death note (shusuke kaneko, japan 2006)

Veröffentlicht: April 6, 2009 in Film
Schlagwörter:, , ,

death-note-movie-poster1Dem Jurastudenten Light Yagami (Tatsuya Fujiwara) fällt ein rätselhaftes Notizbuch vor die Füße: Dieses Notizbuch, „Death Note“ genannt, verleiht seinem Besitzer die Kraft des Todes selbst: Wessen Namen der Besitzer auch immer in das Buch schreibt, der stirbt innerhalb von 40 Sekunden an einem Herzschlag. Yagami, vom Gesetz enttäuscht, sieht seine Chance, für Gerechtigkeit zu sorgen. Die folgende Welle von plötzlichen Toden von Schwerverbrechern ruft schließlich die Polizei auf den Plan, die dem Täter mithilfe des jugendlichen Meisterdetektivs L. (Kenichi Matsuyama) auf die Spur kommt. Doch wie bringt er seine Opfer um? 

DEATH NOTE basiert auf einem in Japan hoch erfolgreichen Manga, der mittlerweile auf nahezu allen Entertainment-Sektoren verwertet wurde. Bei Kanekos Film handelt es sich also um ein Produkt japanischer Popkultur, mit Blick auf schnelle Gewinne produziert, weil der Zielgruppe das Geld schnellstmöglich aus der Tasche gezogen werden soll, bevor sie das Interesse verloren hat. Allzu ernst sollte man DEATH NOTE nicht nehmen, das ist die Grundvoraussetzung, um Gefallen an ihm zu finden. Filmisch sauber, aber auch sehr bieder umgesetzt vom GAMERA-Regisseur Kaneko, gibt es hier alle Versatzstücke des Vigilantenkinos, das immerhin um eine nette Idee erweitert wird: Die Tatsache, dass Yagami an seinen Exekutionen gar nicht mehr körperlich teilnehmen muss, erleichtert ihm das Töten immens, lässt ihn schnell jegliches Maß verlieren. Ein netter Einfall, der die Frage nach der „Autorschaft“ von Morden ganz explizit stellt. Mehr als an dieser Frage oder gar einer psychosozialen Studie seines Protagonisten ist Kaneko aber an der fantastisch-mysteriösen Welt der „Death Note“ und dem Duell mit dem genialen Zuckerjunkie L. interessiert. Schade, offenbart doch die Tatsache, dass ein gewissenloser Mörder wie Yagami in Japan zur Identifikationsfigur der Teenager avancieren kann, allemal ausreichend Potenzial für eine finstere Gesellschaftsstudie. Diese bleibt zugunsten des nackten Entertainments leider ungenutzt. Zum Glück hat DEATH NOTE den Charakter des L. aufzubieten, der als absoluter Gewinn für die Mainstream-Filmwelt bezeichnet werden darf – weshalb er im vergangenen Jahr auch ein Spin-off namens L. CHANGE THE WORLD spendiert bekommen hat, über das ich hier schon geschrieben habe. Der Mythos um das Notizbuch, dem der Film seine Twists und Turns in erster Linie zu verdanken hat, ist dann aber der Knackpunkt des Films: So viele Möglichkeiten es bereithält – dass der Besitzer Tode mittels eines entsprechenden Eintrags minutiös vorausplanen kann, verleiht ihm nahezu gottähnliche Kraft -, so sehr muss es einem Zuschauer, der sich nicht blindlings gefangen nehmen lässt, als strukturalistischer Krückstock erscheinen, der es den Drehbuchautoren ermöglicht, sich aus jedem Plothole und jedem Logikloch herauszuschreiben. Die Finaltwists, so sauber sie auch arrangiert sind, sind letztlich nur halb so raffiniert, wie sie zunächst erscheinen: In einer Welt, deren Gesetze man nach Belieben umschreiben kann, ist die Überwindung der Schwerkraft ein Leichtes. Dennoch: Gegenüber vergleichbarer Ware, ob sie nun aus den USA, Europa oder Asien kommt, schneidet DEATH NOTE ordentlich ab, weil er sich selbst ernst nimmt und sich nicht ausschließlich auf Vordergründiges verlässt, weil er sein handy-, klingelton- und konsolengeschädigtes Publikum fordert, anstatt ihm nur die Brocken vor die Füße zu werfen. Hätte man das Drehbuch hier und da etwas gerafft, DEATH NOTE hätte gar richtig gutes Genrekino sein können. So reicht es nur zur Mittelklasse, aber das ist ja schon mehr als man von anderen Filmen – inklusive des Sequels – sagen kann. Dazu später mehr.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.