down and out in beverly hills (paul mazursky, usa 1986)

Veröffentlicht: Januar 13, 2009 in Film
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Die neureiche Familie Whiteman um den Kleiderbügel-Fabrikanten David (Richard Dreyfuss), seine im New-Age-Wahn befindliche Gattin Barbara (Bette Midler), den verklemmten Sohn Max und die essgestörte Tochter Jenny hat eigentlich schon genug Probleme.  Offensichtlich aber nicht für Dave, denn der eilt nicht nur geistesgegenwärtig zur Rettung, als der Obdachlose Jerry (Nick Nolte) sich in seinem Pool ersäufen will, er nimmt den Geretteten auch noch bei sich auf. Und Jerry beginnt nun mit unkonventionellen Methoden die Probleme der Whitemans nach und nach aufzulösen. Doch dabei ist er längst nicht nur auf den Vorteil der anderen bedacht … 

downandoutinbeverlyhills1MY MAN GODFREY goes 80er. In dem Screwball-Klassiker mit William Powell engagierte eine Millionärstochter den zwar obdachlosen, aber nichtsdestotrotz hochgebildeten Godfrey als Butler. In dieser Funktion deckte dieser die Borniertheit, Undankbarkeit und Langeweile seiner Geldgeber gnadenlos auf und hielt ihnen den Spiegel vor, um so schließlich einen Selbstfindungs- und Besserungsprozess einzuleiten (mehr dazu hier). Mazursky versieht diesen Stoff mit entscheidenden Variationen, um ihn für die Achtzigerjahre zu adaptieren. So äußert sich in Daves plötzlichem Wandel zum Menschenfreund das Bedürfnis der Reichen nach Absolution und das diesem zugrunde liegende schlechte Gewissen. Daves Leben liegt in Trümmern, das Bekenntnis zum Altruismus ist letztlich dem Egoismus verpflichtet: Dave rettet Jerry, weil er die Notwendigkeit erkannt hat, in seinem Leben etwas ändern zu müssen. Jerry kommt ihm gerade recht, ist letztlich Daves Mittel zum Zweck. So frönt Dave dem simulierten Pennerleben und probt den konsequenzlosen Ausstieg aus dem Wohlstand. Auch Barbara frisst nach anffänglichem Misstrauen einen Narren an Jerry, findet in ihm einen neuen Lifestyle-Guru, dessen Weisheiten sie nachhängen kann. Mazursky zeichnet die Verlogenheit der Neureichen treffend nach, jedoch – und das unterscheidet ihn von unsympathischeren, forcierteren Abgesängen auf Ober- und Mittelschicht – ohne seinen Protagonisten mit Hass und Zynismus zu begegnen. Die Whitemans sind eigentlich eine sympathische Familie, die lediglich in den Konventionen ihres Biotops Beverly Hills gefangen ist. Dass sie sich kopfüber in ihre Neurosen stürzen und dann an den unmöglichsten Orten nach Hilfe suchen, kann man ihnen kaum vorwerfen. Und anders als in vergleichbaren Lehrstücken ist Jerry hier auch kein Quell unerschütterlicher Tugend: Als er merkt, was es für ihn zu holen gibt, nutzt er die Whitemans nach Strich und Faden aus, nimmt sich, was er bekommen kann. Es ist ein meisterlicher Zug dieser Komödie, dass sie beide Seiten am Ende miteinander versöhnt, anstatt den einen seinen „Sieg“ auf Kosten des anderen feiern zu lassen. Die Whitemans haben dank Jerry Einsicht in ihre Fehler und Irrtümer erhalten. Einer davon war, dass sie die Verantwortung für ihr Leben einem Fremden in die Hände legten. Einen schwereren begehen sie jedoch nicht: Sie geben ihm nicht die Schuld dafür, dass er nicht das Ausbund an Moral ist, das sie in ihm sehen wollten, sondern ein auch nur Mensch wie sie.

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