artists and models (frank tashlin, usa 1955)

Veröffentlicht: Juni 2, 2009 in Film
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201194.1020.A[1]Rick Todd (Dean Martin), ein aufstrebender Maler, und sein Freund Eugene Fullstack (Jerry Lewis), Kinderbuchautor, nagen am Hungertuch: Jeden Job, den Rick den beiden darbenden Künstlern ergattert, verliert Eugene mit seiner Tagträumerei, weil er immerfort an die Heldin seiner Liebelingscomics denken muss, die mysteriöse „Bat Lady“. Als Eugene eines Abends feststellt, dass die Bat Lady in der Wohnung über ihnen wohnt – bzw. die attraktive Bessie (Shirley MacLaine), die der Zeichnerin der Bat-Lady-Comics Abbie (Dorothy Malone) Modell steht -, ist das nur der Beginn von haarsträubenden Turbulenzen, in die am Ende sogar das CIA verwickelt ist … 

Toll, toll, toll! ARTISTS AND MODELS mag nicht über die formale Stringenz und den symbolisch-mythologisch aufgeladenen, gleichzeitig aber beinahe abstrakten Plot von HOLLYWOOD OR BUST verfügen, dieses Manko macht er aber durch seinen herrlich wilden Handlungsverlauf, perfekt getimte Slapstick- und Comedy-Einlagen, die wunderbare Besetzung (neben Anita Ekberg taucht unter anderem auch Jack Elam auf) und den gewohnt farbenfrohen Inszenierungsstil von Tashlin mehr als wett.  Darüber hinaus hat ARTISTS AND MODELS aber noch mehr zu bieten, fungiert er doch als Beweis, dass sich die Haltung zur Populärkultur in den vergangenen Jahrzehnten wenn überhaupt, dann höchstens marginal verändert hat. Comics gelten auch in der Welt von ARTISTS AND MODELS als Schund: Diesen Standpunkt vertritt nicht nur  Rick gegenüber seinem Kumpel Eugene, der Herausgeber der Bat-Lady-Comics selbst hat keine andere Verkaufsstrategie als „Sex & Crime“. Und die über die Verrohung ihrer Kinder erbosten Eltern wissen ihrerseits keinen anderen Ausweg aus der Misere, als die Verantwortung den Machern aufzuerlegen. Es ist ein typischer Tashlin-Zug, dass er dieses Übertragen der Verantwortung auf die denkbar grafischste Art und Weise darstellt: Die wütende Mutter lässt ihr verzogenes Balg in den Büros des Comicverlages zurück, auf dass die Comicmacher sehen, was sie mit ihrem Werk angerichtet haben. Die berechtigte Frage von Verlagschef Murdock (herrlich: Eddie Mayehoff), wie die Mutter behaupten könne, sich Sorgen zu machen, nur um ihr Kind im gleichen Atemzug genau denen anzuvertrauen, die doch ihrer Meinung nach für dessen Benehmen verantwortlich sind, verhallt ungehört. Im Kern erzählt Tashlin jedoch wieder einmal die Geschichte des gutherzigen Simpletons Lewis (bzw. Eugene), dessen stets als Fakt angenommene kindliche Unschuld den armen Dean Martin (bzw. Rick) hier in ernste Schwierigkeiten bringt. Als Rick die von Eugene im Schlaf vorgetragenen Geschichten in ein Comic für Murdock verwandelt, gibt er damit unwissentlich eine Geheimformel preis, an der der CIA gerade arbeitet. Was in Tashlins Film in erster Linie dazu dient, seinen Plot auf die nächste Absurditätsstufe zu bringen, hat sich ja längst zum Klischee entwickelt: der gutmütige Trottel, der gar nicht weiß, dass er wichtiges Datenmaterial gespeichert hat (man denke etwa an Donners gurkigen CONSPIRACY THEORY). 

Das bringt mich dann auch zum Schlüssel für diesen Film – und zu der Gemeinsamkeit, die ARTISTS AND MODELS dann doch mit HOLLYWOOD OR BUST wereint. Denn es ist wieder einmal Jerry Lewis dessen Persona dem Film erst Struktur verleiht. Das von Eugene im Film geäußerte (und besungene) Credo „Let’s pretend“ wird zur naiv gewendeten Proklamation des „anything goes“: Wenn Eugene nur eine Bohne auf dem Teller hat, gelingt es ihm durch seine Vorstellungskraft, sich einzubilden, sie sei ein Steak – das dann wenig später durch glückliche Umstände tatsächlich auf seinem Teller liegt; seine Träume werden immer wieder Realität: Erst, als er der Bat Lady begegnet, dann als seine erfundene Formel tatsächlich existiert. Auch in der Dramaturgie folgt Tashlin diesem Credo, verwandelt sein Verlierermärchen erst in eine Doppel-Liebesgeschichte und dann schließlich in eine Agentenposse, die die Gesetze von Zeit, Raum und Schnitt geradezu auf den Kopf stellt. Somit ist auch dieser drittletzte Film des Gespanns Lewis/Martin im Kern ein Film übers Filmemachen, über das Geschichtenerzählen, die Freude am Make-believe und schließlich über nichts weniger als die heilsamen Folgen solcher Dichtung. Tashlins Film ist wieder einmal eine herrliche Fundgrube, vollgepackt bis obenhin und dazu noch einer der lustigsten Filme von Martin und Lewis.

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