framed (phil karlson, usa 1975)

Veröffentlicht: Juli 21, 2009 in Film
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Ron Lewis (Joe Don Baker) betreibt mit seiner Geliebten, der Sängerin Susan Barrett (Conny van Dyke) einen Nachtclub, doch seine eigentliche Leidenschaft gerhört dem Kartenspiel. Als Ron ein großer Wurf gelingt, währt das Glück nur kurz: Nach einem Anschlag auf sein Leben sieht sich Ron einer Leiche und bald auch einer Mordanklage gegenüber. Alle Beteuerungen stoßen auf taube Ohren und auch das gewonnene Geld ist spurlos verschwunden. Als Rons Anwalt ihm rät, auf einen Deal einzugehen, der ihn von der Mordanklage befreit, ihm aber vier Jahre hinter Gittern einbringt, willigt Ron resigniert ein, fest entschlossen, nach seiner Entlassung herauszufinden, wer ihn als Bauernopfer missbraucht hat …

framedNach dem Erfolg von WALKING TALL arbeitet Routinier Karlson für seinen letzten Film erneut mit Joe Don Baker zusammen. Das Ergbnis ist ein ebenso ruppiger, roher und geradliniger Rachethriller geworden, der volles Kapital aus der Physis seines Hauptdarstellers schlägt. Baker ist einfach wie gemacht für diese gutmütigen, hemdsärmeligen Typen, die, einmal aus der Ruhe gebracht, zur tickenden Zeitbombe werden und einer Naturgewalt gleich unaufhaltsam ihrem Ziel entgegenwalzen. Weil sein Hauptdarsteller das Zentrum des Films vollkommen ausfüllt, muss Karlson sonst eigentlich nicht mehr tun, als auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen und die Sache laufen zu lassen. FRAMED wirkt in einem Maße uninszeniert, in dem heutige Filme überinszeniert sind: Die Bilder sind zweckdienlich bis schmucklos, die Settings ebenso, das Tempo ist gemächlich, ohne jedoch einzulullen, Schnitt und Score sind gleichermaßen unauffällig. Wollte man dem Film Böses, so könnte man unterstellen, er sehe nach Fernsehen aus, aber das wäre erstens herzlos und zweitens unangemessen, weil FRAMED trotz seines stilistischen und erzählerischen Reduktionismus ein beträchtliches Maß an Spannung und Sog entwickelt. Karlson macht das Gefühl, von der Welt verraten und verkauft worden zu sein, gemeinsam mit Baker jedenfalls absolut nachvollziehbar. Die Triebabfuhr zum Schluss läuft dennoch nicht aus den Fugen: Der Bodycount bleibt überschaubar, die Gewalt im Rahmen. Aber es ist auffällig, welche Härte und Unmittelbarkeit diese kleinen, schmutzigen Filme aus den Siebzigern mit ihren vergleichsweise beschränkten Mitteln erreichen. In FRAMED fließt weniger Blut als in manchem Film, der heute ab 12 freigegeben wird, trotzdem trifft er weitaus härter. Mann, diese Szene mit dem Ohr … Ich hätte mir ein etwas anderes Ende gewünscht, aber Karlson ist eben Karlson und nicht Siegel oder Peckinpah – das ist auch ganz gut so. Mehr muss man zu FRAMED nicht sagen.

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