paper moon (peter bogdanovich, usa 1973)

Veröffentlicht: Juni 17, 2009 in Film
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PaperMoon-poster01[1]Der amerikanische Mittelwesten während der Depression: Eigentlich wollte der Trickbetrüger Moses Pray (Ryan O’Neal) bloß einen Strauß Blumen am Grab einer ehemaligen Liebe ablegen. Doch das Schicksal will es, dass ihm die Tochter der Verstorbenen – seine Tochter? -, die kleine Addie Loggins (Tatum O’Neal), anvertraut wird, damit er sie bei deren Tante absetzt. Zunächst möchte Moses nichts anderes, als die lästige Pflicht möglichst schnell und umstandslos hinter sich bringen, doch dann stellt sich Addie als ausgesprochen nützliche Assistentin bei seinen Betrügereien heraus …

Bogdanovich, einer der Protagonisten des New Hollywood, teilt vieles mit seinen französischen Kollegen der Nouvelle Vague. Wie die meisten von ihnen machte er seine Kinoleidenschaft zum Beruf und begann als Filmautor, schrieb Bücher über große Regisseure (namentlich Orson Welles, Howard Hawks, Alfred Hitchcock, John Ford, Fritz Lang und Allen Dwan) bevor ihm Corman seinen ersten Regiejob Ende der Sechzigerjahre übertrug, der ihm sogleich einen Achtungserfolg einbrachte: TARGETS (1969). Seinen echten Durchbruch erlebte Bogdanovich drei Jahre später mit THE LAST PICTURE SHOW, einem nostalgisch-melancholischen Coming-of-Age-Film, dessen zentrales Thema – der Wandel der Zeit – bezeichnenderweise mit dem Ende eines Kinos verbildlicht wird. Sein folgender WHAT’S UP DOC? zollt den Screwballkomödien der Dreißigerjahre – speziell denen eines Howard Hawks – Tribut, ersetzt deren Traumpaar Grant/Hepburn mit der zeitgenössischen Variante O’Neal/Streisand und stellt der Konzeptschwere seiner amerikanischen Zeitgenossen spielerische Ausgelassenheit entgegen. Während Coppola, Fonda, Altman oder Friedkin sich zu wahren Ikonoklasten entwickeln und mit Volldampf zu neuen filmischen Ufern aufbrechen, versteht sich Bogdanovich eher als Traditionalist. Und so lässt sich auch PAPER MOON am besten verstehen. Von László Kovács in wunderschönen, zu gleichen Teilen von Leere wie Sehnsucht erfüllten Bildern eingefangen, untermalt von einem Soundtrack alter Swing- und Jazzsongs, für die Bogdanovich diverse Archive durchwühlte, ist PAPER MOON ein leichter, aller Melancholie zum Trotz ausgesprochen lustiger und beschwingter Film, der die schwere Zeit der Depression rückblickend zu einer Zeit des Erfindungsreichtums, der Chancen und damit auch der Freiheit transzendiert. In einer für das Genre des Roadmovies exemplarischen kurzweiligen Abfolge von Episoden erzählt Bogdanvich aber auch von einer zärtlichen Vater-Tochter-Beziehung, deren hierarchische Ordnung nicht immer klar ist. Und ohne mich hier auf wackliges rechtliches Terrain oder in die Nähe unmoralischer Sexualpraktiken begeben zu wollen: PAPER MOON ist auch ein Liebesfilm.  

Nach diesem ging es für Bogdanovich leider rapide bergab, gleicht sein Karriereverlauf geradezu einem Erdrutsch. Bis zu MASK (1985) gelang es keinem einzigen seiner Filme in finanzieller oder künstlerischer Hinsicht an seine frühen Erfolge anzuknüpfen. 1990 versuchte er es noch einmal mit einem Sequel zu seinem prägenden THE LAST PICTURE SHOW, doch auch TEXASVILLE hinterließ keine bleibenden Spuren. In loser Folge dreht Bogdanovich seitdem seine Filme, ohne wirklich großes Aufsehen damit zu erregen. Als Filmbuchautor zählt er jedoch nach wie vor zu den großen Namen.

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