hopscotch (ronald neame, usa 1980)

Veröffentlicht: April 29, 2009 in Film
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hopscotchbMiles Kendig (Walter Matthau) ist ein alter Hase im Spionagegeschäft und versieht seinen Beruf mit der Ruhe und Souveränität eines Mannes, den nichts mehr überraschen kann. Als er seinen russischen Kontrahenten Yaskov (Herbert Lom), den Spitzenmann des KGB, ziehen lässt, anstatt ihn zu liquidieren, bekommt er den Zorn seines Vorgesetzten Myerson (Ned Beatty), einem selbstverliebten Bürokraten, zu spüren: Kendig wird aus dem Außendienst abgezogen und zu einem Schreibtischjob degradiert. Kendig steigt sofort aus. Doch schon bald langweilt ihn der Ruhestand und so plant er seine Rache: In regelmäßigen Abständen lässt er den Geheimdiensten der Welt Auszüge aus seinen im Entstehen begriffenen Memoiren zukommen und verursacht damit verständlicherweise eine riesige Unruhe. Die Jagd auf Kendig beginnt …

HOPSCOTCH ist ein Glücksfall, ein Film, der gerade deshalb so eminent großartig ist, weil keiner der daran Beteiligten irgendwelche überkandidelten Visionen hatte und lediglich darauf bedacht war, einen guten Film zu machen. Romanautor Brian Garfield wollte nach vielen für ihn enttäuschend verlaufenen Verfilmungen (u. a. DEATH WISH) endlich einmal einen seiner Romane selbst für den Film adaptieren, Ronald Neame sagte eigentlich nur zu, weil man ihm in Aussicht stellte, mit Matthau zusammenzuarbeiten, und Matthau selbst hatte wohl einfach gerade nichts Besseres zu tun. Das Ergebnis ist ein wunderbar entspannter Film, der von seinem fintenreichen Drehbuch, den vor Witz und Hintergründigkeit nur so sprühenden Dialogen und der Spielfreude aller Akteure lebt. Vor allem Matthau, dem HOPSCOTCH eine ausladende Bühne bietet – Neame selbst erzählt, HOPSCOTCH sei ganz um seinen Star herumgebaut –, brilliert und schon seine Szenen mit Glenda Jackson sind das symbolische Eintrittsgeld wert. Aber den Star allein hervorzuheben ist eigentlich ungerecht, denn HOPSCOTCH ist nahezu der Inbegriff eines „runden“ Films. Garfields Drehbuch hält Suspense und Komik beständig auf einem gleichmäßig hohen Niveau und die stilvoll-leise Inszenierung Neames stellt sich ganz in den Dienst der Sache. HOPSCOTCH braucht kein Spektakel, keine lauten Gags, keinen wahnwitzigen Plottwist – wer aber daraus schließt, er plätschere gemütlich und ohne herausragenden Szenen vor sich hin, der irrt gewaltig, denn eigentlich ist jede Szene für sich genommen ein Highlight. Beispiele? Der erste Dialog zwischen Kendig und seiner Geliebten Isobel, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, in dem ihre Beziehung kein einziges Mal erwähnt wird und beide stattdessen ausschließlich über Wein sprechen, ist ein Musterbeispiel für Subtilität und Doppeldeutigkeit und die Szene, in der Myerson der Demolierung seines Ferienhauses beiwohnt, ist schlicht zum Brüllen. Überhaupt Beatty: Der gibt das kleingeistige Arschloch mit Verve und erbringt erneut den Beweis, dass er als Filmschurke eminent unterschätzt, wenn nicht gar komplett vergessen wird (man denke auch an WHITE LIGHTNING oder NETWORK). Ich möchte HOPSCOTCH jedem Freund klassischer Erzähl- und Filmkunst wärmstens ans Herz legen. Es ist nicht ganz leicht, ein Loblied auf ihn zu singen, weil er weder gesellschaftliche Relevanz vorgaukelt noch allzu große Gefühslwallungen evoziert. Dass er dennoch vollkommen gefangen nimmt, wiegt deshalb umso schwerer.

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