the ruins (carter smith, australien/usa 2008)

Veröffentlicht: Mai 11, 2009 in Film
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ruins-poster-2[1]Als ich THE RUINS in meinen Player schob, erhoffte ich mir nicht viel mehr einen kurzweiligen Pocorn-Horrorfilm, also eigentlich genau das, was man bei solch nominell unambitionierter Genreware maximal erwartet und was ein Film wie GHOST SHIP dennoch um mehrere Kreuzfahrtschifflängen zu verpassen schafft.  THE RUINS legt dann auch entsprechend schematisch los, präsentiert die üblichen Twens, die im Mexikourlaub tun, was sie zu Hause nicht tun dürfen und dabei einem zwielichtigen Deutschen begegnen, der ihnen am letzten Tag vor der Abreise endlich etwas Kultur vermitteln soll.  Auf geht’s zur titelgebenden und vom Tourismus bislang unentdeckten Ruine. Schon auf dem Weg häufen sich die Warnsignale, die natürlich allesamt missachtet werden, sich aber dann schon kurz nach dem Erreichen des Ziels konkretisieren. „Been there, seen that“, möchte man meinen. Doch obacht: THE RUINS verlässt die ausgetretenen Pfade des Zehn-kleine-Negerlein-Horrors, wenn er zum Hauptteil kommt.

THE RUINS ist von der Fanboy-Gemeinde, für die solche Filme in erster Linie gedreht werden, nur mäßig aufgenommen worden. Das verwundert kaum: THE RUINS geht fast aufreizend lässig mit seinem Potenzial um, gönnt sich den Luxus, sein „Monster“ sehr ökonomisch einzusetzen, anstatt die Überwältigungsmasche anzuwerfen, und nicht jede Zuschauererwartungen zu befriedigen oder gar zu übertreffen. THE RUINS bezieht seine Spannung und seinen Reiz tatsächlich weder vordergründig aus seinem Monster oder seinen Effekten noch aus dem Grad der zur Schau gestellten Grausamkeiten, vielmehr bemüht sich Smith erfolgreich, klassische Suspense zu erzeugen und seinen Zuschauern zu suggerieren, dass da auch noch eine Geschichte hinter den Bildern ist. Was mich an THE RUINS mehr als bei anderen vergleichbaren Filmen über seine Spielzeit hinaus beschäftigt hat, war all das, was Smith nicht zeigt, was er nicht erzählt, sondern bestenfalls andeutet. Auch wenn der gezeigte Aderlass heftig und die Zahl der Überlebenden gering ist: Man wird den Eindruck nicht los, dass es diesmal noch einigermaßen glimpflich abgelaufen ist, man nicht dem absoluten Ernstfall beigewohnt hat, die Ruinen (und ihr Einwohner) noch zu ganz anderem fähig sind. Zu dieser suggestiven Ebene gesellen sich eine sympathische und vor allem glaubwürdig agierende Protagonistenschar, die ausnahmsweise einmal nicht ausschließlich aus hilf- und ahnungslosen Hedonisten besteht, und eine gelungene Inszenierung, der es gelingt, das Unsichtbare manifest zu machen. Eine drückende Stimmung lastet auf dem Film und rückt THE RUINS sogar in die Nähe von eher erwachsenen Horrorfilmen wie etwa WOLF CREEK. Na klar, inhaltlich ist das ganze auf dem Niveau eines grellen Horrorcomics angesiedelt und THE RUINS alles andere als ein filmisches Meisterwerk: Aber sein Regisseur beweist recht eindrücklich, dass effektives Genrekino keines visuellen und technischen Overkills bedarf, sondern die guten, alten Methoden der Spannungserzeugung immer noch weitaus nachhaltiger wirken. Das ist, wie ich finde, eine durchaus respektable Leistung.

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