les enfants terribles (jean-pierre melville, frankreich 1950)

Veröffentlicht: April 13, 2009 in Film
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urlDie Geschwister Paul (Edouard Dermithe) und Elisabeth (Nicole Stéphane) stehen in einer ungesunden Beziehung zueinander: Auf der Schwelle zum Erwachsensein gelingt es beiden nicht, sich voneinander zu lösen, ihre Kindheit hinter sich zu lassen. Diese Probleme werden durch den plötzlichen Tod der schwerkranken Mutter, der die Beiden ohne Erziehungsperson zurücklässt, noch verstärkt. Und als Paul sich dann auch noch in Agathe (Renée Cosima) verliebt, auf die auch der beste und einzige Freund Gerard (Jacques Bernard), ein AUge geworfen hat, naht die Katastrophe …

Francois Truffaut hat Melvilles Verfilmung eines Romans von Jean Cocteau einmal als „Melvilles größten Film“ bezeichnet, was durchaus einige Fragen aufwirft. LES ENFANTS TERRIBLES war erst Melvilles dritter Film, entstand unter tatkräftiger Mitarbeit des Autors selbst und lässt vor allem inhaltlich nur wenig von dem durchschimmern, was sich später als Melville-typisch herauskristallierisieren sollte. Um die Produktion des Filmes, die Rollenverteilung am Set – hier der zwar respektierte, aber doch auch noch junge Filmemacher, dort der eigenwillige und bereits arrivierte Poet, der nicht nur Vorlage, sondern auch das Drehbuch und seine Stimme zum Film beisteuerte und stets anwesend war– ranken sich Spekulationen, die auch das auf der Criterion-DVD enthaltene Featurette nicht gänzlich zu klären in der Lage ist. Melville erkennt man in der kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotografie, in der kühlen, beinahe surrealen Atmosphäre und der Unausweichlichkeit, mit der sich das Schicksal der Protagonisten entfaltet. Doch über diese Merkmale legt sich der expressive Stil Cocteaus wie ein Schleier: Es sind vor allem seine Voice-overs, Zitate aus seinem Buch, vorgetragen wie auf einer Lesung, mit dem vollen Bewusstsein der Schwere der Worte, die mir bei dieser Sichtung gewaltig im Weg standen und den Zugang erschwerten. LES ENFANTS TERRIBLES ist sicherlich ein wunderschön anzusehender, poetischer Film, aber er ist nicht gerade gut gealtert. Viele seiner Stilmittel wirken heute beinahe unfreiwillig komisch und forciert, der Film scheint die Klischees, die einem einfallen, wenn man an „Kunstkino“ denkt, lückenlos zu erfüllen. Seine Theatralik und Bedeutungsschwere ließen mich nur schwer Zugang finden. Doch einige dieser Schwierigkeiten sind tatsächlich reinen Oberflächenmerkmalen zuzuschreiben: Dass Edouard Dermithe deutlich älter als seine Figur ist, steht dem Gelingen von LES ENFANTS TERRIBLES nicht gerade wenig im Weg. Pauls weinerliches Gehabe – der Film beginnt damit, dass er wegen eines auf seine Brust geworfenen Schneeballs zusammenbricht – wirkt umso weniger nachvollziehbar, als sein Darsteller ein ausgesprochen gut gewachsener junger Mann ist, dem man die ihm von Cocteau zugedachte Blutarmut und Schwäche einfach nie richtig abnimmt. Schwierig.

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