insomnia (erik skjoldbjærg, norwegen 1996)

Veröffentlicht: April 23, 2009 in Film
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dv7pf8ceyrciae_l1Als im verschlafenen norwegischen Tromsø, einem am Polarkreis gelegenen Städtchen, die Leiche eines Schulmädchens gefunden wird, erhofft man sich bei der örtlichen Polizei Hilfe vom erfahrenen schwedischen Ermittler Jonas Engström (Stellan Skarsgård). Doch hinter dessen kühler und beherrschter Fassade brodelt es gewaltig: Seit er im „intimen Gespräch“ mit einer Zeugin erwischt wurde, hat nicht nur sein Ruf gelitten, er selbst ist von tiefer Scham und nagenden Schuldgefühlen erfüllt. Dann passiert das Unglück: Von der Mitternachtssonne und der durch sie verursachten Schlaflosigkeit sowie dem dichten Nebel über der Küstenreigion desorientiert erschießt Engström bei der Jagd auf den Mörder seinen Partner Erik Vik (Sverre Anker Ousdal). Doch anstatt seinen Fehler einzugestehen, schiebt er den Mord dem Flüchtigen in die Schuhe und verwischt die eigenen Spuren. Das Problem: Der Mörder hat gesehen, wie Engström den tödlichen Schuss abfeuerte …

Mehr als ein Krimi ist INSOMNIA ein Psychogramm: Es zeichnet das Bild eines Menschen, der sich mit einem moralischen Makel behaftet und daher vor anderen Menschen förmlich entblößt, von ihnen durchleuchtet fühlt. Engström glaubt, seine innere Zerrissenheit sei ihm auch äußerlich anzusehen. Es ist jedoch vor allem dieser Glaube, mehr als seine tatsächlichen Handlungen, der ihn immer tiefer ins Abseits und sein Schamgefühl ins Unermessliche treibt. Je mehr er sein Wesen vor den anderen zu verbergen sucht, umso größer wird die Kluft, die ihn von der Normalität trennt: ein Teufelskreis, aus dem es für ihn kein Entrinnen gibt. Engströms zerrüttete Psyche spiegelt auch der in fahles Licht getauchte Schauplatz wider, der von Kameramann Erling Thurmann-Andersen in kontrastreichen, traumhaften und auf seltsame Art und Weise irrealen Bildern eingefangen wird: Im Land der Mitternachtssonne gibt es keine Geheimnisse, alles liegt offen, für jedermann sichtbar. Es ist dieses geheimnisvolle, mystische Licht, das zum Zentrum von Skjoldbjærgs Film wird, das ganze Dilemma seiner Hauptfigur, die Komplexität seiner Geschichte in sich bündelt. Denn das Licht selbst ist ambivalent: Zwar bringt es Verborgenes in den Blick, andererseits ist es selbst trügerisch, weil es die Grenze zwischen Tag und Nacht vollkommen verwischt. Und diese trügerische Qualität überträgt sich auch auf den Zuschauer, denn INSOMNIA ist ein rätselhafter Film, gerade weil er zunächst gar kein Geheimnis zu haben scheint. Es ist erst seine Klarheit, die ihn so faszinierend macht, und die für einen Debütfilm alles andere als selbstverständlich ist. Aber wenn man von dieser Klarheit in den Film gezogen wird, stellt man bald fest, welche Abgründe er in Wahrheit bereithält: Ich habe INSOMNIA innerhalb von einer Woche zweimal gesehen. Genug habe ich noch nicht von ihm.

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