der knochenmann (wolfgang murnberger, österreich 2009)

Veröffentlicht: März 20, 2009 in Film
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knochenmann-gDer dritte Film um den Ex-Polizisten/Detektiv Brenner (Josef Hader) aus Wolf Haas‘ brillanten Romanen ist wieder einmal ein schmerzhafter Beleg dafür, dass selbst ein Filmzwerg wie Österreich dem deutschen Kino in Sachen Originalität, Mut, Witz und Intelligenz meilenweit voraus ist. Basierend auf einem gemeinsam mit Haas verfassten Drehbuch ist es gelungen, den Stoff adäquat umzusetzen, ohne dabei eine langweilige und letztlich sinnlose Eins-zu-eins-Kopie des Buches oder aber ein mit diesem nur noch den Namen teilendes Cash-in zu produzieren. DER KNOCHENMANN geht, was die Handlung betrifft, eigene Wege, teilt mit dem Roman aber die staubig-morbide Stimmung und den lakonischen Humor. Schlüssel zum Erfolg ist sicherlich Haders Interpretation des Brenner, einem Gegenwarts-Marlowe, der dessen verruchten Glamour in die triste Realität überführt und damit einen der sympathischsten und glaubwürdigsten Charaktere des neueren deutschsprachigen Kinos schafft. Gegenüber den Vorgängern, den auch schon famosen KOMM, SÜSSER TOD und SILENTIUM!, zeigt sich die neueste Adaption als noch etwas ambitionierter (abzulesen an der Länge von knapp zwei Stunden) und düsterer. Man liegt tatsächlich nicht so daneben, wenn man Murnberger attestiert, in punkto Atmosphäre und Intensität teilweise gar in die Nähe eines epochalen THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE zu gelangen. Wenn der Hähnchenwirt Löschenkohl (Josef Bierbichler, Hader in nichts nachstehend), von der verzweifelten Liebe zu einer Prostituierten getrieben, keine andere Möglichkeit sieht, als seine Feinde durch den Fleischwolf zu jagen, dann eröffnet sich eine menschliche Dimension hinter seinen Verbrechen, die frösteln macht. DER KNOCHENMANN gelingt somit das, was all den sich an realen Gräueltaten orientierenden Filmen, die letztlich doch nur auf die Sensationsgeilheit ihres Publikums schielen, vollkommen abgeht: Nämlich durch künsterische Arbeit ein Verständnis für die Abgründe des menschlichen Daseins zu ermöglichen. (Ich sage das natürlich vor dem Hintergund, dass in der Berichterstattung über den Fritzl-Fall schon jetzt die Rede von einer möglichen Verfilmung ist.) Wenn man überhaupt etwas Negatives über DER KNOCHENMANN sagen kann, dann dass er sich gegen Ende etwas in der Zusammenführung der einzelnen Subplots verzettelt: Wäre Murnbergers Film vielleicht zehn Minuten kürzer, er wäre perfekt. Aber auch so gilt aber: Anschauen! Und am besten danach in sämtliche sechs Brenner-Romane kaufen.

Kommentare
  1. Glimmstengel sagt:

    Schönes Review. DANKE

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