fixed bayonets! (samuel fuller, usa 1951)

Veröffentlicht: Juni 17, 2009 in Film
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korean-poster-film-fix-bayonets-1951[1]Eine in den verschneiten Bergen Koreas stationierte Division der US-Armee steht unter feindlichem Beschuss und muss den Rückzug antreten. Die Nachhut bildet eine Einheit von 48 Mann, die der feindlichen Übermacht in den folgenden Stunden allein entgegenstehen muss. Der in der Rangfolge vierthöchste Offizier, Corporal Denno (Richard Basheart), sieht sich nicht in der Lage, auf einzelne Feinde zu schießen und hat Angst davor, durch eine Fehlentscheidung für den Tod seiner Kameraden verantwortlich zu sein. Als seine Vorgesetzten jedoch einer nach dem anderen dem Feind zum Opfer fallen, muss er die Initiative ergreifen …

Nach dem Erfolg mit THE STEEL HELMET arbeitete Fuller für seinen zweiten Koreakriegsfilm zum ersten Mal mit einem großen Studio, der 20th Century Fox, zusammen. Seiner Linie blieb er dabei dennoch treu: Wie der Vorgänger erzählt auch FIXED BAYONETS! weniger eine Geschichte im herkömmlichen Sinn, als dass Fuller seine Charaktere mit einer Situation konfrontiert und beide aus dieser Konfrontation heraus in einem wechselseitigen Prozess weiterentwickelt. FIXED BAYONETS! ist enorm verdichtet: Das Setting – eine Schlucht, ein Berggipfel, eine Höhle – ist deutlich als Studiokulisse zu identifizieren, die Charaktere sind allesamt grob mit dem Kohlestift umrissene Typen. Die äußersten Punkte des Figurenspektrums markieren der sensible, nachdenkliche und gebildete Denno auf der einen und der vierschrötige, kantige Vollblutsoldat Sergeant Rock (Gene Evans), dessen Name durchaus als sprechend bezeichnet werden darf. So auf einfache Vektoren reduziert, erhält FIXED BAYONETS! eine immense Körperlichkeit und Unmittelbarkeit, eine Körperlichkeit, die sich auch in einer grafischen Drastik äußert: Mehr als einmal muss man den Atem anhalten, wenn wieder einmal ein Darsteller durch einen Sprengsatz durch die Luft geschleudert wird. FIXED BAYONETS! ist kein Film der sich dem Zuschauer öffnet, ihn langsam verführt und ihm Möglichkeiten zum Hineinschlüpfen bietet, sondern einer, der sich dem Zuschauer regelrecht in den Weg stellt und sagt: „Hier, nimm es wie es ist, oder lass es!“ Der Film duldet keinen Widerspruch und auch keinen Raum für Interpretation. Er ist.

Trotzdem kann man sich über ihn unterhalten, ja sogar streiten. Meine Gattin stellte mir während des Films die mehr oder weniger rhetorische Frage: „Das ist aber nicht wirklich ein Antikriegsfilm, oder?“ und löste damit ein ausgesprochen fruchtbares Gespräch über das Wesen des Kriegs- und Antikriegsfilms und Fullers – anhand seiner Filme identifizierbaren – Haltung zum Krieg aus. Nein, Fuller geht es nicht darum, eine Message für oder wider den Krieg zu transportieren. Er ist nicht naiv genug, um anzunehmen, dass der Mensch sich von kriegerischen Auseinandersetzungen distanzieren, noch, dass sein Film den Zuschauer zu einer Positionierung bewegen könnte, die irgendeine Rolle spielte. Fuller hat selbst teilgenommen am Krieg und gesehen, wozu Menschen fähig sind. Und weil er selbst Teil des Krieges war, fehlt ihm die Arroganz, von der Kanzel herab zu predigen. THE STEEL HELMET und FIXED BAYONETS! geht jegliche Transzendenz vollkommen ab: Der archimedische Punkt ist eine Träumerei. Seine Botschaft kommt trotzdem an: gerade weil er keine Meinung transportiert. Der Krieg ist da, unteilbar, unausweichlich – wie Fullers Film, der Film ja in einem berühmten Zitat einmal mit dem Krieg verglichen hat. Der Krieg fördert das Schlechteste im Menschen zutage, ermöglicht aber auch, innerhalb dieses Schreckens das Beste zu tun, wozu Menschen fähig sind. Von Moral und Menschlichkeit  zu sprechen, ist einfach. Mensch zu sein und moralisch zu handeln, wenn das eigene Leben auf dem Spiel steht, nicht so sehr.

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