rebel witout a cause (nicholas ray, usa 1955)

Veröffentlicht: Juni 29, 2009 in Film
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6601_rebel_without_a_cause_jigsaw_puzzle_lg[1]Jim Stark (James Dean) ist der Neuankömmling in einer kalifornischen Stadt und als solcher bald das Opfer der örtlichen Jugendgang, die von Buzz (Corey Anderson) angeführt wird. Bei einer Mutprobe soll Jim sich beweisen, doch diese endet mit einem tragischen Unfall, bei dem Buzz ums Leben kommt. Von Gewissensbissen gepeinigt, geht Jim zur Polizei, stößt bei den Beamten jedoch auf taube Ohren. Davon wissen Buzz‘ Freunde allerdings nichts und somit ist Jim für sie jetzt nicht nur als Mörder, sondern auch noch ein Verräter, der Strafe verdient …

In REBEL WITHOUT A CAUSE wiederholt Dean seine Paraderolle aus EAST OF EDEN und spielt erneut einen Jugendlichen, der an den äußeren Umständen zerbricht. Statt im Jahr 1917 wie Cal Trask muss Jim Stark seine Konflikte allerdings im Jahr 1955 austragen und damit in einer auf die Bewahrung des Scheins bedachten Wohlstandsgesellschaft, in der Misstöne konsequent ausgeblendet werden. Wie schon in Kazans Film ist auch hier der Vater Auslöser für die Probleme seines Sohnes, doch im Gegensatz zu Adam Trask, der seinem Sohn niemals den Respekt und die Liebe entgegenbringt, die dieser braucht, versagt Jims Vater als Vorbild: Er wird als schwächlicher, devoter, beinahe femininer Mann gezeichnet, der unter der Fuchtel seiner Frau steht und niemals einen klaren Standpunkt einnimmt, sich stattdessen in Ausreden und Relativierungen flüchtet. Aber Jim ist nicht der einzige mit solchen Problemen: Alle Jugendlichen stehen unter dem Einfluss einer repressiven Gesellschaft, die jedoch ironischerweise nicht mit äußerster Strenge gegen ihre schwarzen Schafe vorgeht, sondern konsequent wegsieht und Probleme kleinredet. Neben Jim ist da vor allem der Waisenjunge John, genannt Plato (Sal Mineo): In relativer finanzieller Sicherheit und der Obhut eines schwarzen Kindermädchens aufwachsend, sieht dieser in dem unabhängigen, mutigen Jim ein Vorbild. Diese Beziehung führt jedoch letztlich zur zweiten großen Tragödie des Films, als mit Judy (Natalie Wood) eine weibliche Figur zwischen die beiden tritt. REBEL WITHOUT A CAUSE analysiert nicht zuletzt die gesellschaftlichen Folgen, die der Verlust des Vaters mit sich bringt: In einer Nachkriegsgesellschaft, die ihre Söhne und Väter in den Tod geschickt hat, fehlen die starken männlichen Rollenvorbilder und mit ihnen die Autorität, die die moralische Orientierungslosigkeit der Jugendlichen auflösen könnte. Jim und seine Altersgenossen sind auf der Suche nach klaren Werten, doch werden immer nur vertröstet – oder gar nicht beachtet.

James Dean ist als Jim Stark endgültig zur Ikone gereift: Das Plakatmotiv, das Dean in seinem stilprägenden Filmoutfit zeigt – weißes T-Shirt, rote Jacke und Blue Jeans, die Zigarette lässig zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt, den Daumen cool abgespreizt -, dürfte eines der berühmtesten Filmbilder des 20. Jahrhunderts sein. Und ikonisch ist auch Deans Darstellung, in der er wieder sein Innerstes nach Außen kehrt und eine einzigartige Körpersprache findet, um die Zerrissenheit seines Charakters sicht- und fühlbar zu machen. Dean gilt – auch aufgrund der von ihm im kollektiven Gedächtnis gespeicherten Bilder – als Inbegriff der Fifties-Coolness, doch im Gegensatz zu einem Marlon Brando ist James Dean in seinen Filmen niemals der Unnahbare gewesen, sondern immer ein zutiefst verwundeter und sensibler, ja zärtlicher Charakter. Vielleicht ist es das stärkste Zeichen seiner Kunst, dass eine ganze Generation (männlicher Jugendlicher) ihn als prägend empfunden hat, obwohl er sich niemals davor scheute, seine Gefühle auf der Leinwand zu offenbaren, Schwäche und Verletzbarkeit zu zeigen – und eben denmnoch auch unverkennbar männlich zu bleiben, wenn er sich vermeintlich „unmännlich“ gebärdete. Nicholas Ray gelingt es stärker als Kazan in EAST OF EDEN, Partei für die Jugend zu ergreifen, Verständnis für sie zu erreichen und nicht auf einen lauen dramaturgischen Kompromiss oder die bloß affirmative Versöhnung aus zu sein; im Gegenteil zeigt er gerade diese ausweichende, vorauseilende Versöhnung als die Ursache allen Übels. REBEL WITHOUT A CAUSE ist demzufolge weniger theatralisch, runder, kompakter und kritischer, hat außerdem etliche Szenen aufzubieten, die sich für immer ins Gedächtnis brennen: das Planetarium, den Messerkampf, das Angsthasen-Rennen, das mich als Kind schwer beeindruckt, um nicht zu sagen schockiert hat, das Vater-Mutter-Kind-Spiel im verfallenen Herrenhaus, der leere Pool. Vielleicht wirkt REBEL auch deshalb kraftvoller, weil Dean mit Sal Mineo ein Darsteller zur Seite gestellt wird, der einen Charakter verkörpert, dessen Bedeutung für das Hollywoodkino nicht unterschätzt werden sollte. Dass niemals klar gemacht wird, ob Plato vielleicht mehr als nur freundschaftliche Gefühle für Jim hegt, verstärkt den Impact dieser Figur eigentlich eher, als dass er ihn abmindern würde. Es klingt vielleicht nicht unmittelbar plausibel: Aber REBEL WITHOUT A CAUSE ist ein subtiler Film und seiner damaligen Zeit einige Jahre voraus.

Kommentare
  1. […] rebel witout a cause (nicholas ray, usa 1955) « Remember it for later Pingback zu 29. Juli 2010 um 3:33 pm […]

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