you don’t mess with the zohan (dennis dugan, usa 2008)

Veröffentlicht: Februar 13, 2009 in Film
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zohan1Zohan Dvir (Adam Sandler) wird am Strand von Tel Aviv gefeiert wie ein Popstar. Kein Wunder, er sieht umwerfend gut aus, seine Tanzmoves sind nicht von dieser Welt und er kann einfach alles. Dies macht ihn auch zu einem unverzichtbaren Diener seines Staates: Zohan ist Soldat und wird von seiner israelischen Regierung als Kontraterrorist eingesetzt. Doch eigentlich sind ihm das Kämpfen und der nicht enden wollende Konflikt zuwider: Er träumt von einem Leben als Hairstylist, wofür er aber überall verlacht wird. Als er gegen den gefährlichen Terroristen „Phantom“ (John Turturro) antreten muss, nutzt er die sich ihm bietende Chance, seinen Tod zu fingieren und sich nach New York abzusetzen. Dort entpuppt es sich aber als schwieriger als erwartet, im Friseurgeschäft Fuß zu fassen, zumal auch in den Straßen Manhattans der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis schwelt. Und natürlich bleibt Zohans wahre Identität nicht lange unerkannt …

Die Inhaltsangabe legt nah, dass es sich bei YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN um eine der seit einigen Jahren die Komödienlandschaft bestimmenden Figuren-zentrierten Komödien handelt: Wie in diesen steht auch hier steht eine möglichst absurde Figur im Zentrum, die dem Film die marginale Handlung diktiert, die vor allem darin besteht, der Figur möglichst viele auf den Leib geschneiderte Situationen zu liefern. Doch die eigentlichen Stärken von YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN liegen woanders, weshalb der Film auch eine Weile braucht, um auf Touren zu kommen. Adam Sandler ist kein Will Ferrell (und selbst dessen Masche nutzt sich langsam aber sicher ab, siehe SEMI-PRO), der kaum mehr tun muss, als seine Dialogzeilen aufzusagen, um lustig zu sein. Adam Sandler hat nicht diesen Appeal, man macht sich nicht schon vor Lachen in die Hose, wenn er nur auftritt. Im Gegenteil, eigentlich ist Sandler selbst ziemlich durchschnittlich. Ein guter Schauspieler, aber eben einer, der eher für den „Regular Joe“ geeignet ist. Auch wenn er mit grellem Kasperkram wie HAPPY GILMORE berühmt wurde: Eigentlich ist Sandler ein später Nachkomme Frank Capras, seine Filme haben allesamt einen moralischen, märchenhaften Kern. Das gilt auch für YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN, der deshalb seine stärksten Momente immer dann hat, wenn er den Zuschauer mit seinem Titelhelden und nicht über ihn lachen lässt. Sequenzen wie jene, in denen Zohan mit seinen Frisier- und Liebeskünsten Legionen älterer, durchschnittlicher Hausfrauen beglückt, werden hier nicht etwa auf den Ekelfaktor abgeklopft, sondern sind sehr deutlich als Ode an die Weiblichkeit zu verstehen. Zohan liebt alle Frauen: nicht als Sexobjekte, sondern als Menschen, Individuen. Die billige Phrase, nach der die Schönheit von innen kommt, die Hollywood zwar gern vor sich herträgt, aber dennoch nicht beherzigt, findet hier ausnahmsweise eine sehr aufrichtige und ehrliche Interpretation. Dass Zohan am Schluss natürlich doch die knackige Dahlia (Emmanuelle Chriqui) bekommt, steht dieser Aussage nicht im Wege: Eigentlich vermisst er es, seine von ihm zu neuem Leben erweckten Hausfrauen im Hinterzimmer durchzuorgeln. Das bringt uns zum nächsten Punkt, denn in YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN geht es um Toleranz, darum, dem Gegenüber die Hände zu reichen. Nicht aus einem aufgeblasenen spirituellen oder religiösen Ideal heraus, sondern einfach deshalb, weil die Gemeinsamkeiten bei genauerem Hinschauen die Differenzen überwiegen. Der Streit zwischen den in Manhattan lebenden Israelis und Palästinensern, der dort, in den USA, jeder Grundlage entbehrt, ist hinfällig, sobald beide Seiten sich einander annähern. Sofort ist dann die Einigkeit da, entsteht ganz selbstverständlich ein Gespräch, ist jeder Streit hinfällig. Man begegnet sich nur noch als Menschen. Was diese grundlegende Einigkeit stört, sind von außen aufgepropfte Paradigmen, die an sich lebensfeindlich sind. In YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN ist das vor allem das Kapital (man merkt dem Film an, dass man sich in den konservativen USA an das Thema „Religion“ nicht ganz herangetraut hat). Das ist eine vereinfachende und vielleicht auch naive Sicht der Dinge, die aber in dieser Form wirklich herzerfrischend ist. Adam Sandler ist perfekt für diese naiven Simpletons, die ohne jede Boshaftigkeit „right through the bullshit“ blicken und ihr Gegenüber vorurteilsfrei und offen betrachten. Und es ist durchaus eine Gabe, an der man sich vielleicht orientieren sollte. All diese Aspekte – und die Tatsache, dass YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN ein paar herrlich beknackte Gags zu bieten hat sowie einen Gastauftritt von Mariah Carey, der ungeahnet Sympathien für die zur Brühwurst mutierten Popdiva weckt – machen Dennis Dugans Film sehenswert und heben ihn weit über den durchschnittlichen Partyfilm. Über die Schwächen – die lieblos wirkenden CGIs, manchen allzu einfältigen Kalauer – sieht man da nur allzu gern hinweg. Wie bei einem Freund mit einer blöden Angewohnheit.

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