el cid (anthony mann, italien/usa/großbritannien 1961)

Veröffentlicht: Januar 5, 2009 in Film
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el_cid_rep1Es war eine Schnapsidee, unmittelbar nach der in zwei Sitzungen erfolgten Sichtung von QUO VADIS gleich den nächsten Monumentalschinken mit Überlänge hinterherzuschieben: Während der drei Stunden von EL CID schwand mehr als einmal die Aufmerksamkeit, begab sich die Konzentration auf Wanderschaft, verselbständigten sich die Gedanken. Wie Mervyn LeRoy walzt auch Mann die Geschichte um den spanischen Volkshelden breit aus und zeichnet eine Heldengeschichte nach, die durch die Erzählkonventionen so weit vereinnahmt worden ist, dass man sie eigentlich auch in einem Bruchteil der Zeit hätte aufbereiten können. Aber das liefe den Bestrebungen des Monumentalfilms zuwider, der auf lückenlose Verbildlichung und Plausibilisierung der Geschichte setzt, diese Herausforderung aber nicht anders  zu meistern weiß, als mit einer Mobilisierung aller materiellen Mittel. Geschichtliche Bedeutungsschwere wird kurzerhand in Filmzeit umgewandelt, große Inszenierungsideen bleiben aus. Auch EL CID ist trotz allem Pomp eine eher einfache Angelegenheit: Zwischenmenschliche und innere Konflikte werden in langen Dialogszenen ausgeführt, Landschaftsaufnahmen im Breitwandformat evozieren das Gefühl, epischen Vorgängen beizuwohnen, spektakuläre Massenszenen bezeugen, dass die Vergangenheit eine Zeit der Tat war, auch wenn der Rest des Films eigentlich das Gegenteil verkündet. Denn letztlich gehen alle geschichtlichen Umwälzungen auf innere Prozesse zurück, seien es hier die bedingungslose Rechtschaffenheit und Königstreue El Cids oder die Liebe Vinicius‘ in LeRoys QUO VADIS. Die Tat ist lediglich folgerichtig. Aus dem Vergleich mit QUO VADIS geht Manns Film dennoch als Sieger hervor. Dies liegt zum einen an seinem ausgefeilteren und – wenn man das bei einem Monumentalfilm sagen kann – zurückhaltenderen visuellen Stil, der das Geschehen in kargen Farben einfängt, aus denen die roten Fahnen des spanischen Königs umso mehr herausstechen, anstatt alles in einen psychedelischen Farbrausch zu tauchen. Wie der Wilde Westen im Western ist das Spanien von EL CID ein trostloses Land, dem die Menschen die Blüte der Zivilisation erst noch abtrotzen müssen. Und vor diesem Hintegrund gewinnt auch die Figur El Cids an Profil. Ein weiterer Pluspunkt ist dessen Darsteller Charlton Heston, der dem spanischen Ritter mit seiner unbezahlbaren Präsenz das nötige Maß an urwüchsiger Wildheit und virilem Edelmut verleiht. Wenn auch der ganze Film um ihn herum unter der Last seines Konzepts erstickt, ihm genau jene Spontaneität und Impulsivität abgeht, die seinen Helden doch erst zu einem solchen macht, so bleibt Heston das stoische Zentrum, das sich nicht verbiegen lässt und alles in seine Umlaufbahn zwingt.

Letztlich sind es aber die letzten Minuten, die EL CID zu einem doch noch unvergesslichen Erlebnis werden lassen: Wenn der einer Schusswunde erlegene Ritter auf seinem Pferd festgebunden wird, um als Symbol unerschütterlicher Loyalität und Unbeugsamkeit in die Schlacht zu reiten, die Flagge fest im Griff, dann ist das ein Moment, der den Rest des Films überstrahlt und ihn im Nachhinein legitimiert. Die vorangegangenen 170 Minuten waren würdiger Prolog für dieses Bild, das endlich all das kompakt in sich vereint, worüber vorher viele Worte gemacht wurden …

Kommentare
  1. […] nicht mehr reproduzieren. Die beiden letzten Filme dieser Gattung, die ich mir angeschaut habe, EL CID und QUO VADIS?, haben in mir das Bedürfnis geweckt, mit einer Schere einzugreifen und diese Epen […]

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