transformers: revenge of the fallen (michael bay, usa 2009)

Veröffentlicht: Juni 27, 2009 in Film
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new-transformers-revenge-of-the-fallen-posterIch bin froh, kein Anhänger des Intentionalismus zu sein: Was ein Künstler bei der Erschaffung seines Kunstwerkes denkt, interessiert mich erst in zweiter oder dritter Instanz, wenn überhaupt. Wäre mein Gefallen oder Missfallen bei einem Film davon abhängig, inwiefern sich das, was ich in ihm gesehen habe, mit dem deckt, was sein Urheber erzählen wollte, hätte ich jetzt nämlich ausgesrochen schlechte Karten: Alles, was ich über TRANSFORMERS positiv hervorgehoben habe, wird im Sequel vollkommen ad absurdum geführt. Hatte ich das Gefühl, Michael Bay mit meiner TRANSFORMERS-Rezeption für mich „gerettet“ zu haben, muss ich nun eingestehen: Nein, er ist immer noch derselbe impertinente Typ, der ARMAGEDDON und PEARL HARBOR zu verantworten hat.

In gewisser Weise verhält sich TRANSFORMERS: REVENGE OF THE FALLEN zu seinem Vorgänger wie dessen Negativ. Hatte ich als Paradigma für dessen erzählerisches Geschick noch den Allspark angeführt, der sich von der Größe eines Hauses auf die eines Schuhkartons zusammenfalten lässt und der mithin extrem verdichtet wird, so ist das Sequel ein Luftballon, dessen schlaffe, dünne Haut unter Zuhilfenahme von viel Luft aufgeblasen wird, bis es dem Zuschauer irgendwann mit einem lauten Knall um die Ohren fliegt. Michael Bay ist ein denkbar schlechter Regisseur für ein Sequel, weil er nur eine Strategie kennt: Mehr ist Mehr. Und weil schon TRANSFORMERS nicht gerade ein Ausbund an Ökonomie war, verkommt REVENGE OF THE FALLEN zu einer ermüdenden und geradezu nervtötenden Hatz, die das Abstraktionsvermögen des ersten Teils durch langweilige Konkretion ersetzt, aber dem Vorgänger rein gar nichts hinzuzufügen weiß. Die Spielberg-Elemente (Familien- und Beziehungskrisen) werden ausgebaut und offenbaren Bays Oberflächlichkeit: Seine Menschen sind reine Stichwortgeber, Konflikte kaum mehr als Drehbuchkniffe. Der Slapstick- und Furzwitzanteil steigt und offenbart Bays Einfalt: Über weite Strecken ist das Sequel eine Komödie auf dem Niveau eines drittklassigen SCARY MOVIE-Nachziehers und lässt am Geisteszustand des Urhebers zweifeln. Die Anthropomorphisierung der Transformers wird verstärkt und offenbart Bays Rassismus: Gab es in TRANSFORMERS mit Jazz noch einen per Diktion auf afroamerikanisch getrimmten Roboter, so gibt es nun derer zwei, die als unerträglich chauvinistisches Comic Relief durch den Film gaukeln und längst verdrängte Erinnerungen an Jar-Jar Binks evozieren.

Die Epik, die in TRANSFORMERS fast ausschließlich durch die Gestalt der Roboter etabliert wurde, versucht Bay hier – sein größter Fehler – mit seinem unzureichenden erzählerischen Talent zu erzielen: REVENGE OF THE FALLEN ist grotesk umständlich konstruiert, umspannt unzählige Handlungsorte und erinnert mit seiner episodischen Struktur phasenweise eher an die INDIANA JONES-Reihe als an einen Actionfilm, dessen oberstes Prinzip ja die Einfachheit ist. In der Mitte des mit 150 Minuten viel zu lang geratenen Films hängt REVENGE OF THE FALLEN vollkommen durch und die titelgebenden Transformers werden zu Randfiguren degradiert, teilweise gar vollkommen der Lächerlichkeit preisgegeben. Da nutzen dann auch die noch einmal verbesserten Tricksequenzen nichts mehr. Und die in diesem Tohuwabohu deplatziert wirkenden emotionalen Ausbrüche am Schluss schaffen keine Zuschauerbindung, sondern bloß Fremdscham.

Schade – nicht nur, weil Bay damit wieder einmal alle Kritiker bestätigt, die ihn für einen minderbemittelten Technokraten halten, sondern vor allem, weil zwischendruch immer wieder Ansätze aufblitzen, die zeigen, was hätte sein können. Die Kämpfe der Roboter sind deutlich grafischer ausgefallen, sodass man beinahe von Maschinensplatter sprechen kann, eine lange Actionsequenz spielt in einem idyllischen Gebirgswald, der einen wunderbaren Kontrast zum Zusammenprall der Riesenroboter bietet. Letztlich kann das diesen Rohrkrepierer aber auch nicht vor dem Absaufen retten. Dem Publikum, mit dem ich diesen Film in einer als Double Feature angelegten Vorpremiere gesehen habe, konnte sich aber, besoffen am eigenen Vergnügungswillen (der schließlich blind macht), kaum noch auf den Sitzen halten. Bays Konto wird weiter anschwillen, die Bankrotterklärung ist eine rein künstlerische. Er wird damit leben können.

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Kommentare
  1. […] nicht ganz einleuchten mag –, poste ich hier nochmal für alle möglicherweise Interessierten den Link zu ebenjenem. Viel […]

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