the hitcher (robert harmon, usa 1986)

Veröffentlicht: Januar 3, 2009 in Film
Schlagwörter:, , ,

hitcherSchon im Western verbanden die Protagonisten mit der ihrem Genre den Namen gebenden Himmelsrichtung mehr als nur eine Region auf der Landkarte. Was immer sie in der Heimat plagte – Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger und Krankheit – im Westen sollte, ja würde alles besser sein. Von dieser Hoffnung angetrieben machten sich viele auf die beschwerliche Reise, deren Ziel jedoch längst nicht alle erreichten. Aber auch in diesem Fall ist der Weg das Ziel: Der Treck nach Westen ist der amerikanische Initiationsritus.

Auch der jugendliche Jim Halsey (C. Thomas Howell) fährt nach Westen. Statt auf einem Pferd sitzt er in einem Sportwagen, sonst ist keiner bei ihm. Wochenlang stand er auf der Warteliste, um einen Wagen nach Kalifornien zu überführen, auch wenn er gar nicht so genau weiß, was er dort will. Aber irgendetwas muss passieren in seinem Leben. Die Initiation beginnt für ihn, als er den Anhalter mit dem sprechenden Namen John Ryder (Rutger Hauer) mitnimmt. Schon nach wenigen Minuten offenbart dieser seinem Helfer nämlich, dass er ein Serienmörder ist, dessen Mordlust immer noch nicht gestillt ist. Ein Moment der Geistesgegenwart lässt Jim zunächst entkommen, aber zwischen ihm und dem Killer ist längst eine Bindung entstanden, die sich nicht so einfach auflösen lässt. Und so muss Jim beweisen, dass er ein ganzer Mann ist – doch dazu muss er erst einer werden. Und John Ryder ist ein guter Vater …

Eric Reds Drehbuch trifft den Nagel auf den Kopf, erhebt die Fahrerkabine des PKW zur traumatisch aufgeladenen Keimzelle der Postmoderne, in der sich der Einsame zurückzieht, um vor der Welt zu fliehen: ein Ort, der Sicherheit verspricht, seinem Insassen mit dem Komfort von Autoradio, Heizung und Zigarettenanzünder einen kleinen Mikrokosmos zur Verfügung stellt, in dem es sich gut leben lässt, solange kein anderer ihm zu nahe kommt. Aber manchem Übel kann man eben nicht entkommen, man muss sich ihm immer noch stellen, weil es sonst nicht locker lässt. Die Weite des US-amerikanischen Mittelwestens, der Ort, an dem der Mensch sich im Nichts verliert, wird in THE HITCHER mehr und mehr zum ausgelagerten Fahrzeuginneren, zum Ort ohne Versteck, zur Arena eines uralten Kampfes, zum Ort mythischer Weihe und spiritueller Erhebung. Dort, an der Straße nach Westen, entscheidet sich noch immer, ob man lebt oder stirbt.

PS: Das Remake aus dem vergangenen Jahr macht wirklich gar nichts richtig.

Kommentare
  1. […] Red galt einst, nachdem er das Drehbuch zum Achtzigerjahre-Klassiker THE HITCHER geschrieben hatte, als große Hoffnung, die bis heute und nach lediglich „guten“ […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.