ace in the hole (billy wilder, usa 1951)

Veröffentlicht: April 21, 2009 in Film
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aceinthehole1Der Zeitungsreporter Charles Tatum (Kirk Douglas) ist nach Engagements bei großen Tageszeitungen aufgrund von Alkoholismus und Disziplinlosigkeit in der Provinz gelandet. Beim „Albuquerque Sun Bulletin“ findet er eine neue Anstellung und hofft auf den großen Coup, um sich wieder für größere Aufgaben zu empfehlen. Diese Chance eröffnet sich durch bloßen Zufall, als Charles in einer Höhle den verschütteten Leo (Richard Benedict)  findet. Schnell bläst er das Unglück zu einem großen Medienspektakel auf, für dessen Gelingen er auch Charles zu opfern bereit ist …

Billy Wilder ist vor allem für seine (btw auch nicht gerade ein freundliches Menschenbild zeichnenden) Komödien bekannt, doch in ACE IN THE HOLE (zu deutsch wenig subtil REPORTER DES SATANS), seinem zehnten Spielfilm, gönnt er dem Zuschauer nicht einmal das sprichwörtliche im Hals stecken bleibende Lachen. Kirk Douglas, der seinen nur auf den eigenen Vorteil bedachten Sensationsreporter mit der Intensität eines ausgehungerten Bluthundes spielt, gibt die Marschroute vor: Wilders Film ist eine Tour de Force, die den Zuschauer mit der Schlechtigkeit und Dummheit des Menschen und der Perfidität der (amerikanischen) Presse konfrontiert und dabei keine Schonung kennt. Die Rücksichtslosigkeit Tatums wird durch die absolute körperliche Immobilität seines Opfers ins Unermessliche gesteigert, das in sein Erdloch eingeschlossen langsam in den Wahnsinn abdriftet, während an der Erdoberfläche in aller Seelenruhe die Fäden spinnt, die ihm den Wiedereinstieg ins ganz große Zeitungsgeschäft sichern sollen. Es ist erstaunlich, wie aktuell ACE IN THE HOLE immer noch ist. Die Karawanen von Schaulustigen, die um die Unglücksstelle campieren, die einfältigen Liedchen, die flugs um die Ereignisse gedichtet werden, die Reporter, die sich immer dort niederlassen, wo es am schlimmsten nach Scheiße riecht und Interesse an am Menschen heucheln, aber doch nur an die Story und den Verkauf denken: Das hat sich in den fast 60 Jahren, die seit Erscheinen des Films verstrichen sind, höchstens oberflächlich verändert. Tatum ist einer der Vorkämpfer dieser Entwicklung und für das alte journalistische Ideal „Tell the Truth“, das als altmodisch gesticktes Motto in den Redaktionsräumen des Sun Bulletin hängt, hat er nur ein herablassendes Lachen übrig: So kommt man vielleicht in den Himmel, verkauft aber garantiert keine Zeitungen. ACE IN THE HOLE geht über die reine Kritik am Medienzirkus weit hinaus, ist auch als Kritik am Kapitalismus zu verstehen und als Film über menschliche Hybris generell: Im Reporter Tatum, der sich nicht damit begnügt, zu berichten, sondern vielmehr seine eigene Realität schafft, äußert sich auch der vermessene Wunsch, selbst ein bisschen Gott zu spielen.

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