penitentiary (jamaa fanaka, usa 1979)

Veröffentlicht: Juni 18, 2009 in Film
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penitentiary_poster_01[1]Bei einer Schlägerei – Martel „Too Sweet“ Gordone (Leon Isaac Kennedy) wollte einer Prostituierten gegen zwei Angreifer helfen – kommt einer der Bösewichter ums Leben. Too Sweet, der sich an nichts erinnern kann, landet daraufhin als Mörder im Knast, wo man ihn mit dem furchteinflößenden „Half-Dead“ Johnson (Badja Djola) in eine Zelle steckt. Dieser soll den Neuling im Auftrag von Oberfiesling Jesse Amos (Donovan Womack) dem üblichen Initiationsritus unterziehen, muss sich aber letztlich gegen Too Sweet geschlagen geben. Das ruft wiederum den Gefängniswärter Lieutenant Arnsworth auf den Plan, der Boxkämpfe unter den Häftlingen organisiert und Too Sweet nun dazu überredet, mitzumachen …

Schenkt man diversen Quellen Glauben, war PENITENTIARY seinerzeit der erfolgreichste Indiefilm des Jahres. Ob dies stimmt, ist kaum noch nachzuvollziehen, mit Gewissheit kann Jamaa Fanakas eigenartige Mischung aus Knast-, Blaxploitation-, Boxfilm und Sozialkritik aber als absolut ungewöhnlich und faszinierend bezeichnet werden. Ihn als realistischen Blick auf den Gefängnisalltag zu begreifen, wie das hier und da geschieht, geht sicher etwas zu weit, dennoch ist verständlich, woher solche Behauptungen kommen: Fanaka fängt das Gefängnisleben in schmutzigen Bildern ein, die Ungeschliffenheit vortäuschen, in Wahrheit aber geschickt komponiert sind und den Zuschauer so förmlich hinter die Gitter ziehen: Die Kamera rückt den Darstellern eng auf die Haut, füllt das Bild so bis zum Bersten, lässt so nur wenig Raum und macht das Eingesperrt-Sein fast körperlich nachvollziehbar. Der Einsatz von Weitwinkelaufnahmen hat einen ganz ähnlichen eindringlichen und offensiven Effekt. Hinzu kommen die wunderbar abgerissenen und authentisch wirkenden Darsteller, die man tatsächlich lieber hinter Gittern sehen würde, als ihnen leibhaftig zu begegnen. Hinter diesen Authentifizierungsstrategien verbirgt sich aber ein Film, der alle Klischees, die man aus Knastfilmen kennt, mit Verve auf die Spitze treibt und so mehr als einmal Richtung Groteske umkippt: Da gibt es den ständig zugedröhnt ins Leere stierenden Drogenabhängigen, den weisen Boxtrainer, der nur noch seine Ruhe haben will und geradezu Angst vor einem Leben in Freiheit hat, den Frauenheld, der während der Boxkämpfe auf dem Klo den willigen Frauen auflauert, die Arnsworth als Zuschauerinnen aus dem Frauenknast rekrutiert hat, den Weichling, der sich den Demütigungen nicht widersetzen kann, und die fettleibige Transe, die hytserisch rumkreischt und statt der nicht vorhandenen Titten den Schmierbauch schwingt. Neben aller Härte ist Fanakas Film vor allem ausgesprochen komisch und das darf man – durchaus im Gegensatz zu anderen Exploitern – schon als intendiert betrachten. Genauso wie PENITENTIARY zeigt, welch integralen Bestandteil die Knasterfahrung in der afroamerikanischen Sozialisation einnimmt – hierin besteht sein kritisches Potenzial -, so sehr demontiert er das Klischee hinter dieser These. Eine Sequenz verdeutlicht diese Strategie perfekt: Nach der kurzen Exposition zeigt Fanaka, wie der ängstliche Neuankömmling Eugene (Thommy Pollard) von einem wahnsinnigen, nahezu vertierten Häftling angegriffen wird – ein Typus, der zum Inventar des Knastfilms gehört. Nachdem dieser Irre den vor Angst fast regungslosen Eugene dazu gebracht hat, vor den versammelten Häftlingen seinen Hintern zu entblößen, löst sich die ganze Situation plötzlich in Gelächter auf. Der „Irre“ entpuppt sich als Half-Dead, seine Drohung war nur ein Spiel, um den Neuling zu demütigen.

Kommentare
  1. […] an! Doch leider, leider, leider ging hier so ziemlich alles in die Buxe. Doch von vorn: Mit PENITENTIARY gelang Fanaka nicht nur ein überraschend erfolgreiches B-Picture, sondern auch ein zwar kruder […]

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