the wrestler (darren aronofsky, usa/frankreich 2008)

Veröffentlicht: Mai 19, 2009 in Film
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tw_PlakatZitat_0701.inddSchwierig. Zunächst mal: Ich mochte den Film. Ehrlich. Ich mag Mickey Rourke und Marisa Tomei, ich habe ein Faible für diese tragischen Underdog-Geschichten, ich liebe den Soundtrack, der vollgepackt ist mit 80er-Hardrock, und es hat mir imponiert, wie der Film die Eighties thematisiert – meiner Ansicht nach der spannendste Aspekt dieses Films. Abseits dieses subjektiven Gefallens drängt sich aber die berechtigte Frage auf, was die Kritikergilde, die diesen Film vollkommen über jedes vernünftige Maß abgefeiert hat, hier gesehen haben will, das diesen Film so bemerkenswert macht.

Randy „The Ram“ Robinson war einst ein Held der Massen, heute lebt er in einem vergammelten Trailer. Sein kärgliches Geld verdient er mit schlecht besuchten Conventions und Schaukämpfen gegen seine ähnlich ramponierten Gegner von damals. Seine Schmerzen stillt er mit allerhand Drogen und Medikamenten und die Lichtblicke seines Lebens sind die Besuche in der Stripbar, wo er „Cassidy“ besucht. Nach einer Herzattacke darf er nicht mehr kämpfen, doch ein normales Dasein ist für ihn nicht mehr lebbar – schon gar nicht, als sowohl die geliebte Cassidy als auch seine Tochter ihn zum Teufel schicken. Also wählt er den Freitod im Ring …

Das miserable Gedächtnis des Publikums dürfte zum Erfolg von THE WRESTLER nicht gerade wenig beigetragen haben. Rourkes fulminantes Comeback wurde überall beschrien, ganz so, als habe es SIN CITY nie gegeben (und die anderen Filme, die er gemacht hat, auch nicht). Klar, Rourke erhält hier mehr Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen und man merkt, dass ihm diese Rolle geradezu auf den Leib geschneidert wurde, aber ansonsten äußert sich in dieser Starfixierung doch nur, dass THE WRESTLER der ideale Film ist, um Leuten, die keinen blassen Dunst haben, das Gefühl zu geben, echte Kunstkenner zu sein. Hier ist alles so auf Arthouse gebürstet, dass es schon ein bisschen wehtut: Die Bilder sind trist, die Protagonisten verhökern ihre Leiber an sabbernde Idioten und haben keinerlei Perspektive mehr. Und wenn es dann doch ein bisschen aufwärts geht, folgt der nächste Tiefschlag auf dem Fuße. Es gibt ein bisschen nackte Haut (edgy!) und ein bisschen Gewalt (intense!). Klar, das ist durchaus überzeugend umgesetzt und gespielt, aber eben auch über Gebühr konstruiert: THE WRESTLER ist ein Tearjerker für ein Publikum, das nie auf die Idee käme, sich ein Melodram anzuschauen, weil es dafür zu cool ist.

Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, hatte ich doch große Stücke auf Aronofsky gehalten. Doch THE WRESTLER legt den Schluss nahe, dass es mit dessen vermeintlichem Genie nicht halb so weit her ist, wie man zuvor angenommen hatte. Die Verschrobenheit von PI mutet nachträglich an wie das, was rauskommt, wenn Nerds versuchen, Lynch zu kopieren, REQUIEM FOR A DREAM erscheint so subtil wie ein Plattencover von Cannibal Corpse und THE FOUNTAIN war dann vielleicht doch nur verquaster Esokitsch.

OK, einen Gang zurück, denn schlecht fand ich THE WRESTLER nun auch wieder nicht: Vielleicht wollte Aronofsky nach dem Flop mit THE FOUNTAIN auch nur auf Nummer sicher gehen. Dann darf man ihn zu seinem Erfolg beglückwünschen und hoffen, dass es demnächst wieder einen etwas mutigeren Film von ihm zu bestaunen gibt. Ansätze sind auch hier da: Wenn er Randy als Kind der Achtziger zeichnet, den damaligen Zeitgeist durch den herrlichen Glamrock von Ratt und Konsorten heraufbeschwört und die Achtzigerjahre als eine Zeit beschreibt, in der ein Körper eine konkrete Sache war, ein Instrument, das Tatsachen schuf, während in der Gegenwart alles zigfach kodiert ist und ein Körper nur noch ein paar Dollar wert, sieht man am Horizont einen Actionfilm unter seiner Regie heraufziehen. Das käme Aronofsy auch deshalb entgegen, weil er definitiv kein Mann für leise Zwischentöne ist. Auch in THE WRESTLER neigt er dazu, seinen Punkt selbst dann noch nach Hause zu hämmern, wenn doch eigentlich alles längst klar ist.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso besser gefällt mir die Idee mit dem Actionfilm …

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Kommentare
  1. hans sagt:

    Es macht mich schon etwas fassungslos, diese, na ja, „Kritik“.
    Anscheinend hast du nicht die geringste Ahnung von der Schauspielkunst, die nicht umsonst Kunst heisst. Die seelische Oeffnung, die hier Mickey Rourke praesentiert, und zwar die glaubhafte Oeffnung, ist der Gipfel von Schauspielkunst. Und die wird, ganz zu Recht, hoch gelobt, und zwar ganz weit obene.
    Aber ich denke, du hast nicht die geringste Ahnung von Kunst und Schauspiel und kommst deshalb zu deinem Ergebnis. Dass ist etwa wie, wie der Bauer, der nur Jerry Cotton liest und dann nicht versteht was so grossartig an Hamlet sein soll, da gibt es doch kaum Action.
    Gute Nacht, schlaf weiter.

  2. funkhundd sagt:

    hansemann,

    stimmt, ich habe nicht die geringste Ahnung von der Kunst, die Schauspielkunst heißt. Deswegen habe ich ja auch geschrieben, dass ich a) Mickey Rourke sehr schätze und b) die Schauspielerleistungen in THE WRESTLER ausgezeichnet fand. Da ich aber glaube, ein bisschen was von der Kunst, die nicht umsonst Filmkunst genannt wird, zu verstehen, hat mich THE WRESTLER enttäuscht. Mir reicht es eben nicht, zu sehen, wie sich ein Schauspieler „öffnet“ (das tun übrigens auch ganz viele Pornodarsteller), um einen Film grandios zu finden (wie du), da gehört eben noch ein bisschen mehr dazu.

    Dein Beitrag erinnert mich ein bisschen an einen Hobbyliteraten, der eine Buchstabensuppe gegessen hat, und sich bei der anschließenden Begutachtung seines Stuhlgangs daran delektiert, was er da wieder für ein Epoche machendes Meisterwerk „veröffentlicht“ hat.

    Küsschen,
    dein dich liebender funkhundd

  3. hans sagt:

    Eine selten kindliche Reaktion, die sich auch in der Abwertung meines Namens darstellt, der natuerlich nicht mein richtiger ist. In dieser versuchten Abwertung spiegelt sich der ganze gekraenkte Frust einer sich wichtigtuerischen Seele.
    Ihc bin seit ca. 40 Jahren in der Branche, nebenbei erwaehnt.
    Kindskopf.

  4. funkhundd sagt:

    1) Ich veröffentliche meine bescheuerten Texte in meinem eigen Blog und blöke nicht anderen die Hütte voll. So viel also zum Thema „Wichtigtuerei“.

    2) Seelen können nicht wichtigtuerisch sein, das ist semantischer Quatsch.

    3) Deine Kritik hat mich nicht gefrustet, sondern in ihrer sprachlichen Unbeholfenheit und gespielten Empörung amüsiert.

    4) 40 Jahre in der Branche. Bin beeindruckt.

  5. Der Außenseiter sagt:

    @ hans

    Du bist es doch, der mit so viel Dampf und Abwertung gegenüber der Meinung des anderen, in diesem Falle Funkhundd, hier reingedampft bist. Wenn Du THE WRESTLER verteidigen möchtest, weil er Dir gefallen hat, dann kannst Du das hier gerne machen. Nur, warum musst Du dafür mit Beleidigungen um Dich werfen. Das sieht doch dann eher nach kindlicher Reaktion aus. Funkhundd hat Dich doch lediglich gespiegelt in Deinem Verhalten, da Dein Jerry-Cotton-Vergleich ja auch sehr verletzend ist. Immerhin hat Funkhundd Germanistik, Philosophie und Literaturwissenschaft studiert. Da jemanden solche Vorwürfe zu machen ist schon reichlich deftig. Auch wenn Du schon „seit 40 Jahren in der Branche“ bist. 🙂

  6. Wolfgang sagt:

    THE WRESTLER ist ganz OK, aber es gibt viele bessere „Boxer-Filme“, Neues suchte ich in diesem Werk vergeblich. Und was genau Aronofsky zu einem „visionary“ machen soll, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Ein gutes Routinewerk mit einem Hauptdarsteller, der Mut zur Hässlichkeit beweist, solche „Sozialdramen“ sind ja mittlerweile ziemlich selten geworden (leider, leider!). Man kann sich THE WRESTLER einmal geben, aber das reicht dann auch. Stimme Deiner Kritik zu.

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