my darling clementine (john ford, usa 1946)

Veröffentlicht: Januar 5, 2009 in Film
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9907024_gal1Eigentlich will Wyatt Earp (Henry Fonda) mit seinen Brüdern eine Herde Kühe nach Westen treiben. Doch nach einem Abstecher nach Tombstone sind die Tiere verschwunden und sein Bruder James tot. Earp hat sofort den Cowboy Ike Clanton (Walter Brennan) und seine Söhne in Verdacht und nimmt den ihm vom Bürgermeister von Tombstone angebotenen Job als Marshall daher dankend an. Der stadtbekannte Arzt und Casinochef  Doc Holliday (Victor Mature) steht dem Neuankömmling zunächst eher feindselig gegenüber – nicht zuletzt, weil Liebeswirrnisse die Rivalität der beiden Männer entfachen -, doch schließt sich ihm schließlich im Kampf gegen Clanton an, der im berühmten „Gunfight at O.K. Corral“ kulminiert …

Die dem Film zugrunde liegende Schießerei war schon unmittelbar nach ihrem Stattfinden Stoff endloser Spekulation und fand schnell Eingang in den Mythenschatz der USA. Auch Ford inszeniert den eigentlich unbedeutenden Zusammenprall als geschichtsträchtiges Ereignis, als wichtige Station auf dem Weg vom wilden Pionierland zum zivilisierten Rechtsstaat. Schon zu Beginn, wenn Wyatt Earp aus Untersicht gegen den sonnenklaren Himmel fotografiert wird oder der dramatische Abendhimmel über der „Boomtown“ Tombstone signalisiert, welche umwälzenden Entwicklungen hier bevorstehen, ist klar, dass Ford sich nicht für einen dokumentarischen Zugang interessiert, sondern eben um die Legendenbildung. Konsequenterweise verlegt er den Schauplatz Tombstone auch mehrere Hundert Meilen nach Norden, aus dem südöstlichsten Eck Arizonas mitten hinein in die imposante Kulisse des Monument Valley und nimmt sich auch sonst jegliche dichterische Freiheit. Wyatt Earp wird bei Ford zum Vorboten der Zivilisation und der sich anbahnenden Erschließung des Westens, zum Mann, der ein klares Wertsystem vertritt und dieses um jeden Preis verwirklicht sehen möchte. Sein Interesse mag persönlicher Natur sein, doch eigentlich verbirgt sich dahinter eine geradezu staatsmännische Vision. Wenn Earp Tombstone am Ende vom Verbrechen gereinigt hat, kann Doc Hollidays ehemalige Geliebte Clementine (Cathy Downs), eine gebildete und kultivierte Städterin aus dem Osten des Landes, das Städtchen beziehen, einen Job als Lehrerin antreten und die Demarkationslinie zwischen der Zivilisation und der Wildnis somit etwas weiter nach Westen verschieben. 

Es gäbe noch Einiges mehr zu sagen – darüber, wie MY DARLING CLEMENTINE trotz seiner streng aristiotelischen Struktur geradezu locker wirkt, der Plot immer wieder Lücken aufweist, in die Ford hineinstößt und seinen Film öffnet; darüber, wie Victor Matures Darstellung Doc Hollidays Dean Martins respektive Robert Mitchums Rolle in RIO BRAVO bzw. EL DORADO antizipiert; darüber, wie Fords Inszenierung des nächtlichen Tombstone manchmal an den Film Noir denken lässt. Man könnte aber auch einfach enthusiasmiert die Brillanz von Fords Film preisen, weil Worte hier wenn schon nicht gänzlich versagen, so doch irgendwie eitel und überflüssig wirken.

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