the gauntlet (clint eastwood, usa 1977)

Veröffentlicht: Juli 16, 2009 in Film
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gauntlet[1]Der abgerissene Cop Ben Shockley (Clint Eastwood) erhält einen Spezialauftrag: Er soll einen Häftling namens Gus Mally aus dem Gefängnis in Las Vegas abholen und nach Phoenix überführen, damit er dort in einem Prozess aussagen kann – „a nothing witness in a nothing trial“, wie sich Shockleys Vorgesetzter Blackelock (William Prince) ausdrückt. Die erste Überraschung erlebt Shockley jedoch bei seinem ersten Treffen mit Gus, denn der vermeintliche Mann entpuppt sich als Frau (Sondra Locke), noch dazu als Prostituierte. Aber das ist noch nicht alles: Irgendjemand scheint etwas dagegen zu haben, dass Gus aussagt, denn kaum tritt Shockley mit ihr die Reise an, beginnen die Anschläge auf ihrer beider Leben …  

Ich habe THE GAUNTLET gestern zum vierten oder fünften Mal gesehen und glaube, ihm jetzt endlich auf die Schliche gekommen zu sein. Gefallen hat er mir auch bei den letzten Sichtungen, aber da war stets auch das Gefühl, dass ihm irgendetwas fehlte, das ich nicht genau benennen konnte. Das Geheimnis: Das Erkennen dieses unbestimmten Mangels liegt allerdings weniger in einem „Übersehen“ begründet, sondern ist der Struktur von THE GAUNTLET inhärent, der annähernd den Abstraktionsgrad von Eastwoods vier Jahre vorher entstandenem HIGH PLAINS DRIFTER erreicht, der darüber aber hinwegzutäuschen versucht, indem er seinen Film „auffüllt“. Die Liebesbeziehung etwa, die zwischen Shockley und Mally entsteht, fügt dem Film außer einem Plotklischee nichts Nennenswertes hinzu, rundet lediglich einen Film ab, der doch gerade durch seine Skizzenhaftigkeit besticht. Das Finale etwa, dem THE GAUNTLET seinen Titel verdankt, der sowohl die Redewendung „to run the gauntlet“ (zu deutsch etwa: „Spießrutenlauf“) als auch das mit dem „gauntlet“ (deutsch: „Fehdehandschuh“) verbundene „eine Herausforderung annehmen“ aufgreift, ist Reduktion in Vollendung: ein Mann, ein Weg, ein Ziel. Der ganze Film darf als Ausarbeitung über diese den Actionfilm in seiner Grundstruktur erst definierenden drei Grundpfeiler verstanden werden (begreift man den Weg als zwangsläufige, kürzeste Verbindung zwischen dem Helden und seinem Ziel, sind es sogar nur zwei). Aber noch in einer anderen Hinsicht ist THE GAUNTLET erhellend: In unserem Text über den Pilotfilm von AIRWOLF haben Der Außenseiter und ich uns mit der Askese des Helden befasst. Diese Askese sollte nun nicht im gängigen Sinn begriffen werden – auch Shockley wird ja gleich zu Beginn als Säufer und Glücksspieler charakterisiert -, sondern in einem allgemeineren Sinne: Der Held ist frei von Machtstreben, hat keine Ambitionen oder Karriereträume – er genügt sich selbst. Diese „Beamtenmentalität“, wie Der Außnseiter diese Disposition in Anlehnung an einen Dialog aus DR. NO nennt, ist auch das prägende Charakteristikum Shockleys und der Motor für den ganzen Film. Sie ist sowohl die Ursache dafür, dass er den Auftrag, Mally zu überführen, überhaupt erhält – „Ich tue, was man mir sagt!“ sagt Shockley einmal über sich -, als auch Voraussetzung für seinen Triumph. Blakelock weiß, dass Shockley den Auftrag annehmen wird, ohne Fragen zu stellen (zweimal lässt er sich im Verlauf des Films von seinem Chef am Telefon abfertigen und antwortet noch, nachdem dieser schon aufgelegt hat, mit „OK, Sir.“). Und Shockley ist so hartnäckig, dass er seinen Auftrag noch zum Ende bringt, als er längst weiß, dass er hintergangen worden ist. Um die Cleverness der Konstruktion von THE GAUNTLET zu erfassen, muss man es noch deutlicher sagen: Shockley ist so „gewissenhaft“ in der Ausübung seines Berufs, dass er selbst einen Auftrag noch ordnungsgemäß zu Ende bringt, dessen Erfüllung von seinem Auftraggeber ja gar nicht gewünscht ist, der nur eine Finte ist, ja, der eigentlich gar nicht existiert. Shockley verwandelt sich vom kleinsten Rädchen im Getriebe zur Ursache: Seine Unnachgiebigkeit schafft neue Tatsachen. Ich bin sehr überzeugt davon, dass man THE GAUNTLET so sehen muss, weil es die einzige Möglichkeit darstellt, sich nicht an logischen Ungereimtheiten und Plotholes zu stoßen, die man sonst durchaus monieren könnte: Der ganze Film ist auf die finale Konfrontation am Zielort hin konstruiert. Diesen zu erreichen, läst sich der Regisseur Eastwood von den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit genauso wenig verbauen wie Ben Shockley.

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