i shot jesse james (samuel fuller, usa 1949)

Veröffentlicht: Juni 8, 2009 in Film
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i+shot+jesse+james+posterRobert Ford (John Ireland), Mitglied von Jesse James (Reed Hadley) berüchtigter Gang, will nur eins: Seine geliebte Cynthy (Barbara Britton) heiraten. Doch dazu muss er sich von seiner Schuld befreien und das geht nur, wenn er seinen Anführer und besten Freund ermordet. Die Kugel, mit der er Jesse James hinterrücks erschießt, macht ihn berühmt, aber nicht glücklich: Im ganzen Land wird er als Feigling und Verräter verachtet und seine Cynthy hat es sich plötzlich auch anders überlegt. Im Glauben, dass es seine Armut ist, die sie zweifeln lässt, begibt er sich nach Colorado, wo man Silber entdeckt hat …

Samuel Fullers Debüt lässt seine Vergangenheit als Sensationsreporter deutlich durchschimmern. Die Geschichte um Robert Ford war zwar längst in den Mythenschatz der USA eingegangen, durch mündliche Überlieferung und Legendenbildung aber so weit verschüttet, dass sie immer noch einen idealen Stoff für Fullers filmische Archäologie darstellte. Immer wieder angereichert mit kurzen Zeitungseinblendungen, die ebenfalls auf seine ursprüngliche Profession verweisen, geht es ihm aber weniger um Geschichtsrevision, sondern eher darum, ein psychologisches Profil des Verräters aufzustellen. I SHOT JESSE JAMES reiht sich ein in die Galerie der psychologischen Western, die in den Fünfzigerjahren die ikonografische Heldenverehrung ablösen sollten, geht dabei aber ein ganzes Stück weiter als es für seine Zeit üblich war. Die homoerotischen Untertöne seines Films sind zumindest heute kaum zu übersehen – damals war das wohl anders: Robert Ford liebt sein Opfer, doch fehlen ihm die Kapazitäten, diese Liebe zu erkennen. Wenn Jesse James ihm sanft, beinahe liebkosend einen Verband auf die Schulterwunde drückt oder wenn er, nackt im Waschzuber sitzend, Robert bittet, ihm den Rücken zu waschen, dann sieht man das Unwohlsein in Roberts Blick, die Angst vor den eigenen, ihm unverständlichen und falsch erscheinenden Leidenschaften.

I SHOT JESSE JAMES hat wenig mit der Opulenz und der sich in eindrucksvollen Panoramen ergehenden Landschaftsmalerei der großen Western gemein. Der Blick ist eng, die Kamera klebt förmlich am Körper und am Gesicht Fords, der gedrungen erscheint, linkisch und gehemmt. Man könnte ihn auch eine Körperstudie nennen. Dass Robert überall mit offener Verachtung für seinen feigen Mord empfangen wird, er seiner Tat nirgendwo entkommt, verweist ihn immer wieder auf dieses nagende Gefühl, dass er, etwas mit ihm, nicht „richtig“ ist, und alle Versuche, Cynthy für sich zu gewinnen, stellen eine Flucht vor diesem Gefühl dar, einen Selbstbetrug. Erst am Ende, wenn er im Dreck der Straße im Sterben liegt, kann er sich – vor anderen und sich selbst – offenbaren: „I’m sorry for what I did to Jesse. I loved him.“

I SHOT JESSE JAMES ist ein quälendes Erlebnis. Und der bessere BROKEBACK MOUNTAIN.

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