quo vadis (mervyn leroy, usa 1951)

Veröffentlicht: Januar 5, 2009 in Film
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quo_vadis1Die Zeit „zwischen den Jahren“, wie man so schön sagt, ist irgendwie Monumentalfilm-Zeit. Im Fernsehen hagelt’s Bibelepen und auf der heimischen Couch erleichtert die Mischung aus ebenso bunten wie breiten Bildern, meterdickem Pathos und Gefühlsüberschwang und auf griffige Einzelschicksale heruntergebrochener Historienaufbereitung die auf Hochtouren laufende Verdauung und Regeneration. Filme wie QUO VADIS schmecken gut, belasten aber nicht. Auch wenn sich hinter der Geschichte des Römers Marcus Vinicius (Robert Taylor) ein Stoff verbirgt, mit dem man sich ein ganzes Leben beschäftigen könnte – die ersten Schritte des Christentums von der Minderheitensekte zur Weltreligion, Kaiser Neros Wahnsinn, der Anfang vom Ende des römischen Imperiums: In LeRoys Films werden diese weltgeschichtlichen Entwicklungen trotz aller Opulenz fast kammerspielartig abgehandelt. Man merkt QUO VADIS an, dass LeRoy, der 20 Jahre zuvor den großen kleinen Gangsterfilm LITTLE CAESAR inszenierte, nichts davon verstand, Größe ins Bild zu setzen. Trotz der obligatorischen Massenszenen und der raumgreifenden Geschichte, wirkt QUO VADIS wie in Ketten geschlagen. Ein Dialog reiht sich an den nächsten, jede Szene fällt sofort an den für sie vorgesehenen Platz und es gibt kein Geheimnis, das für den Zuschauer noch zu bergen wäre, alles liegt offen dar, sich selbst erklärend. Robert Taylor agiert passenderweise ausgesprochen hölzern, zum Sympathieträger macht ihn weniger seine Charakterzeichnung als vielmehr seine Positionierung im Plot: Warum die Christin Lygia (Deborah Kerr) ihn trotz seiner Intoleranz und Arroganz liebt, muss man einfach hinnehmen.  Groß wird QUO VADIS eigentlich immer nur dann, wenn Nero auftritt und Peter Ustinov diese Gelegenheiten nutzt, den Film an sich zu reißen. Plötzlich erhält LeRoys Film genau den Witz und Esprit, den man sonst so vermisst und den noch nicht einmal die spektakulären Set Pieces, die aus diesen Filmen sonst stets im Gedächtnis zu bleiben pflegen, heraufzubeschwören in der Lage sind: Die Szenen im brennenden Rom sind so ein potenzieller Höhepunkt, dessen dramaturgische Einbindung und Inszenierung allerdings geradezu fahrlässig unterentwickelt bleiben. 

Das ist kein Verriss: QUO VADIS ist einer der besten Vertreter seines Genres, trägt als solcher aber eben auch die Mängel der hollywoodschen Monumentalsucht offen zur Schau. Kritische Töne versinken im Schmelz der Bilder, die einzig zum Zwecke des Eskapismus gemalt wurden und natürlich dazu, ein konservatives Wertesystem aufzustellen und zu verteidigen. Historische Gegebenheiten werden zur Stabilisierung des Status quo instrumentalisiert und ein römischer Feldherr kann so zum nichtkonfessionellen Wegbereiter des Christentums avancieren, der eine bessere – christliche – Zeit am Horizont heraufziehen sieht. Die Selbstverständlichkeit, mit der einem die christliche Botschaft hier fingerdick aufs Brot geschmiert wird, mutet aus heutiger Sicht aber weniger bedenklich als eher komisch an, zumal dem Monumentalkino selbst die dekadente Prahlsucht des römischen Reiches eigentlich näher steht als die von einem verarmten Zimmermann gepredigte Lehre der Nächstenliebe. Von letzterer ist QUO VADIS meilenweit entfernt: Er ist ein Film des nackten finanziellen Kalküls und der von den Finanziers gebannten Kraft des Künstlers. Aber wie schon gesagt: Manchmal gibt es nichts Besseres als sich bunte Bilder anzugucken.

Kommentare
  1. bastro sagt:

    Hi,

    habe neulich BÖSE SAAT von ihm gesehen, und auch da fällt das Dialoglastige und Kammerspielartige sehr auf – wirkt beinahe wie ein Bühnenstück. Bei einem Monumentalfilm fällt das aber wohl noch viel mehr ins Gewicht, als bei einem Film, der sowieso ein sehr reduziertes Personal hat und vornehmlich in Innenräumen spielt…

    Grüße!, jedenfalls.

    • funkhundd sagt:

      Ja, stimmt, den kenne ich auch. In BÖSE SAAT tritt ja außerdem auch das Thesen- und Lehrstückhafte sehr in den Vordergrund, das man auch QUO VADIS anmerkt …

  2. […] Es war eine Schnapsidee, unmittelbar nach der in zwei Sitzungen erfolgten Sichtung von QUO VADIS gleich den nächsten Monumentalschinken mit Überlänge hinterherzuschieben: Während der drei […]

  3. […] reproduzieren. Die beiden letzten Filme dieser Gattung, die ich mir angeschaut habe, EL CID und QUO VADIS?, haben in mir das Bedürfnis geweckt, mit einer Schere einzugreifen und diese Epen auf ein gesundes […]

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