extreme justice (mark l. lester, usa 1993)

Veröffentlicht: Juni 12, 2009 in Film
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Extreme_justice[1]Jeff Powers (Lou Diamond Phillips) ist Cop beim LAPD und bei den Kollegen der Internal-Affairs-Abteilung für seine Disziplinlosigkeiten bekannt wie ein bunter Hund. Als ihn sein ehemaliger Partner Dan Vaughn (Scott Glenn) zu der von ihm geführten Polizei-Spezialeinheit SIS (Special Investigation Section) beruft, ist Jeff entsprechend verdutzt, zumal ihm dort genau jenes Verhalten ausdrücklich gestattet wird, für dass er sich bisher immer rechtfertigen musste. Nach anfänglicher Begeisterung über den neuen Job, der eine sehr viel effizientere Art der Verbrechensbekämpfung zu erlauben scheint, kommen Jeff jedoch schon bald Zweifel: Seine neue Einheit ist offensichtlich weniger an Festnahmen interessiert als an öffentlichen Exekutionen …

EXTREME JUSTICE habe ich zum letzten Mal irgendwann in den Neunzigern gesehen, als er noch halbwegs aktuell war. Er hat mir damals sehr gut gefallen, ohne dass er mir jedoch besonders lebhaft im Gedächtnis geblieben wäre. Oberflächlich betrachtet ist Lesters Film sicherlich nichts, worüber man in ausufernde Begeisterungsstürme verfallen müsste: Es handelt sich um zwar sehr sauber inszenierte, aber dennoch recht herkömmliche Genreware, deren einzelne Versatzstücke man allesamt kennt und die eigentlich keine besonderen Neuerungen – weder inhaltlich noch stilistisch – birgt. Trotzdem hat er mir bei der Betrachtung vorgestern richtiggehend Feuer unter dem Arsch gemacht und mich von vorn bis hinten gefesselt. Woran liegt’s? Ein Grund ist mit Sicherheit, dass man seine Begeisterung für diesen Film mit nicht allzu vielen Leuten teilen muss: Schon zu seinem Erscheinen signalisierte er das letzte Aufzucken eines langsam erlöschenden Feuers – der im B-Film verwurzelte Actionfilm war seinerzeit bereits im Verschwinden begriffen – und heute dürften sich nur noch ganz wenige überhaupt an seine Existenz erinnern. Diese Unauffälligkeit macht für mich aber einen großen Teil seines Reizes und seiner Qualität aus. Heute, wo jeder Actionfilm auf 130 Minuten aufgeblasen und mithilfe zahlreicher CGIs und Avidfürze auf Hochglanz poliert wird, damit dem Zuschauer möglichst wenig Zeit zum Nachdenken bleibt, weiß man einen Film wie EXTREME JUSTICE, der ohne Schnickschnack auf den Punkt kommt, der echtes, solides Filmhandwerk bietet, der nicht mit einer neunmalklugen, möglichst werbewirksamen Prämisse hausieren gehen muss, sondern für sich stehen kann, wieder richtig zu schätzen. Die Härten kommen satt und heftig, ohne breit ausgewalzt zu werden, die Darsteller sind echte Typen, die auch gern mal jenseits der 40 sein dürfen und denen man ihre Rollen allesamt abnimmt (neben den Genannten agieren u. a. Ed Lauter mit geilem Bürstenhaarschnitt, Andrew Divoff, Yaphet Kotto, William Lucking und Richard Grove) und die Story verkommt nie zum bloßen Vorwand für die Action- und Gewaltszenen. So stellt EXTREME JUSTICE durchaus einen ernstzunehmenden, späten Beitrag zum in den Siebzigerjahren mit DEATH WISH etablierten Subgenre des Selbstjustizfilms dar. Dass Lester mit seinem Film über die realexistierende Spezialeinheit SIS, die seit ihrer Gründung im Jahr 1985 ausgesprochen kontrovers diskutiert wird, sogar ein recht heißes Eisen angepackt hatte, kann man der IMDb entnehmen, die zu berichten weiß, dass das Filmteam während der Dreharbeiten unter sehr genauer Beobachtung stand. Das täuscht sicherlich nicht über die ein oder andere arg schematisch Szene – etwa wenn Dan Vaughn einen Dialog mit dem Foto seiner Ex-Frau führt, die ihn wegen seines Jobs verlassen hat – oder den ein oder anderen überkonstruierten Charakter – z. B. Jeffs Freundin, die attraktive Enthüllungsreporterin, die prompt auf das SIS angesetzt wird – hinweg . (Ob man Lou Diamond Phillips und seine ungebändigte Indianermähne, die er hier spazierenträgt, gut oder peinlich findet, ist sicherlich ebenfalls Geschmackssache.) Aber spätestens zum Finale, das sich überaus nachdrücklich von all jenen Konventionen verabschiedet, denen EXTREME JUSTICE vorher noch ergeben war, mutet solch geschmäcklerische Kritik irgendwie kleinlich an.

Mark L. Lester – das bestätigt auch dieser Film – gehört zu einer Sorte Regisseur,  die leider mehr und mehr ausstirbt. Er lieferte zu seiner Hochzeit zwar nie ein echtes Meisterwerk ab, aber er stand immer für grundsolides, handgemachtes Actionkino. Neben seinen beiden wohl besten Filmen CLASS OF 1984 und COMMANDO war er u. a. für solche Schätzchen  wie CLASS OF 1999, SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO oder NIGHT OF THE RUNNING MAN verantwortlich, der unmittelbar auf EXTREME JUSTICE folgte. Er dreht immer noch regelmäßig Filme, doch beliefert er mit Titeln wie PTERODACTYL wohl ausschließlich den Direct-to-DVD-Markt: traurig, traurig, traurig. Wer solche Leute wie ihn und den ruppigen Großstadtfilm, der irgendwann in den Neunzigern unbemerkt verschwand, ebenso vermisst wie ich, der wird mit EXTREME JUSTICE seine helle Freude haben. Ein arschgeiles Teil!

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