king solomon’s mines (j. lee thompson, usa 1985)

Veröffentlicht: März 15, 2009 in Film
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king_solomons_minesDer Abenteurer Allan Quatermain (Richard Chamberlain) wird von der Archäologiestudentin Jessie Huston (Sharon Stone) beauftragt, ihren Vater, einen berühmten Archäologen, aufzuspüren, der während seiner Forschungen in Afrika verschwunden ist. Es stellt sich heraus, dass er die sagenumwobene Schatzkammer des Königs Salomon gefunden hat und in die Hände  des türkischen Ganoven Dogati (John Rhys-Davies) und des deutschen Colonel Bockner (Herbert Lom) gefallen ist, die beide sehr am Schatz des Königs interessiert sind. Ein Wettlauf beginnt …

KING SOLOMON’S MINES lässt sich als Versuch der Produktionsfirma Cannon beschreiben, großes Familienkino zu machen. Auf Basis der literarischen Vorlage, eines klassischen britischen Abenteuerromans von H. Rider Haggard, inszenierte Cannon-Hausregisseur Thompson einen Film, dessen große Vorbilder, Spielbergs INDIANA JONES-Filme, immer wieder um die Ecke lugen, und der mit Chamberlain einen Star aufzuweisen hatte, der sich nach den megaerfolgreichen TV-Mehrteilern SHOGUN und THE THORN BIRDS nun auch im Kino als Publikumsmagnet erweisen sollte. Die Rechnung ging finanziell wie so oft nur bedingt auf, nicht zu leugnen ist aber, dass KING SOLOMON’S MINES ein amüsantes Spektakel geworden ist, das von seinen gelegentlichen Unzulänglichkeiten sogar profitiert. Den Charakter der Kinoserials der Dreißigerjahre, denen Spielberg mit seinen Filmen Tribut zollen wollte, trifft Thompson zumindest strukturell fast noch besser: KING SOLOMON’S MINES lässt eine den Film überspannende Dramaturgie fast vollkommen vermissen, präsentiert sich als eineinhalbstündige Abfolge von Set Pieces, die von einer Minihandlung notdürftig zusammengehalten werden. Wären alle Episoden so gut gelungen wie der Auftakt, einer Hatz durch das Sklavenhändlernest Tongola, an Thompsons Film gäbe es nichts zu bekritteln, doch leider geht dem Film gegen Ende etwas die Puste aus. Die gegenüber dem Vorbild deutlich geringeren finanziellen Mittel fordern ihren Tribut und die finale Enthüllung der legendären Schatzkammer des Königs darf durchaus als Enttäuschung und Antiklimax bezeichnet werden. Letztlich ist KING SOLOMON’S MINES aber ein herrlich naives Vergnügen: Vor allem Herbert Lom als aufgeblasener, Knackwurst essender und Wagner hörender Popanz ist herrlich und die vielen, vielen heute sehr fadenscheinig wirkenden Effekte entführen in eine Zeit, als das Kino vielleicht zum letzten Mal noch ein Ort war, an dem man sich „bezaubern“ ließ und dem man nicht total abgeklärt gegenüberstand.

Kommentare
  1. Der Außenseiter sagt:

    Nur ein kleiner Klugscheißerhinweis 🙂

    Mit einem weltweiten Einspielergebnis von fast 40 Mio. Dollar und bei Produktionskosten von nicht mal 5 Mio. Dollar, war der Film ein ziemlicher Hit. Da Filme heute das dreifache ihrer Produktionskosten einspielen müssen(!), damit sie anfangen für die Produktionsfirma einen Reingewinn abzuwerfen und die Cannon damals den Vertrieb vollständig und sogar einige Kinos in der Hand hatte, wodurch sie einen Reingewinn von ca. 30 Mio. gemacht haben dürfte, wären heutige Majors froh, wenn sie mit ihren 150-Mio-Dollar-Produktionen einen Reingewinn einfahren würden, der heutzutage inflationsbereinigt ungefähr 60 Mio. Dollar entsprechen würde. Dafür müsste die 150-Mio-Dollar-Produktionen nämlich mindestens 510 Mio. einspielen und das schafft praktisch kein Film. Deswegen ist der Reingewinn bei einem teuren Film der mäßig läuft für die Majors meistens nur im einstelligen Millionenbereich anzusiedeln, während die Cannon sich mit solchen und ähnlich gelagerten B-Movie-Produktionen dumm und dämlich verdient hat.

    Ich habe mir den Film vor ein paar Wochen angesehen und fand ihn einfach nur spitzenklasse! :))

    • funkhundd sagt:

      Hi,

      OK, dann habe ich mich wohl vergaloppiert bzw. bin den falschen Rechnungen aufgesessen.

      Zu deinem abschließenden Kommentar: Hmm, um den „spitzenklasse“ zu finden, müsste ich ziemlich viel ausblenden, auf das ich bei anderen Filmen, die dieses Prädikat von mir erhalten, Wert lege. Ich finde SOLOMON sehr amüsant und handwerklich überdruchschnittlich – vor allem die Kameraarbeit ist toll -, aber er hat eben auch unübersehbare Schwächen. Die machen ihn durchaus sympathisch, keine Frage. Aber Schwächen bleiben es eben trotzdem. 😉

  2. Der Außenseiter sagt:

    Der Dilettantsimus des Filmes hat ihn für mich so hervorragend gemacht. Das hat so an die alten Abenteuerfilme der 1920er, 30er und 40er erinnert. Thompson schien das bei jeder Einstellung bewusst zu sein. Wahrscheinlich macht mir genau das den Film auch sympathischer als die perfekt gestalteten Indiana-Jones-Filme, die ich doch immer recht dröge empfand. 🙂

  3. funkhundd sagt:

    Siehst du, das geht mir ganz anders. Die INDY-Filme benutzen ihren Serial-Hintergrund (oder eher Vordergrund), um davor tatsächlich so etwas wie eine Charakterstudie zu betreiben. Jones wird innerhalb der Trilogie als Mensch greifbar und das macht den Appeal der Serie aus. Bei SOLOMON hat mich das Spekatkel irgendwann gelangweilt, weil irgendwann deutlich wird, dass es konsequenzlos bleibt. Man nimmt nichts mit aus dem Film.

  4. Der Außenseiter sagt:

    Hihi, witzig. Es gibt für mich keine Filmreihe, wo die Figur mir weniger als Mensch begreiflich wurde als bei den Indiana-Jones-Filmen. Eben das führte auch immer zu meiner gelangweilten Einstellung ihr gegenüber, weil Harrison Ford mehr wie eine farblose Comic-Figur, denn als Charakter erschien. Der einzige Teil, wo das für mich geling, ist der dritte und das dann auch nur durch den Abgleich mit Sean Connery.

  5. funkhundd sagt:

    Hmm, liegt das vielleicht daran, dass du die Reihe schon lang nicht mehr gesehen hast? Habe die vor ca. zwei Jahren quasi am Stück geguckt und da war ich sehr überrascht darüber, wie viel da abseits vom bloßen Effektspektakel passiert. Im dritten ist das am stärksten der Fall, da gebe ich dir Recht. Gerade das Comichafte (= Oberflächliche), das du ansprichst, wird von Spielberg immer wieder unterlaufen. Klar ist Indy kein „echter“ Mensch, aber er verfügt doch über deutlich mehr chgarakterliche Fassetten als ein Quatermain – dessen Darsteller Chamberlain übrigens kläglich scheitert, Fords Leistung zu kopieren. Quatermains Witz bleibt innerhalb des Films bloß Fassade, weil kein Charakter dahintersteht. Aber ich schätze, wir kommen hier nicht zusammen. 🙂 Wie gesagt: Ich fand SOLOMON keineswegs schlecht. Aber du weißt ja selbst, dass das eigene Gutfinden nicht immer der alleinige Maßstab sein kann.

  6. Der Außenseiter sagt:

    Wir sind doch schon zusammen. 🙂 In allem was wir gemeinsam besprechen, machen wir dies zusammen. Und zusammengekommen sind wir doch schon, dass das Spektakel in beiden Filmen relevant ist und die Figur Quatermains dilettantischer ist , als die Indys. Auch das Indy menschlicher sein kann als Quatermain ist klar, nur kam letzterer mir im Gesamtkonzept des Filmes menschlicher vor, da es mit dessen Grunddilettantismus besser harmoniert, während das Spektakel Spielbergs so perfekt ist, dass es eines schauspielerischen Kraftaktes bedarf, da nicht verloren zu gehen. Im Grunde sind wir in allem einig und sprechen nur über unsere verschiedenen Wahrnehmungen und selbst die könnten wir synchronisieren 🙂

    Es sei denn natürlich, Du möchtest Dich gar nicht hier unterhalten. Dann verlasse ich Deinen Kommentarbereich selbstverständlich. 🙂

  7. funkhundd sagt:

    Ach, Quatsch (das mit dem Verlassen)!

    Das Problem, das ich mit SOLOMON habe, ist das an ihm sehr deutlich wird, dass die Serialdramaturgie auf Spielfilmlänge etwas ermüdend wirkt. Spielberg fängt dies dadurch auf, dass er eine den gesamten Film überbrückende Dramaturgie besitzt, die vor allem durch die Figur Indys getragen wird. Thompsons Film könnte man tatsächlich in ihre einzelnen Segmente aufsplitten und im Wochentakt senden, ohne dass etwas verloren ginge. Das meinte ich damit, als ich in meinem Text schrieb, dass er im Grunde genommen noch konsequenter ist als Spielberg. Nur ist diese Konsequenz nicht unbedingt vorteilhaft für einen Film, den man ebenam Stück genießt. Dass wir nicht zusammenkommen bezog sich allein auf die Wertschätzung für die Indy-Filme, die ich regelmäßig abschreibe, nur um dann doch wieder von ihnen eingenommen zu werden. 🙂

  8. Der Außenseiter sagt:

    „Thompsons Film könnte man tatsächlich in ihre einzelnen Segmente aufsplitten und im Wochentakt senden, ohne dass etwas verloren ginge.“

    Ja, das bringt es genau auf den Punkt. In seinem Cliffhangerprinzip permanent ausweglose Situationen zu schaffen fühlte ich mich an die alten Flash-Gordon-25-Minüter erinnert. Thompsons Film vermittelt so gut dieses Gefühl eines unfertigen Kinos aus der Zeit, wo die Bilder laufen lernten. Mir selbst macht das auch gerade klarer, das Spielbergs Versuch diese „25-Minüter“ aus den Fortsetzungskinotagen der 20er, 30er und 40er Jahre in das Eventkino zu transferieren mir gerade deshalb nie zusagen konnte. Eine Sichtung vor zwei Jahren hatte mich darin bestätigt, ohne mir den Sachverhalt schon derart bewusst gemacht zu haben wie gerade eben. Toll! 🙂

  9. funkhundd sagt:

    Na toll, ich bestätige dich, indem ich dich vom Gegenteil überzeugen will … 😀

  10. Der Außenseiter sagt:

    Du schaffst es, mir einen tieferen Einblick in mich selbst zu gewähren. Erst wenn ich den habe, dann kann ich mich auch mehr den Indy-Filmen nähern. 😉

  11. funkhundd sagt:

    :love:

  12. […] der Schwächen des ersten Teils merzte BLACK HOLE-Regisseur Gary Nelson für sein Sequel aus: Sein Film verfügt über eine […]

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