchaus nicht unwahrscheinlich. FORCED VENGEANCE ist in seiner Gewaltdarstellung dann auch eher den Siebzigerjahren verpflichtet als „seinem“ Jahrzehnt: Die Fausthiebe krachen ebenso laut wie die Knochen, es wird fleißig gemordet und gestorben, aber das alles wirkt noch nicht so überstilisiert, wird nicht grafisch überzeichnet, sondern eher nüchtern dargeboten. Eine Szene charakterisiert die Härte des Films sehr gut: Nachdem Randall seine Freundin und Joy bei einem alten Armeekumpel untergebracht hat, wird dieser von den Häschern Raimondis überfallen und überwältigt. Mit gebrochenem Rückgrat liegt er auf dem Boden und muss nun mitansehen, wie die Lebensgefährtin seines besten Freundes vor seinen Augen zu Tode geschunden wird. Fargo erspart dem Zuschauer die Augenzeugenschaft an der Vergewaltigung: Wir hören nur, was passiert, und erkennen an der Reaktion des hilflosen Freundes, was gerade vor sich geht. eine ziemlich nachhaltige Szene, die aufgrund ihrer Inszenierung sehr viel tiefer geht als man meinen möchte. Da es FORCED VENGEANCE an solchen Regieeinfällen nicht mangelt – sehr schön ist etwa eine Schlägerei, in der die beiden Akteure als Silhouetten vor eine riesigen Coca-Cola-Leuchtreklame agieren –, wirkt der Film am Ende trotz seines Minimalismus geradezu opulent. Sogar die schon erwähnte Schlusscreditsequenz trägt ihren Teil dazu bei, dem Film quasi retrosepktiv noch einmal zusätzlichen Drive und Punch zu verleihen. Für mich eine echte Überraschung und ohne jeden Zweifel der Höhepunkt des Norrisschen Frühwerks. Dass Fargo, dessen Karriere doch zumindest nominell mit der Regie der Eastwood-Filme THE ENFORCER und EVERY WHICH WAY BUT LOOSE sehr viel versprechend angefangen hatte, nach FORCED VENGEANCE nichts annähernd gleichwertiges nachlegen durfte, ist an seiner Leistung gemessen doch ein bisschen schade. Aber wahrscheinlich musste er einfach dem Geist der Achtziger weichen …

splatting image # 76

Veröffentlicht: Dezember 14, 2008 in Zum Lesen
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Die neue Ausgabe der Splatting Image (Nr. 76) ist dieser Tage erschienen und enthält nach meiner Abwesenheit in der September-Ausgabe auch wieder einen kleinen Beitrag von mir. Es handelt sich dabei um einen Text zu Bryan Bertinos wirklich ausgezeichnetem Schocker THE STRANGERS, der umso bemerkenswerter ist, als es sich dabei um ein Regiedebüt handelt. Von der unsäglichen und vollends kenntnisarmen Rezension, die der Spiegel unlängst anlässlich des Kinostarts veröffentlichte, sollten sich Zweifler nicht abhalten lassen, diese kleine Sternstunde des aktuellen US-Horrorfilms im Kino zu begutachten, wo der Film erst seine ganze Kraft entfaltet. Außerdem gibt es in der neuen Splatting Image einen Türkploitation-Text von Christian Kessler, Stefan Höltgen steuert einen ausführlichen Essay zu Horrorpornos bei und Ivo Ritzer bespricht URBAN ASSAULT – THE STREETS ARE OUR FIGHT CLUB. Viel Vergnügen!

dvd-regal vol. 23

Veröffentlicht: Dezember 14, 2008 in Film

Damit es hier nach überstandener Grippe endlich mal weitergeht, fange ich mit den in den letzten beiden Wochen erworbenen/per Post erhaltenen DVDs an. Die meisten davon habe ich auch schon geguckt, die entsprechenden Texte folgen in Kürze.

assassinationforced-vengeancefrogtowngloveragevicesquadverfluchtninja

Sho Kosugi ist Shiro Tanaka, ein Japaner, der es trotz erheblicher sprachlicher Defizite geschafft hat in den USA Polizist zu werden – wahrscheinlich, weil er wie jeder gute amerikanische Cop gern über die Stränge schlägt und sehr eigenwillige Methoden anwendet. Als er trotz dieser Qualifikationen kurz nach der Auftaktsequenz gerügt wird, anstatt eine Auszeichnung für seine multiplen Exekutionen zu erhalten, schmeißt er dem Chef die Dienstmarke vor die Füße und zieht sich aus dem Polizeidienst zurück. Nun ist Quality Time mit der einfältigen blonden Jennifer angesagt, die ihn aus unerfindlichen Gründen attraktiv und charmant findet, obwohl es ihm doch kaum gelingt „Guten Tag“ zu sagen, ohne sich die Zunge zu zerren. Wie das so ist in diesen Filmen, währt das Idyll aus geschenkten Perlenketten, in Nobelrestaurants genossenem Champagner nur kurz: Shiros bester Freund und ehemaliger Partner fällt nämlich einem bösen Drogenboss zum Opfer. Keine Frage: Um seine Ehre und die des Freundes wiederherzustellen (???), begibt sich Shiro auf einen Rachefeldzug, der ihn erst nach Buenos Aires und dann in den argentinischen Urwald führt, wo er es abwechselnd mit Gangstern, Eingeborenen und Ninjas zu tun bekommt.

b000092q4w01_sclzzzzzzz_v1057250009_1Von allen mäßig begabten Actionstars, die in den Achtzigerjahren zum Einsatz kamen, ist Kosugi vielleicht der am mäßigsten begabte. Nach einigen Filmen in Fernost wurde der gebürtige Japaner von der Cannon für ihren ENTER THE NINJA angeheuert, um dem Streifen, der Franco Nero als amerikanischen Ninja präsentierte, etwas Credibility zu verleihen. Golans eigenhändig inszenierter Film löste den kurzlebigen Ninjatrend aus und machte Kosugi infolgedessen zum „Star“ eines Genres, das die Niederungen der Z-Grade-Unterhaltung nur höchst selten verließ. Bis zum Ende der Achtziger kam Kosugi in mehreren etwas aufwändiger produzierten Ninjafilmen zum Einsatz, die ihn als Meister der obskuren Kampf- und Mordkunst etablierten: Vor allem die Cannon-Ninjasequels REVENGE OF THE NINJA und NINJA III: THE DOMINATION sowie der unglaublich trashige NINE DEATHS OF THE NINJA sind zu nennen. Es ist jedoch irgendwie bezeichnend, dass Kosugi am kommerziellen Höhepunkt der Ninjawelle nicht teilhatte: Firstenbergs AMERICAN NINJA-Serie kommt ohne den unscheinbar wirkenden Japaner aus.  Der Japaner verfügte zwar über die nötige Körperbeherrschung und Kampfsporterfahrung, als Identifikationsfigur taugte er aufgrund seiner mangelhaften Schauspielfähigkeiten kaum. Daran krankt auch RAGE OF HONOR, doch es gelingt Hessler, dieses Manko halbwegs zu umschiffen. Die kaum über die Standardelemente hinauskommende Story bietet lediglich den Aufhänger für die albern-infantilen Actionszenen, die aber dennoch recht ansprechend daherkommen. Seinen Höhepunkt findet Hesslers Film in dem fast halbstündigen Showdown, der anmutet, wie die gebündelten Fantasien eines Sechsjährigen – eigentlich fehlt nur noch eine Krokodilattacke, um das Spektakel perfekt zu machen. Schmerzhaft wird RAGE OF HONOR immer dann, wenn er sich seiner Hauptfigur zuwendet. Weder den toughen Fighter noch den charmanten Liebhaber nimmt man Kosugi ab und oft erwecken seine gebrochen dahingestammelten Dialogzeilen den Eindruck, er habe selbst gar nicht verstanden, was er da sagt. Wenn er nicht gerade Bad Guys vermöbelt gibt er also ein eher trauriges Bild ab, wirkt er so hilflos wie ein  japanischer Tourist, der sich vor dem Kölner Dom fotografieren lassen möchte, aber sich nicht traut, jemanden zu fragen.

Auf ihren eigenen Pfaden treffen die beiden besten Cops von L.A., der stilbewusste Ray Tango (Sylvester Stallone) und der heruntergekommene Gabriel Cash (Kurt Russell), bei den Ermittlungen gegen den Drogendealer Yves Perret (Jack Palance) aufeinander. Bald haben sie aber nicht nur gegeneinander anzukämpfen, sondern auch gegen die Justiz: Denn irgendjemand schiebt ihnen einen Mord in die Schuhe, der die beiden in den Knast bringt. Weil man es dort auf ihr Leben absieht, beschließen die beiden auszubrechen …

tango_and_cashSeinerzeit war TANGO & CASH ein Flop: Der Versuch, Stallones Filmpersona zu erweitern, wurde vom Publikum nicht akzeptiert und die Modernisierungen des Actiongenres, die von McTiernan in DIE HARD und Richard Donner in LETHAL WEAPON kurz zuvor angestoßen worden waren und die auch Konchalovsky aufgreift, kamen nicht richtig zum Tragen, weil die Protagonisten eben noch Vertreter eines älteren Stils waren, mit denen man sie ausschließlich assoziierte – siehe oben. Vielleicht war TANGO & CASH seiner Zeit in negativem Sinne voraus: Unter Konchalovskys Regie kommen in dem Film eine Formelhaftigkeit und inhaltliche Leere zum Ausdruck, die eigentlich eher das Ende einer Epoche ankündigen als ihren Beginn. Statt Charakteren gibt es Figuren, statt einer Handlung einer Abfolge von Set Pieces und statt Dialogen Sprüche: Im Grunde hatte TANGO & CASH damals schon eine Struktur, die heute von Filmen wie SHOOT ‚EM UP  verwendet und als der Gipfel des Entertainment verkauft wird. Was ihn jedoch von solch einem Rohrkrepierer unterscheidet, ist seine Handfestigkeit. Diese ist nicht bloß eine zwar gewünschte, aber entbehrliche Eigenschaft des Actionfilms: Sie ist integraler Bestandteil, notwendige Bedingung. Die ungehemmte Zerstörungswut und die physische Gewalt hinterlassen nur dann eine echte Wirkung, wenn sie tatsächlich materielle Präsenz haben, anstatt bloß vom Computer generiert zu werden.

Diese Handfestigkeit schlägt sich in TANGO & CASH aber auch auf anderer Ebene als Aufrichtigkeit nieder: Hier wird sich nicht auf Ironie rausgeredet und somit letztlich die eigene Motivation verleugnet. In TANGO & CASH sind Bezeichnetes und Bezeichnendes noch annähernd identisch: Wenn etwas kaputtgemacht werden soll, wird etwas kaputtgemacht. Konchalovsky erzählt nichts darüber hinaus, aber sein Film hat dennoch eine enorm befreiende Wirkung: Die kühle Abgeklärtheit moderner Actionfilme, ihre altkluge Cleverness, ihr nervtötendes Stilbewusstsein und ihre Überheblichkeit werden hier durch eine infantile Freude ersetzt. Nach 90 Minuten dieses Spektakels fühlt man sich wie nach einem Saunabesuch oder einem ausgedehnten Waldlauf, ausgepowert, aber gut durchblutet.

snakeeater-dvdcoverartJack „Soldier“ Kelly (Lorenzo Lamas) gehörte im Vietnamkrieg einer Spezialeinheit namens „Snake Eaters“ an. Seine dort erworbene Hartgesottenheit und Lebensmüdigkeit hat er zurück in den USA in den Dienst der Polizei gestellt, die ihn bei besonders harten Undercover-Aufträgen einsetzt. Gerade in dem Moment, in dem er nach erneuter Disziplinlosigkeit entlassen wird, wird seine Familie bei einem Bootsausflug von mordlüsternen Rednecks gemeuchelt. Natürlich begibt sich „Soldier“ sofort zum Unglücksort, um die Schuldigen zu bestrafen und seine Schwester, die den Schurken in die Hände gefallen ist, zu retten …

So lässt man sich Blödsinn gefallen: SNAKE EATER ist billig runtergekurbelte Videothekenware, deren einziger und fragwürdiger Glanzpunkt der einstige FALCON CREST-Schönling Lorenzo Lamas ist. Der spielt seine Rolle dann auch mit viel Verve, überzeichnet seinen Supersoldaten zum kernigen, stets bedreitagebarteten Proleten, dem alles scheißegal und kein Sprcuh zu blöd ist. Die deutsche Synchro leistet Überstunden in dem Bemühen, den Film besser zu machen als er ist, was ihr meist gelingt (allerdings betont sie dabei schmerzhaft die miesen Performances der Darsteller). Am besten gefiel mir die Erwiderung „Soldiers“ auf seine Entlassung: „Darf ich jetzt nicht mehr in dem Auto mit den roten Lichtern fahren?“ – herrlich! Aber man darf mutmaßen, dass SNAKE EATER auch im Original eher komisch gemeint ist, denn trotz einiger saftiger Brutalitäten ist die ganze Story einfach zu bescheuert, werden alle Zutaten so dermaßen übertrieben, dass es unmöglich ist, ihn Ernst zu nehmen. Leider steht Erschbamers bestenfalls als unbeholfen zu bezeichnende Regie, dem durchschlagenden „Erfolg“ des Films manchesmal im Weg. Die Inszenierungsklischees des Actionfilms werden samt und sonders aufgegriffen, ohne dass sie die Funktion, die sie ursprünglich einmal innehatten, auch nur annähernd erfüllen würden: Erschbamer imitiert mit seinen limitierten Mitteln, ohne wirklich verstanden zu haben. Das verleiht seinem Film aber einen infantilen Charme, der irgendwie Spaß macht. Das ist genau der Unterschied zu I, THE JURY: Dessen Blödheit bestand darin, keine Linie zu verfolgen. Die Linie von SNAKE EATER ist die Blödheit.

i_the_juryBei manchen Filmen weiß man schon nach wenigen Sekunden, dass das nichts geben wird. I, THE JURY ist so ein Fall, denn er versagt bereits, wenn man zum ersten Mal seine Titelfigur zu Gesicht bekommt. Mickey Spillane, streitbarer Autor der Romanvorlage und Erfinder des Mike Hammer, hatte sich in einem Interview einmal wortreich darüber beschwert, wie man es wagen konnte, seinen kernig-maskulinen Privatdetektiv von dem gerade einmal 1,78 Meter großen und sichtbar italienischstämmigen Armand Assante verkörpern zu lassen. Als ich das damals las, hielt ich Mickey Spillane für größenwahnsinnig und kleinkariert, nach Betrachtung von Heffrons Film muss ich jedoch zugeben, dass ich den Mann verstehe. Armand Assante als Mike Hammer zu besetzen, ist das Musterbeispiel für eine Fehlbesetzung: Nicht nur rein optisch, auch in seinem ganzen Gebaren. Es wirkt geradezu lachhaft, dass dieser ölige Zwerg dem Zuschauer als harter Macker verkauft werden soll. Assante – ein guter Schauspieler, nur dass das klar ist – müht sich redlich, doch man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass er wusste, wie deplatziert er in dieser Rolle ist.

Mit diesem fragwürdigen Besetzungscoup offenbart sich I, THE JURY sehr schnell nicht nur als misslungen, sondern geradezu als missraten. Nichts funktioniert: Die Hauptfigur ist unglaubwürdig, die Geschichte so umständlich erzählt, dass man sich fragen muss, ob die Urheber sie selbst verstanden haben, der Ton des ganzen Spektakels uneinheitlich – mal witzig, dann wieder  äußerst brutal – ohne dass diese Vorgehensweise irgendwie plausibel gemacht würde, und es gelingt Heffron nicht einmal ansatzweise, die Strukturen und die Sprache solcher Klassiker wie THE MALTESE FALCON oder THE BIG SLEEP, die sowohl für Spillanes Romane als auch für den Private-Eye-Film Pate standen, in die Achtziger zu überführen, obwohl sie damals schon längst selbst zu Inszenierungsstandards geworden waren.

Was I, THE JURY einzig und allein vor der völligen Belanglosigkeit rettet, ist die nackte Tasache seiner Existenz. Als große Kinoproduktion von Warner ins Rennen geschickt, kann man sich nur fragen, was die Verantwortlichen damals eigentlich geritten hat. I, THE JURY ist ein lupenreiner Sleazefilm, der sich in Sex und Gewalt suhlt, großes Kino anstrebt, aber nie den Niederungen des hohlen Trashs entrinnen kann. Da gibt es Absonderlichkeiten wie eine vom CIA betriebene Sexklinik unter der Leitung der geilen Dr. Bennett (Barbara Carrera), einen Lustmörder mit Rothaar-Perücken-Fetisch, einen wie erwähnt ausgesprochen schmierigen Privatdetektiv mit Tropenfisch-Aquarium, ein geiles nymphomanisches Schwesternpaar und abtrünnige CIA-Agenten, die Waffen verhökern.

Zugegeben: Auch Spillanes Roman ist nicht gerade intelligente Kost, lebt einzig und allein vom überbordenden Chauvinismus des Autors und liest sich in der Häufung softpornografischer Details und der Selbstverliebtheit der Hauptfigur reichlich anstrengend, aber wenigstens hält Spillane seinen Stil durch und zeichnet eine Welt, in der das alles irgendwie glaubwürdig ist. I, THE JURY ist ein einziger Kindergeburtstag, eine zusammengekleisterte Nummernrevue aus Elementen, von denen irgendein Idiot glaubte, sie passten gut zusammen. Trotz der sichtbaren Production Values mutet I, THE JURY an wie die wirren Fantasien von Drehbuchschreibern, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Was bleibt sind die Nippel von Barbara Carrera und der hübsche Score von Bill Conti. Was nicht bedeutet, dass man sich nicht königlich amüsieren könnte mit diesem Quatsch. Nur einen Film sollte man eben nicht erwarten.