the war lord (franklin j. schaffner, usa 1965)

Veröffentlicht: Juli 21, 2009 in Film
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Im 11. Jarhundert erhält der Ritter Chrysagon de la Crou (Charlton Heston) von seinem Herrn ein Lehn: ein kleines von heidnischen Fischern und Bauern bewohntes Dorf, das immer wieder von den Friesen überfallen wird und das nun verteidigt und gesichert werden soll. Doch dort angekommen verliebt sich der Ritter in das Bauernmädchen Bronwyn (Rosemary Forsyth) und nimmt sie trotz bestehender Ehe mit dem Dorfbewohner Marc (James Farentino) zu sich. Die Dorfbewohner sind aufgebracht: Ein Umstand, der den einfallenden Friesen in die Karten spielt …

war_lord[1]Im vergangenen Jahr habe ich eine traurige Erkenntnis erlangt: Ich finde Monumentalfilme todsterbenslangweilig. In der Erinnerung, die mich in eine Zeit zurückversetzt, in der ich als Steppke begeistert vor der Glotze saß und die Geschichten um Ritter, Römer und Piraten vom Strudel der bunten Bilder mitgerissen begierig aufgesogen habe, begeistern mich diese Filme nach wie vor, lösen ein wohlig-nostalgisches Gefühl aus. Nur lässt sich dies in der Realität einfach nicht mehr reproduzieren. Die beiden letzten Filme dieser Gattung, die ich mir angeschaut habe, EL CID und QUO VADIS?, haben in mir das Bedürfnis geweckt, mit einer Schere einzugreifen und diese Epen auf ein gesundes Maß zurechtzustutzen, sie von ihren ewig andauernden Dialogszenen und ihrer geradezu ernüchternden Eineindeutigkeit zu befreien. Obwohl der Monumentalfilm es sich zum Ziel gemacht hat, die Möglichkeiten seines Mediums und den Reichtum Hollywoods voll auszuschöpfen, muten diese Filme auf mich geradzu antifilmisch an: Ihre Regisseure sind zu überforderten Logistikern und Organisatoren degradiert, erzählerische Finesse wird durch lückenlose Reproduktion ersetzt und wenn die schier unerschöpflichen Mittel doch einmal an ihre Grenzen stoßen, wird über das, was nicht gezeigt werden kann, einfach geredet. Im Grunde erinnert der Monumentalfilm an längst überkommene oder aber auf die Volksbühnen verbannte Theaterinszenierungen: Männer und Frauen stehen in Kulissen und reden. Im Monumentalfilm ist alles viel größer und statt eines fallenden Vorhangs, des Kostümwechsels und Kulissenumbaus gibt es nun praktischerweise den Schnitt. Doch darin erschöpft sich die inszenatorische Kreativität meist auch schon. Der ideale Zuschauer wird wahrscheinlich damit zufrieden und der Meinung sein, der betriebene Aufwand mache diesen Mangel vergessen: Klar, das Kind im Manne frohlockt, wenn sich die Gladiatoren durchs nachgebaute Colosseum balgen, doch auf 150 Minuten ausgewalzt erschöpft sich zuindest bei mir auch dieser Effekt irgendwann. Meine Sichtung von THE WAR LORD stand demzufolge unter einem denkbar schlechten Vorzeichen.

THE WAR LORD aus dem Jahr 1965 ist einer der letzten Filme seines Genres, das mit den Umwälzungen, die Arthur Penns BONNIE & CLYDE initiierte – und damit ausgerechnet  jener Regisseur, der für EL CID noch verantwortlich gezeichnet hatte -, als Altvorderenkino abgestraft und „abgeschafft“ wurde. Dementsprechend teilt Schaffners Film einige der oben genannten Charakteristika, überwindet aber gleichzeitig einige der dem Genre – entgegen dessen Bezeichnung – inhärenten Limitierungen. THE WAR LORD kommt ausgesprochen handlich daher, mit einer Länge von knapp unter zwei Stunden und einem auf das Wesentliche reduzierten Plot. Anstatt weltbewegende historische Vorgänge abzubilden, bedient sich Schaffner eher eines Detailblickes und zeichnet „seine“ Epoche anhand eines kleinen, unwesentlichen Ereignisses nach. THE WAR LORD wirkt so weniger überfrachtet und auch authentischer als die großen Historienfilme, die zwar mit ihrer Größe hausieren gehen, aber gemessen an der tatsächlichen Größe der Ereignisse, die sie abbilden wollen, letztlich doch wieder irgendwie klein, miefig und hölzern erscheinen. Statt in Rom, Babylon, Jerusalem oder Kairo ist die Geschichte um den Ritter Chrysagon in einem winzigen Dorf im Morast der Normandie angesiedelt und der Kern der Geschichte kreist weniger um den Konflikt zwischen Chrysagons Männern mit den Friesen als vielmehr um den zwischen den Adligen und dem gemeinen Volk. Chrysagon ist hin- und hergerissen zwischen der Loyalität für seinen Stand und seinen Herrn und der Liebe für das Bauernmädchen Bronwyn. Seine Aufgabe, Frieden mit den Einwohnern und damit auch das Dorf zu halten, kann er nicht befehlsgemäß erfüllen, weil ihm die Emotionen dazwischenkommen. Damit einher geht für ihn aber auch ein Selbsterkenntnisprozess: Wenn er die Aufgaben, die ihm als Ritter übertragen wurden, nicht erfüllen kann, so ist er demzufolge kein Ritter mehr. THE WAR LORD erzählt damit von einem schweren inneren Konflikt, der sich vor dem Hintergrund eines zwar handfesteren, aber eben nur äußeren Konflikts abspielt und typisch für den Film(helden) dieser Umbruchsphase ist. Es ist nur ein kleiner Schritt von Chrysagon zu den resignierten alten Männern des Spätwesterns, der ein paar Jahre später populär werden sollte, und die bei der Suche nach ihrem Traum immer nur dessen Ende fanden. Dazu passt auch das Finale: Nachdem Chrysagon die erbitterte Schlacht gegen die Friesen mit einer Geste der Freundschaft beendet, bietet ihm deren Anführer die Freundschaft und das Exil an, in dem der Edelmann der Strafe seines Herrn entgehen würde. Chrysagons Werte ensprechen zwar nicht mehr denen seines Systems, trotzdem will er sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Er wird sich, ritterlich wie er ist, dem Urteil seines Herrn stellen und die Strafe, die ihn erwartet, tapfer auf sich nehmen. In der Welt ist eh kein Platz mehr für ihn.

Schaffners Film besticht natürlich durch seine Kulisse und die auch heute noch aufregenden Actionszenen – der Kampf um den einen Wehrturm ist gerade wegen dieses minimalistischen Szenarios so aufregend – aber auch durch die Aufrichtigkeit, die er jenen Menschen entgegenbringt, die im Monumentalkino sonst stets marginalisiert wurden. Die Besetzung mit Charlton Heston hingegen ist diskussionswürdig: auf der einen Seite sicherlich geschickt, weil Heston als einer der Hauptdarsteller großer Historienfilme eine ideale Besetzung für einen Film scheint, der doch auch vom Ende seines Heldentyps erzählt (Heston geht stellvertretend für seine Persona in den Tod); auf der anderen mag man dem Star diese neue Sensibilität nicht abnehmen, ist er immer nur dann wirklich überzeugend, wenn er den chauvinistischen Herrenmenschen gibt (angesichts der scheußlichen Topffrisur, die man ihm hier hat angedeihen lassen, eine nicht zu unterschätzende Leistung). Trotz dieser Einwände ist THE WAR LORD durchaus sehenswert. So jedenfalls lasse ich mir Monumentalkino gefallen.

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