Archiv für April, 2009

da4f21d00b1992e0b25f463b722dcc6aFrankreich während des Zweiten Weltkriegs: Die junge Barny (Emmanuelle Riva), alleinerziehende Mutter, lebt in einem von den Italienern besetzten Dorf, aus dem fast alle Männer verschwunden sind. Eines Tages zieht es sie in die verhasste Kirche,wo sie einen Priester mit ihren kritischen Fragen konfrontieren will. Doch dem Priester, Léon Morin (Jean-Paul Belmondo), gelingt es vielmehr, den Spieß umzudrehen und Barny mit ihren eigenen Schwächen zu konfrontieren. Es entwickelt sich eine komplizierte platonische Beziehung …

LÈON MORIN, PRÊTRE gilt als erster großer Film Melvilles: Carlo Ponti fungierte als Produzent, mit Bebel und Emmanuelle Riva konnten zwei Stars gewonnen werden, die eng mit der Nouvelle Vague verknüpft waren. Auf den ersten Blick mag MORIN aus Melvilles Schaffen etwas herausstechen – es ist sein einziger Film mit einer weiblichen Hauptfigur –, auf den zweiten jedoch relativiert sich diese Ansicht: Wie in seinem Debüt LA SILENCE DE LA MER beschäftigt sich Melville mit der Zeit der Besatzung, der er 1969 in L’ARMÈE DES OMBES nocheinmal widmen sollte. Und wie in seinen Gangsterfilmen geht es auch hier um eine Freundschaft unter widrigen Umständen, um moralische Kodizes, die sich nicht aufbrechen lassen. Morin, der jedem Zweifel mit seinem unbedingten Glauben an Gott begegnet, beeindruckt Eva tief und verleiht ihr einen Halt, den das Leben in Kriegszeiten ihr nicht zu geben vermag. In einer Welt ohne Männer, in der Evas körperliches Begehren unbefriedigt bleiben muss, sofern es sich nicht auf das eigene Geschlecht richtet – Eva entwickelt eine Faszination für eine Arbeitskollegin –, wird Léon Morin trotz aller Widerstände  zu Evas Traummann. Die Frau, die sich in einen Gottesmann verliebt: Das ist ein Topos, das vor allem das Melodram und der Liebesfilm für sich annektiert haben. Doch bei Melville ist es von jeglicher Sentimentalität und falscher Romantik befreit. Die Konflikte werden in Dialogen und kurzen, prägnanten Gesten ausgetragen – einmal etwa streift Morin das Gesicht Evas während einer Predigt mit seinem Priestergewand. Von Beginn an kann es keinen Zweifel geben, dass Eva und Morin niemals mehr als Freunde sein können, auch wenn sie sich noch so nah kommen: Ihre Welten bleiben getrennt und auch das sie verbindende Element – nagende existenzielle Fragen, der Wunsch nach transzendentaler Verbundenheit – kann sie nicht vereinen. LÈON MORIN, PRÊTRE ist – das ist typisch für Melville – kein Film der großen Momente: Er entfaltet sich gemächlich und gleichmäßig, läuft sehr zielstrebig auf sein Ende zu, das letztlich nur bestätigt, was eigentlich die ganze Zeit klar war. So tritt eher das „Wie“ ins Zentrum seines Films als das „Was“: MORIN splittet sich in viele kleine Episoden, die die Schwierigkeiten des Lebens einer jungen Frau in Kriegszeiten beleuchten, das Absurde der Situation hervorkehren und vor allem durch ihren leisen Humor Melvilles Verwurzelung im Existenzialismus illustrieren: Der Krieg bleibt unsichtbar, nur manchmal wird Eva nachts vom Gefechtsfeuer geweckt, die Besatzer sind Touristen, mit denen man sich arrangiert hat. Und als der Feind dann endlich vertrieben ist, benehmen sich die amerikanischen Retter alles andere als heldenhaft. Sicherheit gibt es nicht, nur Vetrauen und Hoffnung. Und die bleibt auch, wenn Léon Morjn weiterzieht.

the return of the dvd-regal

Veröffentlicht: April 15, 2009 in Film

Meine letzten DVD-Käufe (es waren gar nicht so viele) habe ich hier aus Bocklosigkeit verschwiegen, aber das Päckchen, das ich heute aus dem Briefkasten gezogen habe, ist es wert, gebührend zelebriert zu werden. Wer sich aufgrund der abundance of Criterions fragt, ob ich Geld zu viel habe: Nein. Aber DVD Pacific verramscht!

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halloween (rob zombie, usa 2007)

Veröffentlicht: April 14, 2009 in Film
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Zweitsichtung. Rob Zombies HALLOWEEN ist immer noch ein exzellentes Remake von John Carpenters Klassiker und wäre es bei seinem Start vor rund anderthalb Jahren nicht beinahe einhellig verrissen worden, so würde ich heute behaupten, dass Remakes einen deutlich besseren Ruf gebössen als sie es tatsächlich tun, sähen sie alle so aus wie dieses: Zombies HALLOWEEN ist über weite Strecken das Re-Imagining, das Burtons PLANET OF THE APES gern gewesen wäre, er macht vor, dass ein Remake weit mehr sein kann als eine reine Sanierungsaufgabe, bei der man sich damit begnügt, Details zu verändern, zu erneuern, der Zeit anzupassen. So erzählt HALLOWEEN im Jahr 2007 nicht mehr nur die Geschichte um den maskierten Mörder Michael Myers, sondern vor allem von unserem Verhältnis zu diesem und dem ihn umgebenden Film. Zombie betreibt eher Mythosforschung statt zu mythologisieren und interessanter als das, was er erzählt, ist zu beobachten, wie er sich zu seiner Quelle verhält. Wenn Dr. Loomis hier versucht, Michaels Taten zu verstehen, dann treibt ihn genau das an, was auch die Zuschauer und Verehrer des ersten Teils immer wieder zu Carpenters Film zurücktrieb. Doch die Frage, wer hinter der Maske steckte, musste bei Carpenter zurückstehen, weil ihn eher interessierte, wie das Böse ins filmische Bild kommt. Dass nun Zombie diese Frage stellt, ohne sie jedoch beantworten zu können, ist ihm keinesfalls als Versagen anzukreiden, sondern als Respekt vor dem Original. HALLOWEEN 2007 verhält sich zu Carpenters Film wie die Sekundärliteratur zum Primärtext: Sie ermöglicht neue Blickwinkel auf die Quelle, kann diese aber nicht ersetzen. Zombies HALLOWEEN ist fast zwangsläufig ein Film des Scheiterns: So wie Loomis erkennen muss, dass die Erklärungsmodelle seiner Wissenschaft gegenüber diesem Jungen versagen, so wendet sich Zombie zur Mitte des Films von seinem Projekt ab und der Hommage zu. Dass HALLOWEEN krass in zwei Hälften zerfällt, ist fast überall kritisiert und nur selten verstanden worden. Dabei sagt die Zäsur, die Zombies Film spaltet, mehr über Michael, Loomis, Carpenters Original und uns aus, als all das, was man zum Kitten derselben hätte verwenden können.

Hier findet sich meine offizielle Rezension von 2007.

urlDie Geschwister Paul (Edouard Dermithe) und Elisabeth (Nicole Stéphane) stehen in einer ungesunden Beziehung zueinander: Auf der Schwelle zum Erwachsensein gelingt es beiden nicht, sich voneinander zu lösen, ihre Kindheit hinter sich zu lassen. Diese Probleme werden durch den plötzlichen Tod der schwerkranken Mutter, der die Beiden ohne Erziehungsperson zurücklässt, noch verstärkt. Und als Paul sich dann auch noch in Agathe (Renée Cosima) verliebt, auf die auch der beste und einzige Freund Gerard (Jacques Bernard), ein AUge geworfen hat, naht die Katastrophe …

Francois Truffaut hat Melvilles Verfilmung eines Romans von Jean Cocteau einmal als „Melvilles größten Film“ bezeichnet, was durchaus einige Fragen aufwirft. LES ENFANTS TERRIBLES war erst Melvilles dritter Film, entstand unter tatkräftiger Mitarbeit des Autors selbst und lässt vor allem inhaltlich nur wenig von dem durchschimmern, was sich später als Melville-typisch herauskristallierisieren sollte. Um die Produktion des Filmes, die Rollenverteilung am Set – hier der zwar respektierte, aber doch auch noch junge Filmemacher, dort der eigenwillige und bereits arrivierte Poet, der nicht nur Vorlage, sondern auch das Drehbuch und seine Stimme zum Film beisteuerte und stets anwesend war– ranken sich Spekulationen, die auch das auf der Criterion-DVD enthaltene Featurette nicht gänzlich zu klären in der Lage ist. Melville erkennt man in der kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotografie, in der kühlen, beinahe surrealen Atmosphäre und der Unausweichlichkeit, mit der sich das Schicksal der Protagonisten entfaltet. Doch über diese Merkmale legt sich der expressive Stil Cocteaus wie ein Schleier: Es sind vor allem seine Voice-overs, Zitate aus seinem Buch, vorgetragen wie auf einer Lesung, mit dem vollen Bewusstsein der Schwere der Worte, die mir bei dieser Sichtung gewaltig im Weg standen und den Zugang erschwerten. LES ENFANTS TERRIBLES ist sicherlich ein wunderschön anzusehender, poetischer Film, aber er ist nicht gerade gut gealtert. Viele seiner Stilmittel wirken heute beinahe unfreiwillig komisch und forciert, der Film scheint die Klischees, die einem einfallen, wenn man an „Kunstkino“ denkt, lückenlos zu erfüllen. Seine Theatralik und Bedeutungsschwere ließen mich nur schwer Zugang finden. Doch einige dieser Schwierigkeiten sind tatsächlich reinen Oberflächenmerkmalen zuzuschreiben: Dass Edouard Dermithe deutlich älter als seine Figur ist, steht dem Gelingen von LES ENFANTS TERRIBLES nicht gerade wenig im Weg. Pauls weinerliches Gehabe – der Film beginnt damit, dass er wegen eines auf seine Brust geworfenen Schneeballs zusammenbricht – wirkt umso weniger nachvollziehbar, als sein Darsteller ein ausgesprochen gut gewachsener junger Mann ist, dem man die ihm von Cocteau zugedachte Blutarmut und Schwäche einfach nie richtig abnimmt. Schwierig.

41j43qley-l_ss400_3Die Beatles geraten in Lebensgefahr, als sie zur Zielscheibe einer indischen Sekte werden, die ausgerechnet jenen Ring für eine Opferzeremonie braucht, den Ringo am Finger trägt. Durch Glück, das Ungeschick der Sektenmitglieder, jugendliche Agilität und das nötige Maß an Frech- und Unverdrossenheit gelingt es den Popikonen jedoch immer wieder, ihre Köpfe aus der Schlinge zu ziehen. Die wilde Jagd führt in die Alpen und auf die Bahamas …

Darf man Richard Lester als einen der großen Vergessenen der jüngeren Filmgeschichte bezeichnen? Vom Stil, der Experimentierfreude, der formalen Gestaltung – Einsatz von Handkamera, Verwendung von Popmusik, hohe Schnittfrequenz, Farbdramaturgie – und der Selbstreferenzialität, die etwa seine beiden Beatles-Filme auszeichnen, zehren heute noch Filmemacher, die als Vertreter einer Postmoderne gelten, die doch eigentlich schon eine Postpostmoderne ist. Scorsese, der einen Text zum Booklet der DVD beigesteuert hat, dürfte etwa bei Lester viel gelernt haben, was die Verbindung von Bild und Ton betrifft, der visuell expressive Stil und der musikalische Schnitt von HELP! machten in den Sechzigerjahren schon vor, wie Popmusik auszusehen hat – und wie sie dann zwanzig Jahre später tatsächlich aussah: die Montagesequenzen des Achtzigerkinos wären ohne Lester ebenso wenig denkbar wie Videoclips. Auch die zweifelhaften Errungenschaften der so genannten intensified continuity sind letzten Endes nur eine Verlängerung dessen, was Lester vor vierzig Jahren mitinitiierte. Natürlich profitierte er auch von seinen Protagonisten: Die Beatles waren ebenfalls „Erneuerer“, ohne die die Popmusik sich heute anders anhörte und ansähe. Aber zu ihrem Verständnis, dass zur Popmusik auch eine visuelle Seite, ein Bild und Image, aber auch ein Charakter gehören, das sie letztlich zum Phänomen machte, dürfte Lester entscheidend beigetragen haben.

Oder auch nur: Toll!

deathnotethelastnameTeil 1 endete, wenn schon nicht mit einem „echten“ Ende, so doch zumindest mit einer viel versprechenden Prämisse für Teil 2: Light Yagami hatte seine Intelligenz und die Möglichkeiten, die ihm das Notizbuch „Death Note“ bot, so geschickt eingesetzt, dass L. nichts anderes übrig blieb, seine zumindest temporäre Niederlage anzuerkennen – trotz der Überzeugung, in Yagami den gesuchten Massenmörder vor sich zu haben. Um den battle of intellects der beiden auf die Spitze zu treiben, bietet Yagami L. nun seine Hilfe bei der Suche nach dem Mörder an – und der nimmt an, wissend, dass Yagami wiederum alles tun wird, die eigenen Spuren zu verwischen …

Diese Prämisse und das Misslingen, sie adäquat umzusetzen, demonstrieren recht eindrücklich, was ich beim ersten Teil schon zu bekritteln hatte: Was in DEATH NOTE clever erscheint, ist letztlich nur halb so schlau. Weil das „Death Note“ und das es umgebende Regelwerk beliebig ausbaubar sind, seine Regeln unter anderem den Eingriff in die Chronologie ermöglichen, war es für die Macher relativ leicht, den Zuschauer in die Irre zu führen. Ganze Handlungsstränge konnten nachträglich als aus der Vergangenheit heraus motiviert erklärt werden; ein Taschenspielertrick letztlich, aber er ließ immerhin eine recht spannende strukturalistische Sichtweise zu. Dass die Drehbuchautoren nun aber da, wo wirkliche Cleverness gefragt wäre, versagen und nicht mehr als die Standardlösungen derSequeldramaturgie, namentlich „Wiederholung“, „Übertreibung“ und „Verdopplung“ aufzubieten wissen, belegt meine These. Die formidable Prämisse, deren virtuelle Potenz allein den Vorgänger aufzuwerten in der Lage war, löst sich im Sequel binnen Minuten in Luft auf. Weil der Zweikampf zwischen L. und Light kein solcher sein kann, solange Light inaktiv bleibt – und warum sollte er aktiv werden, wenn er sich doch beobachtet weiß -, hätte es hier einer gehörigen Portion Kreativität und Erfindungsreichtum oder aber zumindest einer glaubwürdigen psychlogischen Ausarbeitung der Hauptfiguren bedurft. Weil beides nicht vorhanden war, wird nun wie aus dem Nichts ein zweites Notizbuch und ein zweiter Vigilant eingeführt. Kanekos Film kreist über zwei Stunden lang um nichts anderes als sich selbst und nervt mit seinen ellenlang ausgewalzten Dialogszenen, die nur dazu da zu sein scheinen, um die Auflösung möglichst lange herauszuzögern und somit künstlich aufzuwerten. Letzten Endes geht der Schuss nach hinten los, denn die Auflösung ist eine maßlose Enttäuschung: DEATH NOTE hatte noch nicht einmal ein richtiges Ende, doch selbst dieses schlug den Antiklimax von Teil 2 um Längen. Schade, denn nach dem ordentlichen ersten Teil hatte ich hier etwas mehr erwartet.

death note (shusuke kaneko, japan 2006)

Veröffentlicht: April 6, 2009 in Film
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death-note-movie-poster1Dem Jurastudenten Light Yagami (Tatsuya Fujiwara) fällt ein rätselhaftes Notizbuch vor die Füße: Dieses Notizbuch, „Death Note“ genannt, verleiht seinem Besitzer die Kraft des Todes selbst: Wessen Namen der Besitzer auch immer in das Buch schreibt, der stirbt innerhalb von 40 Sekunden an einem Herzschlag. Yagami, vom Gesetz enttäuscht, sieht seine Chance, für Gerechtigkeit zu sorgen. Die folgende Welle von plötzlichen Toden von Schwerverbrechern ruft schließlich die Polizei auf den Plan, die dem Täter mithilfe des jugendlichen Meisterdetektivs L. (Kenichi Matsuyama) auf die Spur kommt. Doch wie bringt er seine Opfer um? 

DEATH NOTE basiert auf einem in Japan hoch erfolgreichen Manga, der mittlerweile auf nahezu allen Entertainment-Sektoren verwertet wurde. Bei Kanekos Film handelt es sich also um ein Produkt japanischer Popkultur, mit Blick auf schnelle Gewinne produziert, weil der Zielgruppe das Geld schnellstmöglich aus der Tasche gezogen werden soll, bevor sie das Interesse verloren hat. Allzu ernst sollte man DEATH NOTE nicht nehmen, das ist die Grundvoraussetzung, um Gefallen an ihm zu finden. Filmisch sauber, aber auch sehr bieder umgesetzt vom GAMERA-Regisseur Kaneko, gibt es hier alle Versatzstücke des Vigilantenkinos, das immerhin um eine nette Idee erweitert wird: Die Tatsache, dass Yagami an seinen Exekutionen gar nicht mehr körperlich teilnehmen muss, erleichtert ihm das Töten immens, lässt ihn schnell jegliches Maß verlieren. Ein netter Einfall, der die Frage nach der „Autorschaft“ von Morden ganz explizit stellt. Mehr als an dieser Frage oder gar einer psychosozialen Studie seines Protagonisten ist Kaneko aber an der fantastisch-mysteriösen Welt der „Death Note“ und dem Duell mit dem genialen Zuckerjunkie L. interessiert. Schade, offenbart doch die Tatsache, dass ein gewissenloser Mörder wie Yagami in Japan zur Identifikationsfigur der Teenager avancieren kann, allemal ausreichend Potenzial für eine finstere Gesellschaftsstudie. Diese bleibt zugunsten des nackten Entertainments leider ungenutzt. Zum Glück hat DEATH NOTE den Charakter des L. aufzubieten, der als absoluter Gewinn für die Mainstream-Filmwelt bezeichnet werden darf – weshalb er im vergangenen Jahr auch ein Spin-off namens L. CHANGE THE WORLD spendiert bekommen hat, über das ich hier schon geschrieben habe. Der Mythos um das Notizbuch, dem der Film seine Twists und Turns in erster Linie zu verdanken hat, ist dann aber der Knackpunkt des Films: So viele Möglichkeiten es bereithält – dass der Besitzer Tode mittels eines entsprechenden Eintrags minutiös vorausplanen kann, verleiht ihm nahezu gottähnliche Kraft -, so sehr muss es einem Zuschauer, der sich nicht blindlings gefangen nehmen lässt, als strukturalistischer Krückstock erscheinen, der es den Drehbuchautoren ermöglicht, sich aus jedem Plothole und jedem Logikloch herauszuschreiben. Die Finaltwists, so sauber sie auch arrangiert sind, sind letztlich nur halb so raffiniert, wie sie zunächst erscheinen: In einer Welt, deren Gesetze man nach Belieben umschreiben kann, ist die Überwindung der Schwerkraft ein Leichtes. Dennoch: Gegenüber vergleichbarer Ware, ob sie nun aus den USA, Europa oder Asien kommt, schneidet DEATH NOTE ordentlich ab, weil er sich selbst ernst nimmt und sich nicht ausschließlich auf Vordergründiges verlässt, weil er sein handy-, klingelton- und konsolengeschädigtes Publikum fordert, anstatt ihm nur die Brocken vor die Füße zu werfen. Hätte man das Drehbuch hier und da etwas gerafft, DEATH NOTE hätte gar richtig gutes Genrekino sein können. So reicht es nur zur Mittelklasse, aber das ist ja schon mehr als man von anderen Filmen – inklusive des Sequels – sagen kann. Dazu später mehr.