the protector (james glickenhaus, usa 1985)

Veröffentlicht: Juli 22, 2009 in Film
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New York: Nachdem sein Partner von ein paar Verbrechern umgebracht worden ist, macht der aus China stammende Cop Billy Wong (Jackie Chan) mit einer gnadenlosen Verfolgungsjagd zu Wasser den Hudson River unsicher und bekommt dafür im Anschluss en obligatorischen disziplinarischen Verweis von seinem Vorgesetzten. Die wenig später erfolgende Entführung von Laura Shapiro, der Tochter eines reichen Geschäftsmannes, durch Hongkong-Gangsterboss und Drogenzar Harold Ko (Roy Chiao) macht die Rehabilitierung des Geschassten jedoch unumgänglich. Gemeinsam mit seinem neuen Partner Danny Garoni (Danny Aiello) wird Billy in die britische Kolonie geschickt und darf dort genau das tun, was ihm in New York immer Ärger einbrachte …

TheProtector1985[1]THE PROTECTOR, Glickenhaus‘ vierter Spielfilm, entstand als Koproduktion zwischen den USA und Hongkong und stellt den zweiten, erneut gescheiterten Versuch dar, seinen Hauptdarsteller, damals schon ein großer Star in Hongkong, in den USA zu etablieren. Robert Clouse, vorher als Regisseur von ENTER THE DRAGON maßgeblich am internationalen Durchbruch von Bruce Lee beteiligt, war dies schon mit THE BIG BRAWL (1980) nicht gelungen, und so dauerte es weitere fünf Jahre, bevor man einen neuen Versuch unternahm (zwischendurch wirkte Chan in Nebenrollen in den beiden CANNONBALL-Filmen mit). Der Ansatz von THE PROTECTOR ist durchaus logisch: Über weite Strecken ähnelt der Film den Hongkong-Produktionen Chans, in denen dieser stets ausgiebig Gelegenheit erhält, seinen Wagemut und seine Geschicklichkeit in haarsträubenden Stunts unter Beweis zu stellen: Auch in Glickenhaus‘ Film dreht sich alles um Chan, der rennt, schießt, springt, klettert und Reihenweise bad guys unter Zuhilfename von Fäusten, Füßen und allerlei Einrichtungsgegenständen verdrischt und zu halsbrecherischen Stürzen zwingt. Und auch inhaltlich thematisiert THE PROTECTOR seinen Crossover-Versuch, indem er klarmacht, dass auch die USA einen solchen asiatischen Springinsfeld mehr als gut gebrauchen könnten. Sie müssen sich nur erst an ihn gewöhnen, seine Methoden schätzen lernen, bevor sie ihn Gewinn bringend einsetzen können. THE PROTECTOR leistet also seinen Beitrag zur – ähem – Völkerverständigung. Es ist gerade aus heutiger Sicht nicht ganz klar, warum Chan nach diesem Film trotzdem noch gut zehn Jahre auf seinen US-Durchbruch warten musste: Glickenhaus nimmt von Beginn an keine Gefangenen, jagt Chan durch eine furiose Auftaktsequenz, schneidert ihm auch nach dem Schauplatzwechsel zahlreiche weitere Actionsequenzen auf den durchtrainierten Leib, hält das Tempo bis zum Finale durchgehend hoch und bietet mit seinem Fernost-Setting einige Schauwerte. Vielleicht war sein Film mit seinem East-meets-West-Ansatz damals einfach zu früh, vielleicht war es aber auch der völlige Verzicht auf einen emotional involvierenden Unterbau und greifbare Figuren, die einen großen Erfolg des Films verhinderten. Aus den Actionfilmen seiner Zeit fällt THE PROTECTOR jedenfalls heraus und an Glickenhaus‘ stockfinsteren THE EXTERMINATOR erinnert auch nur noch der Anfang. Auch wenn THE PROTECTOR ähnliche Affekte bedient wie die großen Actioner seiner Zeit – die Wut auf ein gegenüber dem aus dem Ruder gelaufenen Verbrechen machtloses Rechtssystem, auf Verbrecher, die sich mit ihrem Geld alles kaufen können, und auf korrupte Staatsbeamte, die ihre Leute verraten, um sich selbst zu bereichern -, geht diesem Film doch jegliche Nachhaltigkeit ab: wie eben seinen Verwandten aus Hongkong, denen ebenfalls ein eher sportliches Verständnis von „Action“ zugrunde liegt, und dem modernen amerikanischen Actionkino, das aus seinem mittlerweile evidenten Hongkong-Einfluss keinerlei Hehl mehr macht und sich ebenfalls als reines Spektakel begreift. Unter diesem Gesichtspunkt – und blendet man das Zeitkolorit aus – könnte man fast behaupten, dass THE PROTECTOR seiner Zeit damals voraus war, heute „moderner“ wirkt als damals. Ob man das gutheißt, THE PROTECTOR mag oder nicht, ist Geschmackssache. Mir hat er sehr angenehm die Zeit vertrieben. Und das nicht schlecht.

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