long weekend (colin eggleston, australien 1978)

Veröffentlicht: Mai 25, 2009 in Film
Schlagwörter:, , ,

longweekend[1]Jamie Blanks‘ LONG WEEKEND war für mich das einsame Highlight bei den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Die sehr ausgewogene Mischung aus Ökohorror, Ehedrama und Psychothriller ergänzt sich zu einem ausgesprochen unangenehmen, abgründigen Schocker, der genau das hält, was Blanks Vorgänger STORM WARNING bereits andeutete. Aber dem ehemaligen URBAN LEGENDS-Regisseur gebührt nur die halbe Anerkennung, ist er doch nur das Remake dieses kleinen australischen Indiehorrorfilms gleichen Namens.

Ein zerstrittenes, kurz vor der Scheidung stehendes Ehepaar – Peter (John Hargreaves) und Marcia (Bryony Behets) – will einen verlängerten Wochenendtrip dazu nutzen, sich  wieder näherzukommen. Doch schon auf der Hinfahrt gibt es die ersten Konflikte:  Marcia hat eigentlich keine Lust auf Camping, die Vorstellung, in einem Zelt in freier Natur zu übernachten, übt keinerlei Reiz auf sie aus, im Gegenteil. Peter, ein selbsternannter Naturbursche, kann es hingegen kaum erwarten, mit Hund und Flinte durch den Busch zu ziehen. An dem abgelegenen Strand angekommen, dringen nicht nur immer weitere lang unterdrückte Feindseligkeiten und Vorwürfe ans Tageslicht, die eine Versöhnung immer unwahrscheinlicher machen, die Natur selbst scheint sich gegen die Urlauber zu verschwören …

Die Veränderungen, die Blanks gegenüber Egglestons Film vornimmt, sind marginal, aber dennoch entscheidend: Wo Blanks‘ LONG WEEKEND dramaturgisch einer sich immer schneller drehenden Spirale gleicht, da lässt Egglestons Film einen ähnlich treibenden Rhythmus vermissen. Anstatt eines stetigen Spannungsanstiegs gleicht die Dramaturgie seines Films einer Berg- und Talfahrt. Immer, wenn man denkt, dass es nun „losgeht“, gönnt sich sein LONG WEEKEND wieder eine Pause, nur um das bereits zuvor erreichte Intensitätslevel erneut anzupeilen. Nirgends wird dieser Unterschied deutlicher als in der wahrscheinlich spektakulärsten Szene des Films, die bei Eggleston – obwohl als Höhepunkt markiert – beinahe wirkungslos verpufft, während sie mir bei der Betrachtung von Blanks‘ Film eine beachtliche Gänsehaut in den Nacken zauberte und tatsächlich als Kulminationspunkt des Films erkennbar ist. In der Gestaltung von Bild und Ton ist Egglestons Film „australischer“ als Blanks‘ Version: Der dissonante Score und die seltsam distanziert wirkenden Naturbilder lassen unweigerlich an PICNIC AT HANGING ROCK oder auch WOLF CREEK denken. Wahrscheinlich ist es auch dieser typisch australische Naturmystizismus, der Egglestons Film ein wenig von seiner Ambivalenz nimmt: Die Naturbedrohung manifestiert sich bei ihm um einiges deulicher als im Remake. Erstaunlich, meist ist es genau andersrum.

Es stellt sich die Frage, wie ich beiden Filmen gegenüberstünde, hätte ich sie in anderer Reihenfolge gesehen. Gerade die Tatsache, dass beide Film die gleich Geschichte erzählen, wirkt sich nachteilig für den Zuspätgekommenen aus, der nicht für sich in Anspruch nehmen kann, mich so überrascht zu haben wie das Remake. Nach jetzigem Stand der Dinge gefällt mir Blanks‘ Version des Stoffes also etwas besser: Eine Leistung, die man gerade wegen der Ähnlichkeiten zur Vorlage keineswegs unterschätzen sollte. Blanks sparsame Modifikationen haben große Wirkung und machen aus einem sehenswerten Indiefilm der Siebziger einen ausgesprochen nervenzerrenden Thriller (mehr zu diesem gibt es übrigens in der kommenden Ausgabe der Splatting Image von mir zu lesen), dem man aber vielleicht vorwerfen könnte, etwas stromlinienförmiger als das Original zu sein. Das Fazit fällt also alles andere als leicht: Ich mag beide Filme und Egglestons Version steckt längst nicht nur hinter Blanks‘ Remake zurück, in einigen Szenen hat er diesem durchaus eine Nasenspitze voraus. Eine von beiden Verfilmungen sollte man gesehen haben, die andere wird man dann wahrscheinlich sowieso nachlegen.

Advertisements
Kommentare
  1. […] mit Richard Franklin zu ROADGAMES und Russel Mulcahy zu RAZORBACK sowie Texte zu Colin Egglestons LONG WEEKEND und – Exploitationherz frohlocke! – zu Brian Trenchard-Smiths TURKEY SHOOT und DEAD-END […]

  2. […] beatmet, der auch solche australischen Genrefilmen wie PICNIC AT HANGING ROCK, THE LAST WAVE oder LONG WEEKEND durchweht. Eine fremdartige Stimmung liegt in diesen Minuten über den Bildern, die  man auch in […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s