transformers (michael bay, usa 2007)

Veröffentlicht: Juni 27, 2009 in Uncategorized
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transformers-pAls 1995 BAD BOYS erschien, ein auch rückblickend doch erstaunlich blasses und beinahe anachronistisches Vehikel, ahnte man noch nicht, dass dessen Regisseur Michael Bay in den kommenden 15 Jahren Gegenstand ausgesprochen hitziger Diskussionen sein würde. Sein Debüt schien weder große Zuneigung noch echte Abneigung zu rechtfertigen: Es war eigentlich herzlich egal. Doch mit seinem in den Folgefilmen „perfektionierten“ aufdringlichen Inszenierungsstil, der die viel beschrieene Videoclip-Ästhetik in ein kaum noch für möglich gehaltenes Extrem trieb, seinen plump entwickelten Geschichten und Charakteren, die selten mehr als bloß Anlass und notwendiges Übel für die Auswüchse des auf Spektakel setzenden Eventkinos sind und den politisch-ideologisch zumindest streitbaren Aussagen seiner Filme machte sich Bay schnell zur Zielscheibe für die Kritik einer eher puristischen Filmkritik. Demgegenüber gab es aber immer auch die (wenigen) Apologeten, die Bay für missverstanden hielten, seine Filme für geradezu subversiv, seine Ästhetik für maßgeblich und modern statt derivativ. Zwischen genau diesen Extremen ist auch TRANSFORMERS anzusiedeln. Die Verfilmung einer Spielzeugreihe und Trickfilmserie aus den Achtzigerjahren vereint alles, was Bay je nach Perspektive entweder hassenswert oder aber grandios macht. Mehr noch: Er scheint diesen Zweispalt selbst anzugreifen.

Die infantile Geschichte um zwei außerirdische Rassen von gigantischen Superrobotern, die auf der Erde die Schlacht um das Schöpfungsinstrument „Allspark“ austragen, und um einen Jungen, der in diese Schlacht mit hineingerät und darüber zum Mann wird, erfordert vom Zuschauer völlige suspension of disbelief, totale Hin- und Selbstaufgabe. Wenn man diese Leistung nicht erbringt, dann ist TRANSFORMERS schon in den ersten Minuten gescheitert. Erleichtert werden soll diese Hingabe durch Bays liebstes erzählerisches Werkzeug: die Überrumpelung durch Akkumulation. TRANSFORMERS ist formal wie inhaltlich ein Film mit einer kaum zu leugnenden Technikobsession, egal, ob das nun die Roboter selbst oder die gigantomanischen Effektsequenzen sind, mit denen sie zum Leben erweckt werden, die ständigen Ausflüge in Computer-, Überwachungs- und Waffentechnologie oder die Liebe der jugendlichen Hauptfigur Sam (Shia LaBeouf) zu seinem Auto (ebenfalls ein Transformer). Bezeichnenderweise wird selbst das menschliche Objekt seiner Begierde, Mikaela (Megan Fox), mit demselben voyeuristischen Blick umgarnt wie die glänzende Karosserie seines Sportwagens – oder umgekehrt.

Aber es ist genau diese Direktheit des Films, die ihn zum besten Werk Bays macht. Die Transformers sind die Verkörperung einer Kleine-Jungs-Fantasie, die kaum noch einen narrativen Rahmen braucht. In TRANSFORMERS geht es um riesige Maschinen, um Stahl und Waffen – das war’s. Im das menschliche Auge und die Aufnahmefähigkeit vollkommen überfordernden Showdown kommt das am deutlichsten zum Ausdruck: Dort erreicht Bay einen Abstraktionsgrad, der bemerkenswert ist. Es geht nicht mehr um Konflikte, nur noch um Bewegung. Genausogut könnte man sich einen seitenlangen Binärcode oder aber Vektoren anschauen. Wollte man Bays Film jedoch auf dieses Spektakel reduzieren, täte man ihm Unrecht: Es steckt nämlich trotz allem unheimlich viel Inhalt hinter dieser Story, die auf einem Bierfilz notiert immer noch reichlich Platz ließe; ein absolutes Paradoxon, und genau das macht TRANSFORMERS so sehens- und bemerkenswert. Paradigmatisch für den Film ist der „Allspark“: ein gigantischer Würfel, der die Fähigkeit hat, unbelebte Materie zum Leben zu erwecken (Bays persönliche Muse?). In einer Szene wird ein Mechanismus in Gang gesetzt, der dazu führt, dass dieser wolkenkratzergroße Würfel sich selbst auf eine handliche Größe zusammenfaltet. So funktioniert der ganze Film: Würde man sich die Mühe machen, könnte man ihn immer weiter auseinanderfalten. Die Roboter sind Katalysatoren, um allerhand Diskurse anzustoßen und diese immer wieder umzuwandeln. Vom Kriegsfilm mit Nahostbezug verwandelt sich TRANSFORMERS in einen Coming-of-Age-Film mit Spielberg-Anleihen und dann schließlich in ein Fantasyspektakel, nur um zum Ende hin die Kurve in Richtung eines apokalptischen Kriegsfilms zu nehmen. Von unvermeidlichen Alienverschwörungstheorien über 9/11-Anspielungen und Rassendiskursen bis hin zu typischen Americana – ein Junge und sein erstes Auto/seine erste Freundin – wird hier ein enorm weites Feld abgedeckt, ohne dass es überkonstruiert wirken würde. Selbst der Bay-typische plumpe Pennälerhumor scheint hier stets mit der tongue in cheek inszeniert zu sein.

Mit den TRANSFORMERS scheint Bay also genau das Mittel gefunden zu haben, dass alle seine sonstigen Verfehlungen in Tugenden transformiert. Oder doch nicht?

PS. Weil mir bei Betrachtung der Blogstatistiken aufgefallen ist, dass dieser Text wie wild angeklickt wird (es ist der meistgelesene in meinem Blog), während mein Beitrag zum Sequel so gut wie gar keine Hits bekommt – was mir einfach nicht ganz einleuchten mag –, poste ich hier nochmal für alle möglicherweise Interessierten den Link zu ebenjenem. Viel Vergnügen!

Kommentare
  1. […] erzählen wollte, hätte ich jetzt nämlich ausgesrochen schlechte Karten: Alles, was ich über TRANSFORMERS positiv hervorgehoben habe, wird im Sequel vollkommen ad absurdum geführt. Hatte ich das Gefühl, […]

  2. […] mit rund 6.400 Hits mittlerweile der mit Abstand am meisten gelesene Filmtext, Bays Nerdgasmus TRANSFORMERS hat satte 2.000 Treffer weniger, dicht gefolgt von ACE VENTURA: WHEN NATURE CALLS, der auf nur 700 […]

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