the curious case of benjamin button (david fincher, usa 2008)

Veröffentlicht: Juni 14, 2009 in Film
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curious_case_of_benjamin_button_movie_poster12Im Jahr 1918 erblickt Benjamin Button (Brad Pitt) in New Orleans das Licht der Welt. Seine Mutter stirbt bei seiner Geburt und sein Vater (Jason Flemyng) gibt den missgestalteten Säugling daraufhin in die Obhut der schwarzen Altenpflegerin Queenie (Taraji P. Henson). Benjamin ist ein besonderes Kind: Mit dem Körper eines Neunzigjährigen geboren, wird er immer jünger. Als Benjamin nach Jahrzehnten, in denen ihn das Leben durch die ganze Welt geführt hat, endlich mit seiner Jugendliebe Daisy (Cate Blanchett) vereint ist und mit ihr ein Kind erwartet, wird seine Krankheit für ihn zur Bürde …

Basierend auf einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald schuf David Fincher mit THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON eine relativ typische Americana: Die Lebensgeschichte des von einer rätselhaften Krankheit geplagten Benjamin gestaltet sich als Reise durch die amerikanische Geschichte des vergangenen Jahrhunderts, deren Ereignisse sich in der Hauptfigur spiegeln. Scheint Benjamins spezielle Disposition zunächst eine Art symbolischer Absolution für kollektive menschliche Schuld zu ermöglichen – dem Film ist ein Prolog vorangestellt, der im Bild einer rückwärts laufenden Bahnhofsuhr den Wunsch nach der Rückkehr der im Krieg gefallenen Soldaten äußert – und somit vor allem positiv konnotiert zu sein, tritt mehr und mehr ihr tragischer Zug hervor: Benjamins Krankheit isoliert ihn immer mehr, zwingt ihn dazu, Beziehungen aufzulösen und sich seinem Schicksal allein zu stellen. Interessanterweise geht es Fincher jedoch nicht darum, eine Außenseitergeschichte zu erzählen: Mehr und mehr treten nämlich die Gemeinsamkeiten zwischen Benajmins besonderer und einer ganz gewöhnlichen Biografie hervor. Das Leben erfordert es, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Erfahrungen zu machen, die dann wiederum auf die Zukunft Einfluss nehmen. Verbindungen zu anderen Menschen können Sinn und Geborgenheit stiften, sie befreien einen aber immer nur vorübergehend von der Gewissheit, dass man eines Tages sterben muss. Die Bürde, im Moment des Todes über sein Leben rekapitulieren zu müssen – Habe ich aus meinem Leben gemacht, was ich mir gewünscht habe? – kann niemandem genommen werden. Und genau daraus erwächst menschliche Pflicht.

Es fällt mir schwer, BENJAMIN BUTTON richtig, sprich: nüchtern, einzuschätzen. Schon lange hat mich kein Film emotional mehr so mitgenommen wie dieser; fast über die gesamte Spielzeit hindurch habe ich mit den Tränen gerungen – und diesen „Kampf“ am Ende schließlich verloren. Finchers Film hat mich vollkommen überwältigt, was – kennt man sein bisheriges Oeuvre, das sich eher durch einen akademisch-analytischen Gestus auszeichnet, eher als ironisch-kühl-distanziert als als emotional bewegt charakterisiert werden muss – aus meiner Sicht nicht unbedingt zu erwarten war. Ob meine jetzige Begeisterung für BENJAMIN BUTTON auch nach der Zweitsichtung noch bestehen bleibt oder der Ernüchterung weicht, kann ich jetzt noch nicht wirklich sagen. Ich bin aber zuversichtlich, dass Finchers Film auch einer etwas „abgeklärteren“ Betrachtung noch standhält. Schließlich bietet er ein ganzes Leben auf.

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