bus stop (joshua logan, usa 1956)

Veröffentlicht: Juni 29, 2009 in Film
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154[1]Beauregard „Bo“ Decker (Don Murray), Cowboy aus Montana, ist in den 21 Jahren seines Lebens noch nie von seiner Ranch weggekommen. Als sein Mentor Virgil (Arthur O’Connell) ihn anlässlich eines Rodeoturniers nach Phoenix mitnimmt, ist Bo demzufolge etwas aufgeregt: Seine Reise will er dazu nutzen, eine Frau zu finden, von der er auch schon eine ganz genaue Vorstellung hat – obwohl ihm Frauen sonst vollkommen fremd sind. Als er in Phoenix auf die Barsängerin Cherie (Marilyn Monroe) trifft, ist es um ihn geschehen. Nach einem kleinen Flirt macht er Nägel mit Köpfen: Am nächsten Tag soll geheiratet werden. Dass Cherie darauf nur wenig Lust hat, interessiert ihn nicht weiter, und so nimmt das Unheil seinen Lauf …

Ein Jahr nach Wilders THE SEVEN YEAR ITCH, in dem ein hilfloser Strohwitwer mit der Filmikone konfrontiert wurde und darüber in verständliche hormonelle wie moralische Verwicklungen geriet, lässt Regisseur Logan in einer ganz ähnlichen Konstellation ein unerfahrenes Landei auf die fleischgewordene Männerfantasie treffen. Die anfängliche Enttäuschung darüber, dass hier nicht dem Mann der Kopf verdreht wird, sondern dieser vielmehr die Monroe mit seinen Avancen überfährt, weicht recht bald der Freude an dem Chaos, das Bo anrichtet. Mit dem Charme und der Zurückhaltung eines paarungswilligen Gorillamännchens stürzt er sich auf die arme Cherie, die vollkommen überfordert ist und keinerlei Mittel findet, den zu allem entschlossenen Cowboy in seine Schranken zu verweisen. Sowohl Monroe als auch Murray sind einfach zum Schießen: der eine agiert mit sichtbarer Freude wie ein Zwölfjähriger auf einer Überdosis Testosteron, die andere sinkt vor glaubwürdig vermittelter (Fremd-)Scham und Verzweiflung über die Unbelehrbarkeit ihres Liebhabers mehr und mehr in sich zusammen. BUS STOP weckt doch nachträglich Mitleid mit all den armen Mädchen, die man in seiner Jugend mit seinen wenig subtilen und wahrscheinlich ähnlich grausamen Mitteln von der eigenen zweifelhaften Zuneigung überzeugen wollte, ohne dabei Rücksicht auf die Angebeteten zu nehmen. Leider versteigt sich der Film im letzten Drittel zum Drama und verliert seine Linie: Bos zwar aufdringliche, aber doch irgendwie niedliche Begeisterung schlägt plötzlich ins Bedrohliche um und er muss mit Gewalt zur Besinnung gebracht werden. Trotzdem gibt es ein Happy End, weil der durch Schläge geläuterte Cowboy dann doch das Herz der Bardame gewinnt. In dieser vollkommen unglaubwürdigen Wendung bietet der ansonsten harmlose BUS STOP dann doch Anlass zur Kritik. Adorno hätte sicherlich seine helle Freude an der Vorstellung von Psychologie gehabt, die dieser Film vermittelt, über sein Frauenbild muss man da gar nicht erst reden. Angesichts der schönen ersten 60 Minuten drücke ich aber nochmal ein Auge zu – und weil ich die Monroe einfach zum Dahinschmelzen finde …

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